ERÖFFNUNG. Wegen des stürmisch-feuchten Wetters
fand die Eröffnung nicht wie vorgesehen auf dem Uniplatz,
sondern etwas verspätet in der Aula statt. "Schirmfrau"
der diesjährigen "Langen Nacht" ("Schirmherrin"
zu sagen, ist out) war die Sozialministerin des Landes Sachsen-Anhalt,
Gerlinde Kuppe. Besonders gern habe sie diesem Wunsch entsprochen,
betonte sie, weil ein Schwerpunkt diesmal Angebote für
Kinder und Jugendliche waren. Gemeinsam mit dem Rektor der
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Wulf Diepenbrock,
wünschte sie allen 85 beteiligten Einrichtungen einen
interessanten und erfolgreichen Verlauf der Nacht und besonders
den Jüngeren und Jüngsten unter den Gästen
viel Spaß beim Erkunden der verschiedenen Wissenschaften,
beim selber forschen und experimentieren, zum Beispiel auf
dem Weinbergcampus beim "Kinder-Labor- Parcours"

SHOW-DEBATTE
Zum dritten Mal war die Aula zu klein für diesen amüsanten
"Eiertanz der Eloquenzen" - und die vom Auditorium
per Applausometer ausgewählte Frage, die es zu entscheiden
galt, versprach von Anfang an ein spannendes Duell. Weder
die in Aussicht gestellte Abschaffung zoologischer Gärten
noch die eventuelle Einführung eines Familienwahlrechts,
sondern die Frage, ob Halle an der Saale Bundeshauptstadt
werden soll, galt es vehement zu diskutieren. Das überraschende
Ergebnis: Halle bleibt Provinz und das mit selbstbewusstem
Stolz! Damit hatte in Gestalt der Prominentenriege (Tom
Wolter, Wulf Diepenbrock und Gerry Kley) die Opposition
gesiegt; das klartext-Team mit Friedrich Schlimbach, Torsten
Rössing und Marcus Ewald musste sich geschlagen geben.
Als Zünglein an der Waage sprach, nach Marius Thye
(für die Pro-Berliner) und Felix Till (für die
Pro-Hallenser), der dritte "freie Redner", Tom
Knoth der seine anfängliche Präferenz zugunsten
des Umzugs der Bundeshauptstadt von der Spree an die Saale
aufgab und sich den überzeugenderen Argumente für
die Vorteile des Provinzstadtstatus für Halle nicht
länger verschloss.

DAS THEMA RAUCHEN IM AUDIMAX
Es geht um "Europa und den blauen Dunst", simuliert
wird eine Verhandlung vor dem Europäischen Gerichtshof.
Das Auditorium Maximum ist gut gefüllt, die Richterbank
prominent besetzt: Prof. Dr. Angela Kolb, Ministerin für
Justiz des Landes Sachsen-Anhalt, hat den Vorsitz, neben
ihr haben sich Prof. Dr. Ulrich Widmaier, Richter am Bundesverwaltungsgericht,
und Prof. Dr. Christian Tietje, Professur für Öffentliches
Recht, Europarecht und Internationales Wirtschaftsrecht,
in schwarzen Roben niedergelassen. Das Verfahren ist fiktiv,
aber die Studierenden, die auf der einen Seite die EU, auf
der anderen die Bundesrepublik Deutschland vertreten, legen
sich mächtig ins Zeug. Die BRD klagt gegen ein europaweites
Rauchverbot in Räumlichkeiten. "Das geht zu weit",
erklären die Kläger wenn auch in juristisch
wesentlich ausgefeilterer Form. "Aber die EU-Richtlinie
lässt doch Spielraum: Schließlich wäre ein
zusätzliches Rauchverbot auf der Leipziger Straße
denkbar", kontert Christian Tietje und hat die
Lacher auf seiner Seite. Allerdings wird schnell deutlich:
Einfach sind solche Verfahren nicht. Einige Zuhörer
ziehen sich zurück. Manche sieht man draußen
genüsslich eine Zigarette rauchen.

EMPFANG DES REKTORS
In der Burse zur Tulpe (Universitätsring5) lud der
Rektor um 21 Uhr prominente Gäste aus Wissenschaft,
Politik und Wirtschaft zum Empfang, unter ihnen Sachsen-Anhalts
Landtagspräsident Dieter Steinicke, die Ministerin
für Gesundheit und Soziales Dr. Gerlinde Kuppe, Kultusminister
Prof. Dr. Jan-Hendrik Olbertz, der Landtagsvizepräsident
Dr. Rüdiger Fikentscher, der Bundestagsabgeordnete
und Parlamentarische Staatssekretär im Bundesinnenministerium,
Dr. Christoph Bergner, die Landtagsabgeordneten (Sachsen-Anhalt)
Gerry Kley und Hendrik Lange, der Geschäftsführer
der TGZ Halle GmbH, Prof. Dr. Wolfgang Lukas und der Präsident
des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle, Prof.
Dr. Ulrich Blum. Anschließend gab es für die
Gäste einen gemeinsamen nächtlichen Rundgang über
den gut besuchten Universitätsplatz, bei dem sie an
verschiedenen Ständen verweilten und auch den Universitätswein
probieren konnten.

SPRECHBÜHNE
Zugegeben, der Kleine Saal in der Marktstraße ist
nicht so groß wie die Aula, aber überfüllt
war er allemal, als sich in origineller Weise das Institut
für Sprechwissenschaft und Phonetik präsentierte.
Zunächst führte Ursula Hirschfeld, ihres Zeichens
Direktorin, in das Fachgebiet ein, das 4 Studentinnen lebendig
illustrierten, indem sie die Hauptstudiengebiete
Rhetorik, Phonetik, Stimm- und Sprachheilkunde sowie Sprechkunst
anschaulich vor Augen führten. Wie das Ganze,
wenn man's kann, in praxi wirkt, zeigte die "Sprechbühne"
unter der Leitung von Martina Haase mit Ausschnitten aus
der jüngsten Inszenierung, einer vergnüglichen
Hommage an den alten Christian unter dem Motto "Guten
Morgen, Stern". Die nämliche bot nicht nur was
fürs Ohr, sondern ebenso für Herz und Verstand
- und fürs Auge auch. Am Dienstag, 30. Oktober 2007,
ist übrigens im "nt" die nächste Vorstellung
geplant schon mal vormerken!

FOSSILIEN UND GESTEIN
Unter dem Motto "Fossile Krokodile Klimaindikatoren
und Paläothermometer" gab es ab 19 Uhr stündlich
Führungen durch das Geiseltalmuseum der Martin-Luther-Universität,
das in der Neuen Residenz am Domplatz seinen Sitz hat. Kustos
Dr. Meinolf Hellmund erläuterte den zahlreichen interessierten
Besuchern die Schausammlung, die Einblicke in die eozäne
Lebewelt des Geiseltals bietet. Zu sehen gab es außer
Wirbeltierfossilien und wirbellosen Tieren und Pflanzen
auch das berühmte "Urpferd" (Propalaeotherium
isselanum): Funde, die bei den Grabungen im Geiseltal (von
der Mitte der 1920er Jahre bis 1993) zutage kamen und die
an die fortschreitende Braunkohleförderung gebunden
waren.
Familienkonzert "Es klinget so herrlich ..."
Mozartprogramm für Kinder im Konzertsaal des Händelhauses
Einen bildhaften und lebendigen Einblick in Mozarts Leben
und Zeit bot Prof. Gerhard Erber mit Sopranistin Reglint
Bühler und Violinist Wolfgang Winkler.
"Komm lieber Mai und mache ..." wurde gemeinsam
mit dem Publikum gesungen, anwesenden Kindern wurde schnell
das Menuett beigebracht, ein Kanon durfte auch nicht fehlen
- und natürlich wurde die Oper "Die Zauberflöte"
kurz und knackig erklärt und gesungen. Zahlreiche Anwesende
und Kinder waren von den heiteren Darbietungen begeistert.
Wer Interesse an Kinder- oder Familienkonzerten im Händelhaus
hat, melde sich bitte bei Gudrun Müske, Tel.: 0345
50090216.

EINBLICKE IN DIE PFLANZEN- UND TIERWELT
Im Biologicum (Weinbergweg 10) empfingen überaus freundliche
und wissende MitarbeiterInnen neugierige Besucher mit 3-D-Brillen,
denn damit konnte man Chlorophyll aus ungewohntem Blickwinkel
betrachten. Warum reifen Tomaten neben Äpfeln viel
schneller? Wie sieht Pflanzen-DNA aus? Wie riecht Chlorophyll
eigentlich? Auch solche Fragen wurden bei den kleinen Experimenten
zur Pflanzenphysiologie beantwortet. Experimente mit Rotkohl-Sud,
Drosophila unter Mikroskopen, von UV-Licht beschienene transgene
Pflanzen, spannende Vorträge und Führungen im
Gewächshaus schenkten den Besuchern weitere erfrischende
Einblicke in die Pflanzen- und Tierwelt.

ANDRANG IM UNIVERSITÄTSKLINIKUM
Reger Andrang herrschte am vergangenen Freitag während
der Langen Nacht der Wissenschaft in den verschiedenen Einrichtungen
des Universitätsklinikums Halle und der Medizinischen
Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.
Deutlich mehr Besucher als im vergangenen Jahr kamen beispielsweise
zum Standort Kröllwitz des Universitätsklinikums.
Gleich eine doppelte "Belastung" hatten die Mitarbeiter
des Kreißsaals. Während auf der einen Seite nahezu
pausenlos die Führungen für Besucher rege wahrgenommen
wurden, kamen in anderen Räumen des Kreißsaals
zwei Kinder zur Welt.
DAS BIOLOGISCHE ALTER
Stimmen mein biologisches Alter mit dem in meinem Ausweis
überein? Diese spannende Frage versuchte Dr. Andreas
Simm (Universitätsklinik und Poliklinik für Herz-
und Thoraxchirurgie) zu beantworten. Der Strom der Interessierten
und Testwilligen riss am gesamten Abend nicht ab. Neugierig
waren die Besucher unter anderem auch auf die Präsentation
verschiedener Behandlungs-, Untersuchungs- und Testmethoden.
Oft entwickelten sich rege Gespräche mit den Ärzten
und Wissenschaftlern. Im Institut für Medizinische
Immunologie ließen sich viele Besucher als potentielle
Knochenmarkspender registrieren
VIELE NARKOSEN FÜR "STAN"
"Sie haben das Gas nicht aufgedreht ist das
Absicht?" Dr. Oliver Meyer ist nicht ganz zufrieden
mit seinem Nachwuchsärzteteam. Aber Panik ist dennoch
nicht angesagt, "Stan" geht es gut. So nennt das
Team des Simulationszentrums der Universitätsklinik
für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin
ihren Simulationspatienten. Der besteht aus Kunststoff,
zeigt aber viele menschliche Züge - und will sogar
operiert werden. "Sehr beeindruckend", findet
Maik Hoppe, der das Narkosegas vergessen hatte. Das ist
schnell nachgeholt, "Stan" schließt die
Augen, schläft ein. Wie noch häufiger an diesem
Abend, denn der Zulauf ist groß in der Magdeburger
Straße. "Diese Puppe ist uns eine große
Hilfe bei der Ausbildung der Studierenden. Mit ihr kann
man fast die ganze Palette der Notfallmedizin simulieren",
erläutert Oliver Meyer und wendet sich dem nächsten
Laien zu, der sein Glück bei "Stan" versucht.

"ZERO7" fährt nicht, begeistert aber
trotzdem
Eigentlich sollte "ZERO7" auf Testfahrt gehen,
aber Kopfsteinpflasterstraßen sind nicht gut für
das Experimentalfahrzeug der Hochschule Merseburg und der
Burg Giebichenstein Hochschule für Kunst und Design
Halle. "Wir bräuchten eine Rennstrecke",
konstatiert Albrecht Wollenberg vom Projektteam. Auf einer
solchen startete "ZERO7" in Südfrankreich
beim "Shell Eco Marathon". "Das Ziel dabei
ist, ein Fahrzeug zu konstruieren, dass möglichst schnell
25 Kilometer mit nur einem Liter Benzin zurücklegen
kann", erklärt Wollenberg. "Leider hat unser
Motor das in diesem Jahr nicht mitgemacht, sodass wir ausgeschieden
sind. Aber wir nehmen 2008 einen neuen Anlauf." Der
kleine Motor liegt währenddessen auseinandergebaut
neben ihm und zieht interessierte Blicke von Ingenieurkunst-interessierten
Besuchern auf sich. Und das Fahrzeug selbst, im wesentlichen
gefertigt aus Rohseide, wird auf dem Universitätsplatz
zum begehrten Foto-Objekt.

VON MATHEMATIK VERZAUBERT
Wenn
Prof. Dr. Wilfried Herget erklärt, warum 64 gleich
65 ist, reagieren die Besucher erstaunt. Aber man lässt
sich natürlich gern verzaubern von einem Professor
in grünlich-silbern schimmernder Robe. Der Mathe-Zauber
in der "Cafeteria Ein Stein" am Von-Seckendorf-Platz
macht vor allem Kindern Riesenspaß, sogar zur vorgerückter
Stunde. Erst recht, wenn des Zauberers Assistentin Prof.
Dr. Karin Richter zum Mitmachen einlädt. In geometrischen
Formen liegende Streichhölzer sollen verschoben werden,
sodass beispielsweise immer mehr Dreiecke entstehen
obwohl nur zwei Hölzchen an andere Stellen gelegt werden
dürfen. Hier stechen pfiffige Kinder ihre Eltern in
Nullkommanichts aus. Anschließend dürfen sich
die kleinen Denksportler über viel Applaus freuen.
An ihren Gesichtern ist das hiesige Motto des Abends abzulesen:
"Mathematik macht Spaß".
(Autoren: Carsten Heckmann, Jens Müller, Ute Olbertz,
Dr. Margarete Wein, Dmitrij Wilms, 9.07.2007)
(FOTOAUTOREN dieser Seite: Norbert Kaltwaßer,
Maike Glöckner, Dmitrij Wilms)
UMFRAGE
(Hier veröffentlichen wir eine Umfrage, die während
der Langen Nacht entstand)
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