Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Forschungsbericht Berichtszeitraum:01.01.1995 - 31.12.1996

Theologische Fakultät

Universitätsplatz 8/9
06099 Halle/Saale

Tel.:(0345) 5 52 30 00
Fax:(0345) 5 52 70 89
e-mail:lessander@theologie.uni-halle.de
Dekan:Prof. Dr. Udo Schnelle



Die Theologische Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg steht in einer fast 500-jährigen Tradition. Die 1502 gegründete Universität Wittenberg wurde insbesondere durch die Berufungen von Martin Luther und Philipp Melanchthon bald zu einen Zentrum europäischer Bildung. Die Blüte der Wittenberger Universität hielt im 17. Jahrhundert an, bis sie 1817 mit der 1694 gegründeten Universität Halle vereinigt wurde. Die Hallenser Fakultät war im ausgehenden 17. und 18. Jahrhundert das Zentrum des Pietismus, dessen Blütezeit in Halle vor allem mit August Hermann Francke (1663-1727) verbunden ist. Große Hallenser Theologen der Folgezeit waren Sigmund Jacob Baumgarten, Johann Salomo Semler, Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher, August Tholuck, Wilhelm Gesenius, Martin Kähler, Hermann Gunkel, Julius Schniewind und Otto Eißfeldt.

Die Hallenser Fakultät gliedert sich heute dem klassischen Fächerkanon entsprechend in vier Institute: Bibelwissenschaften, Historische Theologie, Systematisch-Ökumenische Theologie, Praktische Theologie und Religionspädagogik.

Das Institut für Bibelwissenschaften umfaßt die Seminare für Altes und Neues Testament sowie das Seminar für Spätantike Religionsgeschichte. Die Forschungsschwerpunkte am Seminar für Altes Testament liegen auf den Gebieten der Theologie und Hermeneutik des Alten Testaments, der Weisheitsliteratur, der Prophetie der nachexilischen Zeit sowie der Bedeutung des Exils für die Entstehung des Alten Testaments. Am Seminar für Neues Testament stehen die Erforschung der paulinischen und johanneischen Theologie sowie der Spätschriften des Neuen Testaments im Mittelpunkt. Dem neutestamentlichen Seminar zugeordnet ist das Seminar für Spätantike Religionsgeschichte, in dem u.a. das renommierte Hallenser Projekt "Corpus Iudaeo-Hellenisticum" weiterverfolgt wird. Ziel dieses Projektes ist es, die Bedeutung des hellenistischen Judentums für das Neue Testament umfassend zu erschließen.

Zum Institut für Historische Theologie gehören das Seminar für Kirchengeschichte, das Seminar für Christliche Archäologie und Kirchliche Kunst sowie das Seminar für Konfessionskunde der Orthodoxen Kirchen. Die Forschungsschwerpunkte liegen entsprechend den Traditionen Halles in der Reformationsgeschichte und der Kirchengeschichte des 17. und 18 Jahrhunderts, wobei der Pietismusforschung eine besondere Bedeutung zukommt. Als Spezialgebiet ist auch die Westslawische Kirchengeschichte zu nennen. Das Seminar für Christliche Archäologie und Kirchliche Kunst verfügt über eine Kunstsammlung und eine umfangreiche, auch Altbestände umfassende Diathek. Am Seminar für Konfessionskunde der Orthodoxen Kirchen werden Theologie und Geschichte der Orthodoxen Kirchen erforscht, darüber hinaus auch die Beziehungen des deutschen Protestantismus zu den altorientalischen, besonders zur Armenischen Apostolischen Kirche.

Das Fach der Systematisch-Ökumenischen Theologie gliedert sich in die Bereiche Dogmatik und Ethik. Es untersucht in gedanklicher Verantwortlichkeit die christlichen Glaubenszusammenhänge in Vergangenheit und Gegenwart unter Berücksichtigung der Religionsphilosophie. Zum Institut gehört das Seminar für Ökumenik, Konfessionskunde und Allgemeine Religionsgeschichte. Forschungsschwerpunkte bilden hier christliche Sondergemeinschaften, neureligiöse und okkulte Bewegungen; zugeordnet ist eine Abteilung für Esoterikforschung mit einer umfangreichen Bibliothek.

Das Institut für Praktische Theologie und Religionspädagogik setzt im Bereich der Praktischen Theologie, der kirchliche, christliche und religiöse Praxis der Gegenwart zum Thema hat, einen Schwerpunkt auf die Religionspädagogik als der Theorie religiöser Bildung. Ein zweiter Schwerpunkt der Forschung besteht in Bemühungen um Gemeindeaufbau in der (ostdeutschen) Diaspora.

Forschungsschwerpunkte:

Institut für Bibelwissenschaften:

Alttestamentliches Seminar:
Prof. Dr. Ernst-Joachim Waschke: 1) Biblische Urgeschichte im alttestamentlichen und altorientalischen Kontext. 2) Traditionsgeschichte und Theologie geprägter Glaubensvorstellungen im Alten Testament
Prof. Dr. Arndt Meinhold: 1) Nachexilische prophetische Literatur des Alten Testmanets, vor allem: Maleachi als Abschluß des XII-Propheten-Buchs. 2) Weisheitlich-erzählende Literatur des Alten Testaments, vor allem Josephsgeschichte, Esther und Ruth.
Dr. Konstantin Zobel: 1) Historische und theologische Darstellung der Exilszeit. 2) Deuteronomismus und Prophetie.
Thomas Neumann: 1) Alttestamentliche Theologie, Literatur- und Religionsgeschichte der persischen und hellenistischen Zeit. 2) Biblische Texthermeneutik. 3) Historische Geographie und Landeskunde Palästinas.
Dr. Karl-Martin Beyse: Lehrmaterial und Veröffentlichungen im Rahmen der Lehraufträge "Biblisches Hebräisch" und "Biblische Landeskunde".

Neutestamentliches Seminar:
Prof. Dr. Udo Schnelle: 1) Analyse und Interpretation des Johannesevangeliums. 2) Dokumentation der Beziehungen zwischen den Schriften des Neues Testaments und der Hellenistischen Literatur seiner Umwelt (Neuer Wettstein). 3) Leben und Werk des Apostels Paulus in Kontinuität und Wandel. 4) Neutestamentliche Einleitungswissenschaft (Einleitung in das Neue Testament).
Prof. Dr. Hermann von Lips: 1) "Amt und Gemeinde" im Neuen Testament, vor allem: Pastoralbriefe. 2) Weisheitstradition in der biblischen Literatur. 3) Kanonsgeschichte des Neuen Testaments.
Michael Labahn: Jesus als Lebensspender. Exemplarische Untersuchungen zu einer Formgeschichte des vierten Evangeliums anhand der johanneischen Wundergeschichten.
Titus Nagel: Literatur und Geschichte des 2. nachristlichen Jahrhunderts

Seminar für Spätantike Religionsgeschichte:
Manfred Lang: Aufbau und Struktur des Johannesevangeliums.

Institut für Historische Theologie

Prof. Dr. Arno Sames: 1) Die Beziehungen der Böhmischen Reformation des 15. Jahrhunderts zur lutherischen Reformation des 16. Jahrhunderts. 2) Pietismus und Aufklärung an der Friedrichs-Universität Halle.
Prof. Dr. Hermann Goltz: 1) Geschichte und Theologie der Orthodoxen Kirchen, unter Einschluß der Zeitgeschichte. 2) Hymnologie der Orthodoxen Kirchen / Theologie der Hymnen. 3) Orthodoxe Ikonographie. 4) Corpus areopagiticum. 5) Ost/Westeuropäische Kontaktzonen von christlicher Konfessionen und Kulturen. 6) Hallischer Pietismus/Aufklärung und Osteuropa. 7) Deutsch-Armenische Beziehungen (Dokumente des Lepsius-Archivs).

Institut für Systematisch-Ökumenische Theologie

Seminar für systematische Theologie:
Prof. Dr. Ulrich Barth: 1) Religionsphilosophie des deutschen Idealismus. 2) Theologiegeschichte der Neuzeit (Luther, Kulturprotestantismus, liberale Theologie). 3) Neuere Religionssoziologie (Weber, Simmel, Gehlen, Luhmann, Berger, Luckmann).
N.N.
Dr. Claus-Dieter Osthövener: Der Erlösungsgedanke im 19. Jahrhundert.

Seminar für Ökumenik, Konfessionskunde und Allgemeine Religionsgeschichte:
Prof. Dr. Helmut Obst: 1) Neue religiöse Bewegungen (Geschichte, Lehre und Leben). 2) Die Esoterikforschung seit dem 19. Jh. bis zur Gegenwart. 3) Die ökumenischen Wirkungen des Halleschen Pietismus.
Dr. Michael Bergunder: Pfingstbewegung/Christentum in Indien.
Harald Lamprecht: Die Rosenkreuzer.

Institut für Praktische Theologie und Religionspädagogik

Seminar für Praktische Theologie:
Dr. Jan Hermelink: 1) Homiletik: Predigtanalyse, Gottesdienstanalyse. 2) Theorie der Kaualien: Soziologische, psychologische, pragmatische Aspekte. 3) Pastoraltheologie. 4) Praktisch-theologische Ekklesiologie.

Seminar für Religionspädagogik:
Prof. Dr. R. Hoenen: 1) Lehrplanarbeit Evangelische Religion. 2) Geschichte der Religionspädagogik im 20. Jahrhundert, besonders in der DDR. 3) Symboldidaktik. 4) Ethik im Unterricht.
Dr. Bernd Schröder: Gemeindepädagogik (Konfirmandenarbeit).


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