Stiftungsprofessur Wirtschaftsethik
Bald auch in Halle neue Wissenschaftsdisziplin
Was ist „Wirtschaftsethik"? Wozu braucht man das? Mit Halle
wird es in ganz Deutschland gerade mal eine Handvoll Lehrstühle für
„Wirtschaftsethik" geben ... Trotzdem handelt es sich weder um ein
exotisches Randgebiet noch um eine kurzlebige Modeerscheinung oder gar
individuelle Liebhaberei. Die Bedeutung der „Wirtschaftsethik"
als Fachdisziplin nimmt seit einigen Jahren permanent zu – bester Beweis:
die Verleihung des Nobelpreises für Wirtschaftswissenschaft an
den britisch-indischen Wirtschaftsethiker Amartya Sen im Jahr 1998.
Professor Gunter Steinmann von der Wirtschaftswissenschaftlichen
Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg sieht
einen wesentlichen Grund für das wachsende Interesse an wirtschaftsethischen
Fragen „neben der fortschreitenden Arbeitsteilung und Globalisierung der
Wirtschaft" in den Erfahrungen „mit dem Zusammenbruch des Kommunismus
in Mittel- und Osteuropa und der Transformation der ehemaligen Planwirtschaften
in Marktwirtschaften". Wirtschaftsethische Fragen resultieren
aus der „Kluft zwischen moralischen Ansprüchen und wahrgenommener
Wirklichkeit", die Armut, Hunger, Schuldenkrisen, soziale Konflikte,
Umweltprobleme, Kriminalität und Korruption zunehmend in unser Bewusstsein
rückt. Antworten auf diese Fragen umfassen sowohl neue Normen und
Prinzipien als auch die Notwendigkeit genauer und objektiver Analysen aller
möglichen Konsequenzen. Sie müssen effizient und politisch praktikabel
sein.
Die „Stiftungsprofessur für Volkswirtschaftslehre, insbesondere
Wirtschaftsethik" wurde im Juli 2000 beantragt. Im Oktober 2000
beschloss die Dieter Schwarz Stiftung (aus Erträgen der LIDL-Unternehmensgruppe
finanziert), die Einrichtung der Stiftungsprofessur für fünf
Jahre mit 1,5 Mio DM (300.000 DM pro Jahr) zu fördern. Der Stifterverband
stockte im Januar 2001 die Mittel um 150.000 DM (30.000 DM pro Jahr) auf.
Diese Stiftungsmittel von jährlich 330.000 DM bis 2006 werden zur
Finanzierung der Professorenbezüge, für wissenschaftliche und
nichtwissenschaftliche Mitarbeiter sowie für Sachmittel eingesetzt.
Es handelt sich um die vierte Stiftungsprofessur an der Martin-Luther-Universität
Halle-Wittenberg (nach der in der ersten Hälfte der 90er Jahre
von MITSUBISHI geförderten Stiftungsprofessur für Japanologie,
der von der Bundesstiftung Umwelt finanzierten Stiftungsprofessur für
Betriebliches Umweltmanagement an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät
und der kürzlich bestätigten Stiftungsprofessur für Rehabilitationsmedizin).
Auch der kürzlich verstorbene ehemalige sachsen-anhaltische Wirtschaftsminister
Dr. Klaus Schucht unterstützte nachdrücklich die Idee einer Stiftungsprofessur
für Wirtschaftsethik und strebte – um den Aktionsspielraum der Stiftungsprofessur
noch zu erweitern – eine weitere Förderung durch Verbindung zum
Wittenberg-Zentrum für Globale Ethik e. V. an. Seine diesbezüglichen
Bemühungen werden von der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät
intensiv fortgeführt.
Seit Februar ist die Stiftungsprofessur in der Wochenzeitung DIE ZEIT
ausgeschrieben und wurde international bekannt gemacht, auch unter Mitgliedern
einschlägiger wissenschaftlicher Vereinigungen, wie der American Economic
Association, der Public Choice Society und der Association of Institutional
Economics. Die Fakultät hofft, dass der/die neue Professor(in)
für Wirtschaftsethik bereits zu Beginn des Wintersemesters 2001/02
sein/ihr Amt übernehmen kann.
(Dr. Margarete Wein, 8. März 2001)
Nähere Informationen: Prof. Dr. Gunter Steinmann, Tel.: 0345 / 552 33 20
E-Mail: steinmann@wiwi.uni-halle.de
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