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Dekanat: Magdeburger Str. 27
06112 Halle (Saale)
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| Dekan: | Prof. Dr. med. Stephan Zierz |
Im Unterschied zu anderen Fakultäten ist die Forschung an der Medizinischen Fakultät dadurch gekennzeichnet, daß es neben Fächern, die sich allein der Lehre und Grundlagenforschung widmen, klinische Fächer gibt, in denen die Forschung in untrennbarem Zusammenhang mit der direkten Krankenversorgung stehen. Dies bedeutet, daß in den Kliniken nicht nur Forschung und Lehre sondern auch eine maximale Krankenversorgung stattfinden muß als auch Forschung. Diese klinische Forschung wiederum läßt sich unterteilen in die Bearbeitung solcher Fragestellungen, die unmittelbar den Patienten mit einbeziehen, und andererseits in eine experimentelle Forschung, die im Labor stattfindet. Die Qualität der Krankenversorgung und die Möglichkeit zur klinischen Versorgung stehen in direkter Wechselwirkung. Demzufolge ist auch die medizinische Forschung in weiten Bereichen nicht nur von dem Landeszuschuß für Forschung und Lehre und den eingeworbenen Drittmitteln abhängig, sondern auch von der Attraktivität und Leistungsfähigkeit der Krankenversorgung.
Die Jahre 1995 und 1996 waren von einer lebhaften Diskussion über mögliche neue Organisations- und Rechtsformen für das Klinikum gekennzeichnet. Im Ergebnis dieser Diskussionen wurde das Gesetz zur Entwicklung der medizinischen Fachbereiche im Land Sachsen-Anhalt unter Beteiligung der Medizinischen Fakultäten in Halle und Magdeburg erarbeitet, das mit Wirkung vom Januar 1997 in Kraft getreten ist. Dieses Gesetz stellt sicherlich ein bundesweites Signal für die Zukunft der Hochschulmedizin dar. Es ist zu hoffen, daß dadurch die Bedingungen geschaffen wurden, um in Zukunft eine weitere Verbesserung der Möglichkeiten für Forschung und Lehre in der Medizin in Halle zu gewährleisten.
Der vorliegende Forschungsbericht belegt, daß es der Medizinischen Fakultät in Halle jedoch auch schon in den Jahren 1995 und 1996 gelungen ist, sinnvolle Strukturen und Konzentrationen hinsichtlich definierter Forschungsschwerpunkte aufzubauen. Die im Vergleich zu den vergangenen Jahren in vielen Fächern erheblich angewachsene Einwerbung von Drittmittelgeldern und die Publikationstätigkeit zeigen, daß auch für die Forschung in Fächern außerhalb der Schwerpunkte Entwicklungsmöglichkeiten bestehen.
Forschungsschwerpunkte
Herz-Kreislauf-Schwerpunkt
Von den 3 ausgewiesenen Forschungsschwerpunkten der Fakultät ist der Herz/Kreislauf-Schwerpunkt am weitesten entwickelt. Mit Beginn des Jahres 1996 wurde vom BMBF der Forschungsverbund "Myokard-Hypertrophie: Mechanismen und Risiken. Tumorbiologie" bewilligt. Neben bewilligten Einzelprojekten (DFG- und Industrie-geförderte Projekte, multizentrisches internationales Projekt zum septischen Kreislaufversagen) ist momentan ein kardiovaskulärer SFB "Anpassung und Fehlanpassung des Herz-Kreislauf-Systems an Überlast: Molekulare Mechanismen und Folgen" in Vorbereitung. Ihm gehören neben Arbeitsgruppen aus der halleschen Medizinischen Fakultät Gruppen aus der Leipziger Fakultät, den naturwissenschaftlichen Fachbereichen der MLU und aus dem Blaue-Liste-Institut in Gatersleben an. Im Kreislaufschwerpunkt sind klinische und experimentelle Forschung interdisziplinär verzahnt. So wurde ein interdisziplinäres Herzinsuffizienzprogramm geschaffen, das mittlerweile länderübergreifend (Sachsen-Anhalt, Sachsen, Thüringen, Süd-Brandenburg) schwerst kranke Patienten behandelt und Grundlage für 4 multizentrische Studien ist. Weiterhin besteht eine sowohl klinische als auch experimentelle Kooperation mit der Neurologischen Klinik der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg: Klinische drittmittelgeförderte Projekte sind die Emboli detection bei verschiedenen kardiochirurgischen Situationen sowie die Beteiligung des Herzmuskels bei verschiedenen Myopathien. Experimentell besteht die Kooperation mit dem Muskelzentrum Halle der Neurologischen Klinik in Untersuchungen der Mitochondrienfunktionen bei Kardiomyopathien und Sepsis. Das Landestransplantationszentrum Sachsen-Anhalt und der thorakale Transplantationsverbund Mitteldeutschland (Halle, Leipzig, Dresden) sind in Halle ansässig. Die MLU kooperiert wissenschaftlich mit anderen Herzzentren. Im Bereich Herz/Kreislauf gehört Halle mittlerweile zu den national und international profiliertesten Forschungsstätten.
Onkologischer Schwerpunkt
25 % der Projekte aus dem o.g. BMBF-Forschungsverbund behandeln onkologische Themen. Ferner werden Einzelprojekte mit onkologischen Fragestellungen mit Drittmitteln gefördert (vgl.5). Der Onkologische Schwerpunkt wird durch die in letzter Zeit erfolgten Berufungen in den Fächern Humangenetik und Medizinische Biologie, Sozialmedizin/Epidemiologie, Innere Medizin/Hämatologie/Onkologie sowie durch die z. Zt. laufenden Verfahren der C4-Professuren für Biochemie, Allgemeine Pädiatrie und Gynäkologie und Geburtshilfe/Operative Gynäkologie und der eigens denominierten C4 Medizinische Mikrobiologie/Virologie eine deutliche Belebung und thematische Erweiterung erfahren. So konnte inzwischen ein Forschungsverbund "Tumorbiologie" gebildet werden, der unter dem Thema "Bedeutung von Differenzierung, Proliferation und Apoptose auf die Tumorigenese und Metastasierung: Molekulare Mechanismen und klinische Relevanz" die onkologisch orientierten Forschungsressourcen der einzelnen Arbeitsgruppen effektiv bündelt. Hier ist soeben ein Forschungsantrag über 4,2 Mio DM an das Kultusministerium des Landes Sachsen-Anhalt eingereicht worden.
Dem Forschungsschwerpunkt "Onkologie" ist der Tumorzentrum e. V. zugeordnet. Eines der Hauptziele ist die Förderung kliniknaher Forschung. Am Tumorzentrum sind gegenwärtig 19 Arbeitsgruppen beteiligt.
Eine besonders wichtige Voraussetzung für die Verknüpfung theoretischer und klinischer onkologischer Forschung ist die Etablierung eines klinischen Tumorregisters. Die Medizinische Fakultät hat die Betreiberfunktion des klinischen Tumorregisters übernommen und die Leiter der Einrichtungen verpflichtet, für die Bereitstellung der Daten in ihrem Verantwortungsbereich Sorge zu tragen.
Umweltmedizinischer Schwerpunkt
Der Umweltmedizinische Schwerpunkt ist inzwischen konsolidiert. Dies gelang zum einen durch die Besetzung des Lehrstuhles für Umwelttoxikologie, zum anderen durch die Bewilligung von 7 Forschungsprojekten durch das Kultus- bzw. Umweltministerium des Landes Sachsen-Anhalt. Diese Verbundforschung (aus den Instituten für Medizinische Physik und Biophysik, Pharmakologie und Toxikologie, Physiologische Chemie, Humangenetik und Medizinische Biologie, Umwelttoxikologie und aus der Klinik und Poliklinik für Hautkrankheiten) wird seit dem 1. März 1997 gefördert. Seit dem 1. März 1995 haben wir eine Umweltambulanz als interdisziplinäre Anlaufstelle für Fälle mit umweltmedizinischer Relevanz aus der Region Halle und dem Land Sachsen-Anhalt. Zur Zeit werden dort ca. 200 Patienten/innen betreut. Komplementär wird ein Umweltinformationsdienst für Sachsen-Anhalt durch das Institut für Umwelttoxikologie aufgebaut. Auf verschiedenen Ebenen der Fakultät bestehen Kooperationen mit dem Umweltforschungszentrum Leipzig/Halle. Zusammen mit dem Universitätszentrum für Umweltwissenschaften (UZU) arbeitet der Fakultätsschwerpunkt an einem Konzept zur Etablierung eines neuen Umweltwissenschaftlichen Studienganges an der MLU. Im April 1997 veranstalten der Umweltmedizinische Schwerpunkt und das UZU eine Euroconference zum Thema "Effects of Environmental Pollutants on Reproduction".
Gegenwärtig werden mit der im Aufbau befindlichen Ingenieurwissenschaftlichen Fakultät enge Verbindungen zur Etablierung von Forschungstätigkeiten auf dem Gebiet der Biokompatibilität geknüpft.
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