„Friedrich August Wolf, Begründer der Altertumswissenschaft"
Ausstellung des Leopold-Zunz-Zentrums

„Wolfs Wirken ist lebendig, weil es bis zum heutigen Tag Widerspruch und Diskussion erfährt."
(Andreas Mehl)

Das „Leopold-Zunz-Zentrum zur Erforschung des europäischen Judentums" an der Stiftung Leucorea in Wittenberg) eröffnete am 10. Dezember 1998 im Seminar für Jüdische Studien der Martin-Luther-Universität in Halle, Reichardtdstraße 2, eine Ausstellung über Friedrich August Wolf, der von 1783 bis 1806, also 24 Jahre lang (die er später „die erfreulichsten des ganzen Lebens" nannte) als Professor der Klassischen Philologie und der Pädagogik an der Alma mater halensis lehrte. Wesentliche Impulse gingen von Wolf aus: für Lehre, Studienorganisation und Wissenschaftspublizistik. Seine erst 1831 posthum in Leipzig erschienene „Vorlesung über die Encyclopädie der Althertumswissenschaft" hielt er allein an der halleschen Universität vierzehnmal.

Auch Wolfs Wirken als Schulreformer und Initiator der Laisierung der Schule im 19. Jahrhundert ist beachtenswert. Darüber hinaus entwickelte er in seiner halleschen Zeit ein neues Konzept der Altertumswissenschaft und warf in diesem Kontext erneut die bis heute unbeantwortet gebliebene „homerische Frage" auf: Die späte Schriftlichkeit der griechischen Kultur nach jahrhundertelangen mündlichen Überlieferungen spricht dagegen, daß ein Autor die Illias verfaßt haben soll. Schon Seneca bezweifelte die alleinige Autorschaft Homers; möglicherweise wurden die antiken Epen erst auf Befehl des athenischen Diktators Peisistratos für die Nachwelt schriftlich fixiert.

In Berlin, wo Wolf nach der Schließung der halleschen Universität durch Napoleon seine Lehr- und Editionstätigkeit fortsetzte, zählten Leopold Zunz (Begründer der Wissenschaft des Judentums) und Isaac Marcus Jost (erster Verfasser einer modernen Geschichte des jüdischen Volkes, zu seinen Hörern. Beide hatten in Wolfenbüttel die Talmudschule besucht und trafen sich in Berlin als Wolfs Studenten wieder. Leopold Zunz kommentierte den professoralen Vorlesungsbetrieb so: „Solger verlasse ich, weil er mich langweilt und Rühs, weil er gegen die Juden schreibt. Böckh belehrt mich, allein Wolf zieht mich an ..."

So erklärt sich, warum gerade das Leopold-Zunz-Zentrum diese Ausstellung über die epochemachende Tätigkeit eines Philologen, Pädagogen und Altertumswissenschaftlers konzipiert und realisiert hat. Bücher, Bildnisse, Büsten, unveröffentlichte Dokumente, eine historische Europa-Karte illustrieren Wolfs enorme Wirkung. Neun Schrifttafeln informieren den Besucher über „Anfänge", „Halle", „Editionen", „Streit", „Berlin", „Jost und Zunz", „Wirkung", „Weltkrieg" und „Forschung". Selbst der Prager Altphilologe Siegfried Reuter, ein profunder Wolf-Kenner, der dessen „Leben in Briefen" auf über 1000 Seiten bekannt gemacht hatte und selbst, mit über achtzig Jahren, in Theresienstadt ermordet wurde, findet in dieser Exposition einen gebührenden Platz.

(Dr. Margarete Wein, 15.12.1998)

Ausstellungsdauer: bis Ende März 1999
Ausstellungsort: Seminar für Jüdische Studien in Halle, Reichardtstr. 2 (1. Etage)
Öffnungszeiten: Mittwoch bis Freitag 9-13 Uhr und nach Vereinbarung
Telefonische Auskunft: 0345-5524064 (Frau Winkelmann)


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