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| Dienstsitz: | Franckeplatz 1, Haus 3
06110 Halle (Saale) |
| Tel.: | (0345) 55 23871 |
| Fax: | (0345) 55 27232 |
| e-mail: | campehl@paedagogik.uni-halle.de |
| Internet: | http://www.uni-halle.de/erzwiss |
| Dekan: | Prof. Dr. Hartmut Wenzel |
Im Universitätsjahr 1999/2000 bestand der Fachbereich Erziehungswissenschaften aus drei Instituten und einem Arbeitsbereich: dem Institut für Pädagogik, dem Institut für Rehabilitationspädagogik, dem Institut für Grundschulpädagogik und dem Arbeitsbereich Haushaltswissenschaft.
Seit der politisch-ökonomischen Wende der Jahre 1989/90 hat es
in allen Arbeitsbereichen grundlegende Veränderungen gegeben, die
sich selbstverständlich auch auf die Forschungsschwerpunkte des Fachbereiches
auswirkten. Insbesondere führten Neuberufungen und personelle Entwicklungen
zur Neustrukturierung und zum Ausbau regionaler, überregionaler und
internationaler Kooperationen und Vernetzungen.
Durch die fortschreitende räumliche Zusammenführung der Institute
und Arbeitsbereiche des Fachbereiches Erziehungswissenschaften auf dem
Gelände der Franckeschen Stiftungen gelingt es zunehmend, institutsübergreifend
Forschungsprojekte zu entwickeln. Dadurch sind im Berichtszeitraum neue
Forschungsschwerpunkte entstanden. Die Vielzahl einzelner Forschungsprojekte
am Fachbereich Erziehungswissenschaften, die in ihrer Mehrheit als Drittmittelprojekte
durch die DFG, durch die Hans-Böckler-Stiftung und zuständige
Ministerien des Landes gefördert werden, ergeben ein deutliches Forschungsprofil,
das sich derzeit in 5 Forschungsschwerpunkten fassen läßt:
Forschungsschwerpunkte:
Empirische Sozial- und Bildungsforschung: Ein vergleichbar großer Bereich der Forschung bezieht sich auf Fragen der Bildung in weiterem Sinne (Altenbildung, Erwachsenenbildung, Frauenbildung z.B.), auf Arbeitsfelder der sozialen Arbeit und Beratung von Klientengruppen unterschiedlicher Art, auf Entwicklungen der sozialen und pädagogischen Berufe und Professionen und die Probleme der Organisationen sozialer Dienstleistungen sowie auf Biographie- und Lebenslaufforschung. Dabei stehen Fragen der Medien, der Geschlechter- und Generationsverhältnisse oft im Mittelpunkt des Interesses. Zu erwähnen sind auch Forschungen zu Ansätzen des Empowerments und zur Entwicklung regulativer Flexibilität und Resilienz bei Kindern. Hier bestehen Kooperationen mit dem Zentrum für Sozialforschung, An-Institut der Martin-Luther-Universität. In diesem Bereich arbeitet auch ein von der Hans-Böckler-Stiftung gefördertes Promotionskolleg in Kooperation mit dem Fachbereich Geschichte, Philosophie, Sozialwissenschaften und der Humboldt-Universität zu Berlin. Ein Sonderforschungsbereich zum Thema „gesellschaftliche Entwicklungen nach dem Systemumbruch. Diskontinuität, Tradition und Strukturbildung“ konnte in Kooperation mit der Universität Jena und dem Zentrum für Sozialforschung eingeworben werden.
Kindheits- und Jugendforschung: In diesem Forschungsschwerpunkt
fließen Arbeiten und Beiträge aus verschiedenen Instituten und
Fragestellungen zusammen. Ausgangspunkt ist, dass moderne Kindheit über
die Prägung durch die Familie in hohem Maße durch wohlfahrtsstaaliche
Regulierungen und pädagogische Institutionen konstituiert ist. Verlauf,
äußere Gestalt und biographische Entwicklungsaufgaben in Kindheit
und Jugend werden durch Institutionen und gesetzliche Regelungen verschiedenster
Art mitgeprägt. Insofern bezieht sich ein Teil der Forschungen auf
die generelle Beziehung zwischen Kindheit und Wohlfahrtsstaat. Hier geht
es um Fragen wie die Auswirkungen der Reorganisation wohlfahrtsstaatlicher
Sicherungssysteme und Leistungen auf die Kindheits- und Jugendphase, die
Auswirkungen familien- und kindheitspolitischer Maßnahmen und Programme
auf die Ausstattung von Kindern und Familien mit materiellen Ressourcen
und Lebenschancen sowie auf Probleme der Unterversorgung und deprivierten
Lebenslagen in Kindheit und Jugend. Ein weiterer Teil der Forschungen bezieht
sich auf die Auswirkungen der "Institutionalisierung" von Kindheit durch
die vorschulische und schulische Betreuung und Bildung. Hier geht es darum,
wie sich die neuen gesellschaftlichen Anforderungen an die Lebensphasen
in veränderten rechtlichen Regelungen, Bildungsinhalten und Mitbestimmungswegen
der beteiligten Gruppen im Bereich der institutionalisierten Kleinkindbetreuung,
der Vorschulerziehung und der Schule niederschlagen.
Weiterhin zielen Forschungsprojekte in diesem Schwerpunkt auf die Erhellung
von Prozessen kindlichen Lernens und Lebens als Grundlage für eine
moderne Grundschuldidaktik.
Erziehungswissenschaftliche Rehabilitationsforschung bildet den vierten Forschungsschwerpunkt. Sie ist von der Sache her ein interdisziplinär angelegter Bereich. Die Möglichkeit zu Aktivität und Partizipation von Menschen mit Behinderungen über die gesamte Lebensspanne werden untersucht vor dem Hintergrund unterschiedlicher Kontextfaktoren. Die Forschungsprojekte umfassen Aspekte der Prävention, pädagogisch-therapeutische Intervention und die soziale und berufliche Integration für unterschiedliche Behinderungsarten. Enge Kooperation besteht insbesondere mit der Forschungsstelle zur Rehabilitation von Menschen mit kommunikativer Behinderung (FST) an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Rehabilitationsforschung unter pädagogischer Perspektive soll künftig auch in den Forschungsverbund Rehabilitationswissenschaften Sachsen-Anhalt/Mecklenburg-Vorpommern eingebunden werden.
Historische und wissenschaftstheoretische Untersuchungen bilden einen fünften Schwerpunkt der Forschungen im Fachbereich. Hierbei geht es zum einen um historisch-vergleichende Studien zum Bildungswesen, zur Entwicklung des Hochschulwesens, der Lehrerausbildung und der Erziehungswissenschaft als Disziplin. In einem weiteren Bereich, der eher wissenschaftstheoretisch und bildungsphilosophisch orientiert ist, werden kulturell vergleichende und theoretische Studien zum Wissen, insbesondere zum pädagogischen Wissen durchgeführt. Hier sind vor allem die Franckeschen Stiftungen mit ihren vielfältigen Archiven und das Zentrum für Aufklärungsforschung wichtige Kooperationspartner.
Die besonderen Bemühungen des Fachbereichs richten sich auf die Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses für die Forschung. Dazu wurde insbesondere ein Graduiertenkolleg eingerichtet, das durch die Hans-Böckler-Stiftung finanziert wird. Nicht zuletzt die Teilnahme an internationalen Programmen wie z.B. "Tempus", "Erasmus" und "Sokrates" sollen den Horizont unserer Absolventen und Absolventinnen erweitern und internationale Kooperationserfahrungen ermöglichen.
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