"Von Spanien über Polen nach Berlin ..."

Vortragsreihe
des Leopold-Zunz-Zentrums zur "Jüdischen Gelehrtengeschichte"

Am Mittwoch, dem 15. Mai 2002, 18.00 Uhr, lädt das Leopold-Zunz-Zentrum zum zweiten Vortrag in der Reihe "Jüdische Gelehrtengeschichte", die anlässlich des 500-jährigen Jubiläums der Universität Halle-Wittenberg stattfindet, in die Franckeschen Stiftungen, Haus 54 (Interdisziplinäres Zentrum für die Erforschung der europäischen Aufklärung) ein.

Dr. Gad Freudenthal (Paris) spricht zum Thema
"Von Spanien über Polen nach Berlin:
Die mittelalterliche hebräische Wissenschaft in der Berliner jüdischen Aufklärung"
.

Seit dem 12. Jahrhundert haben sich jüdische Intellektuelle in Spanien und der Provence die großen Schätze der griechisch-arabischen Wissenschaften und Philosophie angeeignet. Dieser Prozess der kulturellen Übertragung bekam noch einmal einen enormen Anschub mit der religiösen Legitimierung wissenschaftlicher Studien durch Moses Maimonides (ca. 11351204).

Nach der Vertreibung der Juden aus Spanien (1492) ließ die Beschäftigung mit den Wissenschaften nach und Juden wandten sich vor allem dem Studium des Talmuds und der Kabbalah zu. Als jedoch gewisse jüdische Kreise seit dem frühen 18. Jahrhundert in Osteuropa das Studium der modernen Wissenschaften befördern wollten, geschah dies durch die Wiederveröffentlichung mittelalterlicher wissenschaftlicher und philosophischer Texte, die mit eigenen Kommentaren nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen versehen wurden.

Zu den ersten Kommentatoren zählte Rabbi Israel von Zamosc (17001773), der zwischen 1741 und 1765 in Berlin wirkte und dessen Leben und Werk in diesem Vortrag beschrieben werden wird. Im Gegensatz also zur europäischen christlichen Aufklärung, die einen Krieg gegen die mittelalterliche Wissenschaft führte (Francis Bacon, Descartes), benutzte die jüdische Aufklärung (Haskalah) gerade die mittelalterliche jüdische Literatur, um ihre eigenen rationalistischen Positionen zu rechtfertigen.

Der Referent ist seit 1982 Forscher am renommierten Centre National de la Recherche Scientifique (CNRS) in Paris. Zu seinen Publikationen gehören: Aristotle's Theory of Material Substance: Heat and Pneuma, Form and Soul (1995) und, als Herausgeber, AIDS in Jewish Thought and Law (1998). Er ist Herausgeber der Zeitschrift Aleph: Historical Studies in Science and Judaism.

Nähere Informationen:
Annette Winkelmann
Leopold-Zunz-Zentrum zur Erforschung des europäischen Judentums
Stiftung Leucorea, Collegienstraße 62, 06886 Lutherstadt Wittenberg
Telefon: 03491 46-6242
E-Mail:winkelmann@LZZ.uni-halle.de
oder:
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Seminar für Jüdische Studien
06099 Halle (Saale)
Telefon: 0345 55-24064


  Zurück zum Index