Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Forschungsbericht Berichtszeitraum:01.01.97 - 31.12.98

Theologische Fakultät

Dienstsitz:

Universitätsplatz 8/9
06108 Halle (Saale)

Tel.:

(0345) 5 52 30 00

Fax:

(0345) 5 52 70 89

eMail:

lessander@theologie.uni-halle.de

Internet:

http://www.theologie.uni-halle.de

 

 

Dekan:

Prof. Dr. Hermann Goltz



Die Theologische Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg steht in einer fast 500-jährigen Tradition. Die 1502 gegründete Universität Wittenberg wurde insbesondere durch die Berufungen von Martin Luther und Philipp Melanchthon bald zu einen Zentrum europäischer Bildung. Die Blüte der Wittenberger Universität hielt im 17. Jahrhundert an, bis letztere 1817 mit der 1694 gegründeten Universität Halle vereinigt wurde. Die Hallenser Fakultät war im ausgehenden 17. und 18. Jahrhundert das Zentrum des Pietismus, dessen hohe Zeit in Halle vor allem mit August Hermann Francke (1663-1727) verbunden ist. Große hallische Theologen der Folgezeit waren Sigmund Jacob Baumgarten, Johann Salomo Semler, Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher, August Tholuck, Wilhelm Gesenius, Martin Kähler, Hermann Gunkel, Ferdinand Kattenbusch, Friedrich Loofs, Julius Schniewind und Otto Eißfeldt.

Die hallische Fakultät gliedert sich heute, dem klassischen Fächerkanon entsprechend, in vier Institute: Bibelwissenschaften, Historische Theologie, Systematisch-Ökumenische Theologie, Praktische Theologie/Religionspädagogik.

Das Institut für Bibelwissenschaften umfaßt die Seminare für Altes und Neues Testament sowie die Abteilung Corpus Hellenisticum. Die Forschungsschwerpunkte am Seminar für Altes Testament liegen auf den Gebieten der Theologie und Hermeneutik des Alten Testaments, der Weisheitsliteratur, der Prophetie der nachexilischen Zeit sowie der Bedeutung des Exils für die Entstehung des Alten Testaments. Am Seminar für Neues Testament stehen die Erforschung der paulinischen und johanneischen Theologie sowie der Spätschriften des Neuen Testaments im Mittelpunkt. Dem neutestamentlichen Seminar zugeordnet ist die Abteilung Corpus Hellenisticum, in der u.a. das renommierte Hallenser Projekt "Corpus Iudaeo-Hellenisticum" weiterverfolgt wird. Ziel dieses Projektes ist es, die Bedeutung des hellenistischen Judentums für das Neue Testament umfassend zu erschließen.

Zum Institut für Historische Theologie gehören das Seminar für Kirchengeschichte, die Abteilung für Christliche Archäologie und Kirchliche Kunst sowie das Seminar für Konfessionskunde der Orthodoxen Kirchen. Die Forschungsschwerpunkte liegen entsprechend den Traditionen Halles in der Reformationsgeschichte und der Kirchengeschichte des 17. und 18. Jahrhunderts, wobei der Pietismusforschung eine besondere Bedeutung zukommt. Als Spezialgebiet ist auch die Westslawische Kirchengeschichte zu nennen. Die Abteilung für Christliche Archäologie und Kirchliche Kunst verfügt über eine Kunstsammlung und eine umfangreiche, auch Altbestände umfassende Diathek. Am Seminar für Konfessionskunde der Orthodoxen Kirchen werden Theologie und Geschichte sowie Liturgie und Kunst der Orthodoxen Kirchen erforscht, darüber hinaus auch die Beziehungen des deutschen Protestantismus zu den altorientalischen, besonders zur Armenischen Apostolischen Kirche (auf der Grundlage des Dr. Johannes-Lepsius-Archivs).

Das Fach der Systematisch-Ökumenischen Theologie gliedert sich in die Bereiche Dogmatik und Ethik. Es untersucht in gedanklicher Verantwortlichkeit die christlichen Glaubenszusammenhänge in Vergangenheit und Gegenwart unter Berücksichtigung der Religionsphilosophie. Zum Institut gehört das Seminar für Ökumenik, Konfessionskunde und Allgemeine Religionsgeschichte. Forschungsschwerpunkte bilden hier christliche Sondergemeinschaften, neureligiöse und okkulte Bewegungen; zugeordnet ist eine Abteilung für Esoterikforschung mit einer umfangreichen Bibliothek.

Das Institut für Praktische Theologie und Religionspädagogik setzt im Bereich der Praktischen Theologie, der kirchliche, christliche und religiöse Praxis der Gegenwart zum Thema hat, einen Schwerpunkt auf die Religionspädagogik als der Theorie religiöser Bildung. Ein zweiter Schwerpunkt der Forschung besteht in Bemühungen um Gemeindeaufbau in der (ostdeutschen) Diaspora.

Forschungsschwerpunkte:

Institut für Bibelwissenschaften:

Alttestamentliches Seminar:

Prof. Dr. Ernst-Joachim Waschke:
  1. Biblische Urgeschichte im alttestamentlichen und altorientalischen Kontext
  2. Traditionsgeschichte und Theologie geprägter Glaubensvorstellungen im Alten Testament

Prof. Dr. Arndt Meinhold:
  1. Nachexilische prophetische Literatur des Alten Testmants, vor allem: Maleachi als Abschluß des XII-Propheten-Buchs
  2. Weisheitlich-erzählende Literatur des Alten Testaments, vor allem Josephsgeschichte, Esther und Ruth

Dr. Konstantin Zobel:

  1. Historische und theologische Darstellung der Exilszeit
  2. Deuteronomismus und Prophetie

Thomas Neumann:

  1. Alttestamentliche Theologie, Literatur- und Religionsgeschichte der persischen und hellenistischen Zeit
  2. Biblische Texthermeneutik
  3. Historische Geographie und Landeskunde Palästinas

Dr. Karl-Martin Beyse:

    Lehrmaterial und Veröffentlichungen im Rahmen der Lehraufträge "Biblisches Hebräisch" und "Biblische Landeskunde"

Neutestamentliches Seminar:

Prof. Dr. Udo Schnelle:

  1. Analyse und Interpretation des Johannesevangeliums
  2. Dokumentation der Beziehungen zwischen den Schriften des Neues Testaments und der Hellenistischen Literatur seiner Umwelt (Neuer Wettstein)
  3. Leben und Werk des Apostels Paulus in Kontinuität und Wandel
  4. Neutestamentliche Einleitungswissenschaft (Einleitung in das Neue Testament)
  5. Geschichte des Urchristentums
  6. Methodik und Hermeneutik des Neuen Testaments

Prof. Dr. Hermann von Lips:

  1. "Amt und Gemeinde" im Neuen Testament, vor allem: Pastoralbriefe
  2. Weisheitstradition in der biblischen Literatur
  3. Kanonsgeschichte des Neuen Testaments

Dr. Michael Labahn:

  1. Geschichte der johanneischen Literatur
  2. Logienquelle
  3. Rezeption des Alten Testaments im Neuen Testaments

Titus Nagel:

    Literatur und Geschichte des 2. nachristlichen Jahrhunderts

Abteilung Corpus Hellenisticum:

Dr. Manfred Lang:

  1. Aufbau und Struktur des Johannesevangeliums
  2. Apostelgeschichte
  3. Hellenistischer Einfluß auf das NT

Institut für Historische Theologie

Seminar für Kirchengeschichte

Prof. Dr. Arno Sames:

  1. Die Beziehungen der Böhmischen Reformation des 15. Jahrhunderts zur lutherischen Reformation des 16. Jahrhunderts
  2. Pietismus und Aufklärung an der Friedrichs-Universität Halle

Prof. Dr. Udo Sträter:

  1. Kirchengeschichte des 17. und 18. Jahrhunderts, besonders Geschichte des Pietismus und der Lutherischen Orthodoxie
  2. Universitätsgeschichte

Seminar für Konfessionskunde der Orthodoxen Kirchen

Prof. Dr. Hermann Goltz:

  1. Geschichte und Theologie der Orthodoxen Kirchen, unter Einschluß der Zeitgeschichte
  2. Hymnologie der Orthodoxen Kirchen / Theologie der Hymnen
  3. Orthodoxe Ikonographie
  4. Corpus areopagiticum
  5. Ost/Westeuropäische Kontaktzonen von christlicher Konfessionen und Kulturen
  6. Hallischer Pietismus/Aufklärung und Osteuropa
  7. Deutsch-Armenische Beziehungen (Dokumente des Lepsius-Archivs)

Abteilung Christliche Archäologie und kirchliche Kunst

Dr. Andrea Zimmermann:

  1. Christliche Ikonographie
  2. mediävistische Fragestellungen zur Sakralarchitektur
  3. Rezeptionsgeschichte christlicher Bildmotive

Institut für Systematisch-Ökumenische Theologie

Seminar für systematische Theologie:

Prof. Dr. Ulrich Barth:

  1. Religionsphilosophie des deutschen Idealismus
  2. Theologiegeschichte der Neuzeit (Luther, Kulturprotestantismus, liberale Theologie)
  3. Neuere Religionssoziologie (Weber, Simmel, Gehlen, Luhmann, Berger, Luckmann)

Prof. Dr. Klaus Tanner:

  1. Protestantismus und politische Kultur im 19. und 20. Jahrhundert
  2. Geschichte der Ethik
  3. Grundlegungsfragen der Ethik

Dr. Claus-Dieter Osthövener:

    Der Erlösungsgedanke im 19. Jahrhundert

Seminar für Ökumenik, Konfessionskunde und Allgemeine Religionsgeschichte:

Prof. Dr. Helmut Obst:

  1. Neue religiöse Bewegungen (Geschichte, Lehre und Leben)
  2. Die Esoterikforschung seit dem 19. Jh. bis zur Gegenwart
  3. Die ökumenischen Wirkungen des Halleschen Pietismus

Dr. Michael Bergunder:

    Pfingstbewegung/Christentum in Indien

Harald Lamprecht:

    Die Rosenkreuzer

Institut für Praktische Theologie und Religionspädagogik

Seminar für Praktische Theologie:

Dr. Jan Hermelink:

  1. Homiletik: Predigtanalyse, Gottesdienstanalyse
  2. Theorie der Kasualien: Soziologische, psychologische, pragmatische Aspekte
  3. Pastoraltheologie
  4. Praktisch-theologische Ekklesiologie

Seminar für Religionspädagogik:

Prof. Dr. R. Hoenen:

  1. Lehrplanarbeit Evangelische Religion
  2. Geschichte der Religionspädagogik im 20. Jahrhundert, besonders in der DDR
  3. Symboldidaktik
  4. Ethik im Unterricht


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