"Sozietäten, Netzwerke, Kommunikation
Neue Forschungen zur Vergesellschaftung
im Jahrhundert der Aufklärung"


Wissenschaftlicher Nachwuchs erforscht die Aufklärung

Am 9. und 10. November 2000 findet in den Franckeschen Stiftungen zu Halle eine Tagung statt, bei der vor allem NachwuchswissenschaftlerInnen die Möglichkeit haben, ihre Forschungen zum Thema Aufklärung vorzustellen.

Die Aufklärung war eine übernationale, europaweite Bewegung zwischen dem späten 17. bis zum beginnenden 19. Jahrhundert, eine Epoche, deren geistige Bewegung ein Emanzipationsvorgang war, ein dauernder Prozess zur Vervollkommnung der Menschheit, der im Grunde bis heute anhält und alle menschlichen Lebensbereiche grundlegend veränderte. Neben dieser historischen Dimension bereitete die Aufklärung den Weg von der 'Vormoderne' in die 'Moderne' unsere heutige Gesellschaft wurzelt im 18. Jahrhundert.

Die aufklärerische Emanzipation jener Zeit war geistige wie praktisch orientiert. So besaß die deutschen Aufklärung neben einer stark literarisch-philosophischen Komponente einen praktisch ausgerichteten, pädagogisch-volksaufklärerischen Aspekt. Die Trägerschichten des Aufklärungsprozesses organisierten sich in Sozietäten, in denen sie an dessen Umsetzung und Ausbreitung arbeiteten. Diesen jenseits politischer und konfessioneller Grenzen wirkenden ,Aufklärungsgesellschaften' ist die Tagung gewidmet. Ihr Aktionsbogen spannte chronologisch von den Akademien und Gelehrten Gesellschaften, den Deutschen und Literari-schen Gesellschaften über die Freimaurerlogen sowie die Akademischen Logen, die Patriotisch-gemeinnützigen bzw. Ökonomischen Gesellschaften und die Lesegesellschaften bis hin zu Geheimbünden und politischen Klubs nach 1789.

Seit Mitte der 1970er Jahre rückte dieses Forschungsfeld verstärkt ins Zentrum der Aufmerksamkeit, weil die Sozietäten mit ihrer spezifisch protodemokratischen Struktur als Keimzellen moderner Vergesellschaftungen gelten dürfen. Dennoch sind noch längst nicht alle Facetten der Aufklärungsgesellschaften des 18. Jahrhunderts bekannt. Seit einigen Jahren widmen sich vornehmlich junge WissenschaftlerInnen neuen, innovativen Fragestellungen unter polyperspektivischer und interdisziplinärer Sicht. Es sind insbesondere Historiker, die Fragen der Selbstverfassung und Außenwirkung, der Kommunikation und Netzwerkbildung sowie der Geschlechtergeschichte und der Prosopographie nachgehen. Bislang fehlte ihnen jedoch eine geeignete Plattform, um Arbeitsergebnisse auszutauschen und Thesen zu präsentieren.

Darum stellt die Tagung (deren Ergebnisse in einem Tagungsband dokumentiert werden sollen) einen Arbeits- und Kommunikationszusammenhang für die bis jetzt weitgehend voneinander isolierten Projekte und Studien her und gibt NachwuchswissenschaftlerInnen die Chance, ihre Arbeiten vorzustellen. Die Zusammenkunft findet in Halle statt, weil sich hier am Zentrum für Aufklärungsforschung und am Institut für Geschichte einschlägige Forschungen auf besondere Weise konzentrieren. Frau Prof. Dr. Monika Neugebauer-Wölk, Professorin für Geschichte der Frühen Neuzeit und derzeit Direktorin des Aufklärungszentrums, hat hier in den letzten fünf Jahren einen in der Bundesrepublik singulären Arbeitsschwerpunkt zum Themenkomplex Sozietäten aufgebaut, der eine Vielzahl von Projekten zum Thema beinhaltet und aus dem bereits eine Reihe von Veröffentlichungen hervorgegangen ist.

In diesem Kontext soll die Tagung besonders den akademischen Nachwuchs aus dem mitteldeutschen Raum fördern. Dass Mitteldeutschland im 18. Jahrhundert ein Kristallisationspunkt (vielleicht der wichtigste) der Aufklärungsbewegung war, wird in der Wahl des Tagungsortes gewürdigt. Als TeilnehmerInnen werden etwa zwanzig junge ForscherInnen, meist aus Mitteldeutschland, aber auch aus Berlin, Potsdam und Mainz, in Halle erwartet.

Die Eröffnungsveranstaltung beginnt am Donnerstag, dem 9. November 2000, 12.30 Uhr, im Christian-Thomasius-Zimmer (Raum 9/10) des Hauses 54 der Franckeschen Stiftungen. Eine sehr gastfreundliche Tagungsgebühr von 5.00 DM wurde u. a. möglich durch die Förderung seitens der Öffentlichen Versicherungen Sachsen-Anhalt ÖSA , vom Prorektorat für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs sowie vom Interdisziplinären Zentrum für die Erforschung der Europäischen Aufklärung an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

(Dr. Holger Zaunstöck, Dr. Margarete Wein, 24. Oktober 2000)

Nähere Informationen bei den Veranstaltern:
Dr. Holger Zaunstöck
Geschäftsführender und wissenschaftlicher Assistent am Interdisziplinären Zentrum für die Erforschung der Europäischen Aufklärung an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Tel.: 5521772; E-Mail: zaunstoeck@izea.uni-halle.de
Dr. Markus Meumann<7b>
Wissenschaftlicher Assistent am Institut für Geschichte an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Tel.: 5524285; E-Mail:meumann@geschichte.uni-halle.de


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