Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Forschungsbericht Berichtszeitraum:01.01.1999 - 31.12.2000

Medizinische Fakultät

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Dekan:

Prof. Dr. med. Stephan Zierz


 

Im Jahre 2000 hat die Medizinische Fakultät in einem intensiven Prozess ihr Forschungskonzept überarbeitet und präzisiert. Im Rahmen der Vorbereitungen für eine Antragsstellung nach den vom Bundesministerium für Bildung und Forschung veröffentlichten Förderrichtlinien zur "Verbesserung der Leistungsfähigkeit der klinischen Forschung an den medizinischen Fakultäten der neuen Bundesländer einschl. Berlin (Charité)" ("NBL3-Programm") wurden die Forschungsanstrengungen der Fakultät einer umfassenden Bestandsaufnahme unterzogen.

 

Forschungskonzept der Fakultät

Die Medizinische Fakultät führte dabei unter dem Generalthema "Genetische und zellbiologische Konzepte zur Erforschung von Krankheitsursachen und zur Entwicklung von Therapiestrategien" die Ansätze besonders aus den Bereichen "Herz-Kreislauf-Erkrankungen" und "Onkologie" mit Strategien zusammen, die aus der Molekularen Medizin stammen. Die Formulierung des integrativen Forschungskonzeptes der Medizinischen Fakultät trägt der Kompetenz der Fakultät im Bereich der Zell- und Gentherapie, der genetischen und zellbiologischen Krankheitsforschung Rechnung.

In einem umfangreichen Maßnahmenpaket wurden Vorschläge zur Forschungs- und Nachwuchsförderung erarbeitet, die der medizinischen Forschung an der Fakultät neue Impulse geben sollen. Dieses Konzept wurde von einer Gutachterkommission des BMBF positiv beurteilt und zur Förderung empfohlen. Im Mittelpunkt des Programms steht die finanzielle Förderung drittmittelgeförderter Projekte sowie die Unterstützung der Vorbereitung von drittmittelgeförderten Projekten. Daneben wurde das Forschungsprofil der Fakultät durch die Einrichtung von zwei Nachwuchsgruppen "Tumorgenetik" und "Virus-Zellinteraktionen" sowie die vorgezogene Ausschreibung der C4-Professur Immunologie mit der Denomination "Tumorimmunologie" gestärkt. Die Einrichtung von weiteren Nachwuchsgruppen ist vorgesehen. Die Fakultät erwartet, dass dieses Programm zu einer deutlichen Verbesserung der Perspektiven für den wissenschaftlichen Nachwuchs führen wird. Durch die im Programm implementierten Leistungsanreize sollen aktive Forschungsgruppen gezielt gefördert werden. Strategisch von lebensnotwendiger Bedeutung sind die Konzertierung der wissenschaftlichen Strategien und die Schaffung flexibler Strukturen zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses.

An der Medizinischen Fakultät wurden im Jahre 2000 insgesamt 588 drittmittelgeförderte Forschungsprojekte mit einer Fördersumme von rund 13 Mio. DM durchgeführt. Ein großer Anteil der Förderung erfolgte durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (60). Weitere wichtige Geldgeber waren die EU (7), das BMBF (18), das Land Sachsen-Anhalt (56) sowie Stiftungen (32) und Industrieunternehmen (297). Verschiedene übergeordnete Forschungsverbünde wurden weitergeführt bzw. neu eingerichtet:

 

Herz-Kreislauf-Forschung

Die wichtigsten Anliegen der Herz-Kreislaufforschung lagen in der Aufklärung der zellulären und molekularen Ursachen des Herz-Kreislaufversagens. Die hohe Komplexität der Zusammenhänge hat interdisziplinäre Zusammenarbeiten bewirkt: Ursachen und Signalketten, die in Biochemie, Genetik, Molekularbiologie, Pharmakologie und (Patho-) Physiologie erarbeitet wurden, werden in den Kliniken für Innere Medizin III (Kardiologie) und für Herz-Thoraxchirurgie mit klinischen Fragestellungen aufgenommen und therapeutisch genutzt.

Die Kommunikation und Integration der kardiovaskulären Forschungsgruppen wurde seit 1994 unter dem Thema "Myokard-Hypertrophie: Mechanismen und Risiken" vom BMBF gefördert. Die Projekte untersuchen Mechanismen der Hypertrophie- und Insuffizienz-Entwicklung unter experimentellen und klinischen Bedingungen. Aus der BMBF-Förderung haben sich zwei übergeordnete Forschungsinitiativen entwickelt, die entweder bewilligt wurden (Transregio) oder vor der Begutachtung stehen (SFB). 1.) SFB/Transregio "Biomechanische Phänotyp-Regulation im Herz-Kreislaufsystem". Der Transregio-Verbund, der von der DFG an den Universitäten Göttingen, Hannover und Halle eingerichtet wurde, untersucht die hämodynamische Last (Deformation) im Herz-Kreislauf-System, welche den entscheidenden Stimulus für funktionelle und strukturelle Veränderungen darstellt. 2.) SFB-Initiative "Herzversagen im Alter: Zelluläre Signalwege und therapeutische Einflussnahme". Ausgangspunkt der Beantragung des SFBs ist die Beobachtung, dass adulte Kardiomyozyten sich nicht teilen und mitogene mechanische Stimuli (Überlast) mit der Reaktivierung abgeschalteter Genprogramme beantworten, die über "hypertrophic remodelling" in zelluläre Fehlfunktionen und Insuffizienz führen. Gealterte Herzen zeigen immer einen Verlust kontraktiler Zellen bei gleichzeitiger Hypertrophie der vorhandenen Kardiomyozyten, so dass der einzelne Myozyt bei "normaler" globaler hämodynamischer Last eine Überlast erleidet. Somit laufen während des Alterns Veränderungen ab, die denen der durch Überlast induzierten Entwicklung einer Herzinsuffizienz ähneln. Auf lange Sicht soll die Hypertrophie umgesteuert werden in eine Entwicklung, die eine Neubildung von Zellen nach sich zieht.

 

Tumorforschung

Der Forschungsverbund "Tumorbiologie" hat zum Ziel, aus der Einsicht in die genetischen und zellbiologischen Grundlagen der Proliferation und Apoptose von Tumorzellen neue Strategien zur Prävention und Therapie zu entwickeln. Die Projekte können methodisch und thematisch folgenden Bereichen zugeordnet werden: Diagnostik und Screening (anwendungsorientiert), Therapie (experimentell und klinisch) und Prognose (grundlagenorientiert). Gegenstand der Projekte sind Schilddrüsenkarzinome, Hirntumore, Weichteilsarkome und Dickdarmkarzinome. Um die hervorragende Forschungskapazität auf dem Gebiet Schilddrüse zu fokussieren, ist die Einrichtung einer klinischen Forschergruppe "Zellbiologische und molekulare Mechanismen der Pathogenese von Schilddrüsenneoplasie" bei der DFG beantragt worden. Schilddrüsenneoplasien sind ein besonders geeignetes Modell der Tumorgenese. Trotz ihrer gemeinsamen Herkunft aus einem epithelialen Zelltyp, dem Thyreozyten, unterscheiden sich die einzelnen Tumore erheblich. Während einerseits vorwiegend Umweltfaktoren ursächlich mit und ohne Involvierung somatischer Genveränderungen anzunehmen sind, haben bei einem Teil der medullären Schilddrüsenkarzinome (MTC) Keimbahnmutationen mit unterschiedlicher Penetranz Bedeutung.

Der Forschungsverbund "Tumorbiologie" untersucht sowohl angeborene als auch erworbene Veränderungen des genetischen Informationsflusses. Hierdurch bestehen enge Beziehungen zum Forschungsverbund "Umweltmedizin". Der Forschungsverbund "Umweltmedizin" basiert auf den spezifischen Standortbedingungen der Region Halle-Bitterfeld. Es bestehen enge thematische und konzeptionelle Verknüpfungen zu den verschiedenen Forschungsanstrengungen der Fakultät insbesondere aufseiten der durch externe Substrate initiierten Apoptose, der Wachstumsfaktor-gesteuerten (De-) Differenzierungen sowie Enzympolymorphismen mit Aktivierung von Xenobiotika zu gentoxischen und kanzerogenen Intermediaten.

Der Forschungsverbund "Somatische Gentherapie" widmet sich neben monogenetischen Stoffwechselerkrankungen und Gefäßkrankheiten vor allem onkologischen Erkrankungen. Hierbei steht die Gentherapie von Leukämien sowie zentralen und peripheren neuroektodermalen Tumoren im Vordergrund. Die Aktivitäten erfahren einen wesentlichen Ausbau durch die Errichtung des mit 23 Millionen DM von der Deutschen Krebshilfe, dem Land Sachsen-Anhalt und dem Bund geförderten Landeszentrums für Zell- und Gentherapie einer hochkompetitiven Forschungs- und Versorgungseinrichtung. Im Mittelpunkt der klinischen Aktivitäten des Landeszentrums stehen die autologe und allogene Stammzelltransplantation.

Einen weiteren wichtigen Aspekt des Forschungsschwerpunkts Onkologie bilden die Aktivitäten im Bereich der Epidemiologie und der Versorgungsforschung. Dieser Bereich hat durch die Ausschreibung einer Professur für "Rehabilitationsmedizin" und der Einrichtung des Koordinierungszentrums für Klinische Studien deutlich an Profil gewonnen.

 

KKS Halle

Das Koordinierungszentrum für Klinische Studien Halle stellt eine Ergänzung des von der Fakultät im Jahr 2000 im Rahmen des NBL3-Programms formulierten Forschungsschwerpunktes ("Genetische und zellbiologische Konzepte zur Erforschung von Krankheitsursachen und zur Entwicklung von Therapiestrategien") dar. Dies gilt besonders im Hinblick auf die qualitative Verbesserung der Infrastruktur der patientennahen klinischen Forschung. Nach Antragstellung vom Herbst 2000 wird das Koordinierungszentrum in Halle ab voraussichtlich Oktober 2001 sechs Jahre lang über eine Strukturfördermaßnahme des BMBF als eines unter fünf weiteren Zentren finanziell gefördert.

Das Koordinierungszentrum für Klinische Studien Halle wird besonderen Wert darauf legen, gleichrangig wissenschaftsgetriebene und Studien im Auftrag der Industrie in den Bereichen der Planung, Durchführung und Auswertung zu unterstützen. Das Schwergewicht wird gemäß der Ausrichtung der Fakultät auf den Gebieten der Onkologie und Herz-Kreislauf-Medizin liegen. Es werden vorrangig Therapiestudien, Studien zur Medizinprodukteprüfung, Screening- und Diagnosestudien, Studien der epidemiologischen Versorgungsforschung (onkologische Versorgung, Reha-Versorgung, Pflegeversorgung) und epidemiologische Risikofaktorstudien durchgeführt. Ein Schwergewicht der Aus- und Weiterbildungsaktivitäten des KKS Halle wird in Abstimmung mit den benachbarten Koordinierungszentren in der Weiterbildung zum Prüfarzt liegen. Für andere Weiterbildungen stellt das KKS Halle im gegenseitigen Austausch Dozenten bereit.

Das KKS Halle legt besonderen Wert auf die Pflege bestehender und in Planung befindlicher Patienten-, Klinik- und Kompetenznetzwerke auf den Gebieten der gastroenterologischen Tumoren, der chronischen Hepatitis, der Lungenkarzinome, der Herzinsuffizienz, der Intensiv- und Notfallmedizin und der Immun- und Gentherapie. Aufgrund der bereits existierenden Netzwerke und der sieben für die nächsten zwölf Monate geplanten und für das KKS vorgesehenen multizentrischen Studien ist die Arbeitsfähigkeit und Auslastung des Zentrums in den ersten zwei Jahren gegeben.


 


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