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Interdisziplinäre Forschungsprojekte - Graduiertenkollegs
Dienstsitz:
Neuwerk 11
06108 Halle (Saale)
| Sprecher: | Prof. Dr. Heinz-Gerhard Haupt | Tel.: | (0345) 3 88 08 71 | |
| (FB Geschichte, Philosophie und Sozialwissenschaften) | Fax: | ((0345) 3 88 08 72 | ||
| e-mail: | graduiertenkolleg@geschichte.uni-halle.de | |||
| Sprecher ab 1.10.1997: | Prof. Dr. Rainer Enskat | |||
| Beteiligte: | Prof. Dr. Rainer Enskat (Philosophie) Prof. Dr. Heinz-Gerhard Haupt (Geschichte) Prof. Dr. Reinhard Kreckel (Soziologie) PD Dr. Walter Reese-Schäfer (Politologie) | |||
| Laufzeit: | 01.10.1996 - 30.09.1999 | |||
Das Graduiertenkolleg ist interdisziplinär angelegt und vereint die Fächer Geschichte, Soziologie, Philosophie und Politologie.
Der Begriff der Identität wird in der öffentlichen Diskussion und im kulturwissenschaftlichen Diskurs der Gegenwart mit geradezu inflationärer Häufigkeit verwendet. Diese Inflation geht Hand in Hand mit Unschärfen und Vieldeutigkeiten, polemischen Suggestionen und ideologischen Dogmatisierungen seiner Verwendung. Deshalb werden in methodischer Hinsicht die Regeln und Kriterien besonders sorgfältig zu klären sein, nach denen dieser Begriff in den verschiedensten Kontexten seines Gebrauchs verwendet wird.
In problemgeschichtlicher Hinsicht knüpft die Arbeit des Kollegs an eine Verwendung des Identitätsbegriffs an, wie sie zuerst während der Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert durch die Rede von der personalen Identität akut geworden ist. Die auf dieser Linie entwickelten Modelle der Identität von personalen Individuen werden bis heute immer wieder unkritisch auf die Identität von Kollektiven übertragen. Das Problematische an dieser Übertragung ist unverkennbar. In der empirisch orientierten Sozialpsychologie wird der Begriff der kollektiven Identität deshalb kaum noch verwendet. An seine Stelle tritt das Konzept der sozialen Identität. Es wird davon ausgegangen, daß die Zugehörigkeit eines Menschen zu einer für ihn "salienten" Gruppe oder Sozialkategorie darin besteht, daß er sich persönlich mit einem Träger von charakteristischen konventionalen Verhaltensweisen (Sitten, Gebräuchen, Ritualen, Strategien, Rollen, Einstellungen, Stilen, Moden, Symbolen) dieser Gruppe bzw. Kategorie identifiziert und/oder auch in der Framdwahrnehmung damit identifiziert wird.
Personale und soziale Identität eines Individuums sind also die beiden Seiten ein und derselben Medaille: die personalen Züge der Identität eines Individuums wachsen diesem durch seinen authentischen Anteil an der Wahl, an der Wahrung und/oder an der Gestaltung der konventionalen Formen zu, die zum charakteristischen Repertoire der Gruppe gehören, in die es hineinwächst. Die sozialen Züge der Identität eines Individuums wachsen diesem durch seine Anpassung an die konventionalen Formen zu, von denen die Herausforderungen und die Zumutungen einerseits und sndererseits die Chancen und die Entlastungen durch die Gruppe ausgehen, in die es hineinwächst.
Die personale und soziale Identität eines Individuums sind also zwei Gestalten seiner Identität, wie sie aus Wechselspiel von Authenzität und Konformität hervorgehen. Mit ihnen läßt es sich auf die Zumutungen und Herausforderungen ebenso wie auf die Chancen ein, die die konventionalen Formen der Verhaltensweisen mit sich bringen, die zum charakteristischen Repertoire der Gruppen gehören, deren Erwartungen es sich ausgesetzt findet.
Mit anderen Strukturen muß man rechnen, wenn man die Komponenten zu analysieren sucht, die an der Herstellung von kollektiven Identitäten beteiligt sind. Spätestens die Erfahrungen der vergangenen hundert Jahre insbesondere mit der suggestiven Identitäts-Rhetorik um Volk, Gemeinschaft, Reich und Nation haben in exemplarischer Weise die Dringlichkeit dieser Aufgabe zeigen können. Mit dieser Rhetorik wird regelmäßig an eine unkritische Übertragung von Modellen personaler Identität und unmittelbarer Interpersonalität auf die entsprechenden Makro-Kollektive appelliert, wie z.B. (familiäre) Blutsverwandtschaft und Volk, Fraundschaft, Solidarität und Gemeinschaft, herrschaftliche Treue und Reich. Durch diese unkritischen Übertragungen werden Makro-Kollektive ganz unabhängig davon dämonisiert, ob es empirische und normative Kriterien und Indikatoren gibt oder nicht, die eine wohlfundierte Antwort auf die Frage nach der spezifischen Identität solcher Kollektive erlauben. Eine wichtige kontrollierende, orientierende und korrigierende Funktion kann gerade in diesem Zusammenhang der in jüngster Zeit verstärkt gestellten Frage nach der Notwendigkeit kollektiver Identität und der diese stiftende Kraft von (nationalen) Verfassungen, (internationalen) Verträgen und den mit solchen rechtlichen Normierungen verbundenen politischen Institutionen zufallen.
An folgenden Schnittstellen lassen sich besonders wichtige Ergebnisse aus der interdisziplinären Arbeit erwarten:
Forschungsschwerpunkte:
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