Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Forschungsbericht Berichtszeitraum:01.01.99 - 31.12.00

INTERDISZIPLINÄRE WISSENSCHAFTLICHE ZENTREN


Universitätszentrum für Umweltwissenschaften (UZU)

Dienstsitz:  Moritzburgring 10 
06108 Halle (Saale)
Geschäftsführender Direktor:  Prof. Dr. Peter Wycisk
Tel.:
(0345) 55-2 17 46 (Sekretariat) 
(0345) 55-2 61 34 (Institut)
Fax:
(0345) 55-2 70 98
eMail:
wycisk@geologie.uni-halle.de
direktor@uzu.uni-halle.de
meinicke@uzu.uni-halle.de
Internet:  http://www.uzu.uni-halle.de

Das Universitätszentrum für Umweltwissenschaften (UZU) ist eine interdisziplinäre wissenschaftliche Einrichtung der Martin-Luther-Universität. Nach Satzung hat das Zentrum die Aufgabe, die fachbereichs- und fakultätsübergreifende Koordination umweltrelevanter Lehr- und Forschungsaufgaben zu gewährleisten. Es will in den Bereichen Forschung, Lehre sowie Dokumentation und Kommunikation insbesondere:

Geleitet wird das UZU kollegial durch ein ehrenamtliches Direktorium, das in seiner Arbeit von einem Beirat sowie eine mit zwei Mitarbeitern hauptamtlich besetzte Geschäftsstelle unterstützt wird.

Das Zentrum verfügt über keine haushaltfinanzierten Mitarbeiterstellen für Forschungsaufgaben. Der Aufbau von fachbereichs- und fakultätsübergreifenden Forschungskernbereichen zum Themenfeld Umwelt-Technik-Mensch an der Halleschen Universität über das UZU ist somit unmittelbar an die fachliche Ausrichtung und die Aktivitäten der Professuren an den beteiligten Einrichtungen gebunden. Schwerpunkte existieren hier speziell in den Bio-, Geo- und Landwirtschaftswissenschaften sowie in der Medizin.

Die Mitglieder des Zentrums gehören vor allem den Fachbereichen der Mathematisch-Naturwissenschaftlich-Technischen, der Landwirtschaftlichen und der Medizinischen Fakultät an. Zudem sind die Philosophische und die Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät vertreten, wodurch über das UZU fast das gesamte umweltrelevante Potential der Universität repräsentiert wird.

In der Umweltforschung haben sich an der Halleschen Universität durch die Aktivität der UZU-Mitglieder zunehmend Kernbereiche herausgebildet, die durch das UZU gezielt weiter ausgebaut werden.

Vor diesem Hintergrund hat das UZU unter dem Paradigma der nachhaltigen Entwicklung mittelfristig die folgenden drei Teilschwerpunkte der fakultätsübergreifenden Umweltforschung an der Martin-Luther-Universität abgeleitet:

Diese Forschungsfelder wurden, wie die Tätigkeit im UZU generell, im Sommer 2000 von einer externen Gutachtergruppe als positiv und zukunftsfähig bewertet. In diesem Kontext wurde vor allem die Abkehr von einer sektoral bzw. disziplinär ausgerichteten Forschung zu einer über das UZU koordinierten interdisziplinären Verbundforschung gewürdigt. Zugleich wurde deutlich gemacht, dass angesichts der geringen Grundausstattung sowie fehlender Anreizstrukturen für eine interdisziplinäre Mitarbeit im Zentrum hier universitätsseitig Abhilfe geschaffen werden sollte.

Von den forschungsorientierten Aktivitäten des Zentrums sind insbesondere die folgenden zwei herauszustellen:

1. Koordination des BMBF-Forschungsverbundes „Integration von Schutz und Nutzung im Biosphärenreservat Mittlere Elbe – Westlicher Teil – durch abgestimmte Entwicklung von Naturschutz, Tourismus und Landwirtschaft“. Das Projekt begann im Juni 2000 und hat bei einer Laufzeit von drei Jahren ein Gesamtfinanzierungsvolumen von 2,16 Mio. DM. Gesamt-Projektleiter ist Prof. Wycisk,

Im Mittelpunkt steht die Frage nach den Möglichkeiten und Grenzen der Verbindung von Naturschutzansprüchen mit unterschiedlichen Nutzungen. Ziel ist es, über die Entwicklung eines mit den regionalen Akteuren abgestimmten Naturschutzszenarios Handlungsstrategien für die wichtigsten Akteure in der Region zu definieren: Managementstrategien für die landwirtschaftlichen Betriebe, Vermarktungsstrategien für Landwirtschaft und Ernährungswirtschaft sowie Strategien für die Entwicklung eines naturschutzorientierten Tourismus. Dabei gehen auch die Vorgaben und Ansätze aus der Politik, die den aktuellen agrarpolitischen Entwicklungen Rechnung tragen, mit ein.
Der westliche Teil des Biosphärenreservates „Mittlere Elbe“ beinhaltet eine naturnahe Flusslandschaft mit den größten zusammenhängenden Auwaldkomplexen der gesamten Elbe. Gleichzeitig macht die Landwirtschaft im Betrachtungsraum traditionell einen wichtigen Anteil der Regionalökonomie aus; seit der Wende hat die Zahl der in der Landwirtschaft tätigen Arbeitskräfte allerdings stark abgenommen. Dadurch und durch den Niedergang der Industrie zählt der Anteil der Arbeitslosen in diesem Raum zu den höchsten in der gesamten Bundesrepublik. Bisher fehlen praxisorientierte Konzepte für ein umweltgerechtes Management in diesem Raum, die Perspektiven auch für eine ökonomische Entwicklung der Region eröffnen.
Basierend auf den Erhebungen des Status quo zur ökologischen Ausstattung (Boden, Wasser, Arten, Biotope), zum Landschaftsbild, zur touristischen Infrastruktur sowie zur Situation landwirtschaftlicher Betriebe in der Region werden verschiedene Naturschutzleitbilder entworfen. Die Unterschiede liegen im wesentlichen in den Flächenanteilen der Bereiche, die

Hier gehen auch die übergeordneten Vorgaben (z.B. des Bundesnaturschutzgesetzes, der FFH-Richtlinie) mit ein. Im Anschluss werden verschiedene flussauenspezifische Naturschutzszenarien entwickelt, die räumlich-konkret mit Hilfe eines geografischen Informationssystems sowie inhaltlich-beschreibend dargestellt werden.
Für jedes Naturschutzszenario werden flächenscharf die ökologischen Konsequenzen und die ökonomischen Auswirkungen für die Landwirtschaft geprüft.
Insbesondere werden die Umstellungsnotwendigkeiten in den Betrieben und die resultierenden Einkommenseinbußen dargelegt. Ferner werden hier die Möglichkeiten und Grenzen der Erzielung zusätzlicher Einkommen im Bereich der (Direkt-, Regional-) Vermarktung, der Landschaftspflege sowie durch die Entwicklung eines naturschutzorientierten Tourismus evaluiert.
Auf der Grundlage der Erkenntnisse über die unmittelbaren Konsequenzen der Szenarien-Realisierung und die Kompensationsmöglichkeiten wird eines der Naturschutzszenarien ausgewählt, wobei die betroffenen Akteure frühzeitig und intensiv einbezogen werden. Gegebenenfalls sind dabei Modifizierungen bzw. Varianten der betrachteten Szenarien einzubeziehen. Der Abstimmungsprozess führt in einem weiteren Schritt zur Festlegung eines Zielkonzeptes für den Betrachtungsraum, das regional-ökonomisch abgesichert ist, und das eine partielle Umsetzung des ausgewählten Szenarios erlaubt.

2. Vorbereitung eines Graduiertenkollegs "Landnutzungswandel – Ökologische und sozioökonomische Konsequenzen und Perspektiven (Modellregion Mansfelder Land)" unter Leitung von Prof. Frühauf. Eine Besonderheit dieses (bei der DFG beantragten) interdisziplinären Graduiertenkollegs besteht darin, dass das UZU selbst aus strukturellen Gründen nicht Antragsteller sein kann, alle vorbereitenden Aktivitäten jedoch aus dem UZU heraus erfolgten.

Das Vorhaben entspricht dem besonderen Anliegen moderner Umweltforschung im Sinne eines nachhaltigen Wirtschaftens. Es sollen Projekte eines fakultätsübergreifenden Forschungs- und Ausbildungsverbundes installiert werden, die naturwissenschaftliche Analyse mit soziologischer und ökonomischer Handlungsorientierung verknüpft. Das UZU ist der geeignete Rahmen für anspruchsvolle interdisziplinäre Arbeit. Eine hohe Qualität der Kollegsarbeit wird sich auch durch konsequente Kooperation mit dem Graduiertenkolleg „Adaptive physiologisch-biochemische Reaktionen auf ökologisch relevante Wirkstoffe“ erreichen lassen.

Ausgangspunkt für das Forschungs- und Studienprogramm des Graduiertenkollegs bildet die Hypothese, dass Veränderungen der Art, Struktur und Intensität der Landnutzung nicht nur Auswirkungen auf die Sozioökonomie der Region, sondern auch auf den (kultur-)landschaftlichen Stoffhaushalt und damit den Belastungszustand der unterschiedlichen Ökosysteme haben. Das Forschungsziel des Kollegs ist deshalb vorrangig auf die Analyse und Bewertung der für diese Region charakteristischen nutzungsbedingten Veränderungen und Belastungen ökosystemarer Prozesse bzw. Strukturen orientiert. Dabei gilt das besondere Interesse den ökologischen und sozioökonomischen Erscheinungsformen bzw. Folgen des (nachwendezeitlichen) Landnutzungswandels und die sich hierbei zeigenden Wechselwirkungen. Dieser Forschungsansatz entspricht der Forderung, bei der Analyse typischer Muster nichtnachhaltiger Nutzung der Biosphäre in verstärktem Maße eine Vernetzung natürlicher und gesellschaftlicher Faktoren zu berücksichtigen.
Hieraus ergibt sich eine Strukturierung des Graduiertenkollegs in die Leitthemen "Sozioökonomische Steuergrößen und Perspektiven" und "Ökologische Randbedingungen und Auswirkungen".
Das Forschungs- und Studienprogramm für die am Kolleg beteiligten natur-, sozial-, ingenieur- und agrarwissenschaftlichen Disziplinen basiert damit auf einem vernetzten, interdisziplinären Ansatz. Die durch überwiegend empirische und experimentelle Untersuchungsmethoden dominierten und in verschiedenen hierarchischen Betrachtungsebenen angesiedelten Projekte zielen deshalb weniger auf Detailbeschreibungen von Einzelphänomenen als auf eine modellhafte Darstellung verallgemeinerungsfähiger ökologischer (ökosystemarer) und sozioökonomischer Zusammenhänge ab.


Weitere Informationen zu Universitätszentrum für Umweltwissenschaften :


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