Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Forschungsbericht Berichtszeitraum:01.01.1995 - 31.12.1996

Vorwort des Rektors


Mit seiner Ausgabe für 1995/96 präsentiert sich der Forschungsbericht der Martin-Luther-Universität erstmals in modernisierter Form. Der Text ist von dem bisher üblichen schwerfälligen bibliographischen Apparat entlastet worden. Alle Forschungspublikationen sind auf der beiliegenden CD-Rom für Interessenten mitgeliefert. Sie können auch im Internet (http://www.verwaltung.uni-halle.de/dez5/fobi96/fa.htm) abgerufen werden.

Unter der verantwortlichen Federführung von Herrn Prorektor Prof. Dr. Frank Janowski ist ein informativer und lesenswerter Bericht entstanden. Neben einem Überblick über die mannigfachen Forschungsaktivitäten in unserer Universität sind auch die An-Institute und das außeruniversitäre Forschungsumfeld berücksichtigt. Der Band kann deshalb von potentiellen Forschungspartnern, Auftraggebern und interessierten Studierenden auch als Forschungsführer der Martin-Luther-Universität genutzt werden. Vielleicht wird das ansprechende neue Äußere des Forschungsberichtes mit dazu beitragen, ihm die gebührende Aufmerksamkeit zu verschaffen.

Zwei Dinge möchte ich noch besonders hervorheben. Das eine ist der Umstand, daß die breite Industrieforschung, in die große Teile unserer Universität zu DDR-Zeiten eingebunden waren, heute nicht mehr existiert und in absehbarer Zeit nicht wiederkehren wird. So wichtig die erneute Intensivierung der Forschungskooperation der Martin-Luther-Universität mit der umliegenden Industrie auch ist, so muß man doch davon ausgehen, daß künftig die öffentlich finanzierten Forschungsinstitutionen, allen voran die Martin-Luther-Universität als die größte Einrichtung für Forschung und Lehre in Sachsen-Anhalt, die Hauptträger der wissenschaftlichen Forschung sein werden. Wird die Forschung an den Universitäten vernachlässigt, liegt sie insgesamt darnieder.

Zum zweiten möchte ich daran erinnern, daß Forschung an einer Universität viele Formen haben kann und muß. Drittmittel, große Forschungsprojekte und Forschungsverbünde mit außeruniversitären Einrichtungen sind für die Universität lebenswichtig. Für unseren wissenschaftlichen Nachwuchs sind sie in diesen schwierigen Zeiten häufig die einzige Chance, ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis stellen und sich weiterqualifizieren zu können. Deshalb möchte ich auch an die Kolleginnen und Kollegen, die bisher eher Einzelforschung betrieben haben, den dringenden Appell richten, sich stärker um Drittmittel zu bemühen.

Andererseits darf das aber nicht bedeuten, daß projektförmige Großforschung und finanzträchtige Geschäftigkeit zum einzigen Wertmaßstab für wissenschaftliche Qualität werden. Der sorgfältig durchformulierte Kommentar des Juristen, die tiefschürfende Monographie des Historikers oder Theologen, der knappe Aufsatz des Mathematikers oder Linguisten - sie alle haben dann, wenn sie die Anerkennung der Fachwelt finden, für die Universität den gleichen Wert wie gelungene Experimentalserien, umfangreiche Projektberichte und erfolgreiche Patentanmeldungen.

Auch wenn es also nicht zu leugnen ist, daß die Übernahme brachliegender Aufgaben der ehemaligen Industrieforschung für uns jetzt besonders dringlich ist, so darf doch die bunte Vielfalt der Forschungsgegenstände und Methoden, die eine Universität ausmachen, nicht aus den Augen verloren werden. Der hier vorgelegte Forschungsbericht zeugt davon, daß dies an der Martin-Luther-Universität in hohem Maße gegeben ist.

Prof. Dr. Reinhard Kreckel


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