Ergänzungsstudiengang Wirtschaftsrecht


Halle attraktiv für Juristen in ganz Deutschland

Seit dem Wintersemester 1997/98 bietet die Juristische Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg unter Federführung von Prof. Dr. Dr. Stefan Grundmann den Ergänzungsstudiengang Wirtschaftsrecht an. Stellenausschreibungen für Jurist(inn)en zeigen, daß diejenigen mit besonderen Kenntnissen des Wirtschaftsrechts besonders gefragt sind. Derartige Kenntnisse vermittelt aber das Studium der Rechtswissenschaften selbst in den Wahlfächern nur zu einem geringen Teil, da es auf das für Deutschland typische Bild vom "Einheitsjuristen" abzielt, der für jeden juristischen Beruf geeignet sein soll. Demgegenüber will der Ergänzungsstudiengang Bewerbern mit überdurchschnittlichen Leistungen eine berufsspezifische Ausbildung ermöglichen, die mit einer Zusatzqualifikation zu den Juristischen Staatsexamina abzuschließt (wahlweise "Diplom-Wirtschaftsjuristen/-juristin" oder Legum Magister in oeconomicis, LL.M. oec). Wie attraktiv dieser Studiengang ist, zeigt sich darin, daß bereits ca. 70 Studierende aus ganz Deutschland hier eingeschrieben sind.

Zum Ende des Sommersemesters 1999 erhalten die ersten Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre Abschlußzeugnisse. Der Abschluß erweist sich ohne Zweifel bei der Jobsuche als sehr hilfreich. Aus diesem Anlaß sei auf die ersten beide Jahre des Studiengangs zurückgeblickt.

Um im Bereich des Wirtschaftsrecht praktisch tätig werden zu können, muß man wirtschaftliche Zusammenhänge verstehen. Deshalb sieht das Curriculum des Studiengangs zwingend vor, daß man bestimmte Vorlesungen aus dem Bereich der Wirtschaftswissenschaften belegen muß; weitere Bereiche der Wirtschaftswissenschaften kann man als Wahlfächer belegen.

Mittlerweile hat eine Vielzahl von Veranstaltungen im Rahmen des Studiengangs stattgefunden. In wissenschaftlicher Hinsicht ist vor allem die umfassende Ringvorlesung "Systembildung und Systemlücken im Europäischen Recht" zu nennen, unter deren Dach im 1998/99 die namhaftesten Vertreter der jeweiligen rechts- und wirtschaftswissenschaftlichen Fächer zu den Kerngebieten der Europäischen Harmonisierung, dem Europäischen Recht der Unternehmensorganisation und der Unternehmensgeschäfte Stellung genommen haben. Der Direktor des Institute of European Law des King's College in London konnte für eine Vorlesung gewonnen werden. Für den 12. November 1999 ist ein internationales Symposium zum Thema "Trust in Law and Behaviour" geplant, an dem u. a. James Buchanan teilnehmen wird. Am 20./21. Januar 2000 folgt ein Symposium über "Europäisches Kaufgewährleistungsrecht und die Notwendigkeit eines reformierten Schuldrechts".

Einblicke in das "wirkliche" Berufsleben von Wirtschaftsjurist(inn)en bieten vor allem sogenannte Praktikerseminare, in denen die TeilnehmerInnen von Praktikern im wesentlichen an "echten" Fällen bzw. Aufgaben trainiert werden. Im Angebot waren bereits "Der Unternehmenskauf", "Problemstellungen und Problemlösungen bei internationalen Industrieanlagen- und Infrastrukturprojekten", "Formen unternehmerischer Zusammenarbeit (Joint Ventures, Konsortien)" und "Unternehmenssanierungen". Zu Beginn des nächsten Studienjahres findet eine Einführung in die Vertragsgestaltung anhand von Fällen aus dem Gesellschafts- und Erbrecht statt. Weitere Praktikerseminare, zum Beispiel zu öffentlichen Ausschreibungen, werden vorbereitet. Die Praktiker sind vom Ausbildungsstand der TeilnehmerInnen durchweg beeindruckt, die TeilnehmerInnen ihrerseits sind von dieser neuen Unterrichtsform begeistert.

Aber auch das Vorlesungsangebot der Fakultät konnte um einige Fächer erweitert werden. Zu nennen sind Veranstaltungen zum Gewerblichen Rechtsschutz und Urheberrecht, zum Internationalen Zivilverfahrens- und Schiedsverfahrensrecht.

Die Studienmöglichkeiten im neuen Juridicum, das im Zentrum der Stadt Halle liegt, und die Ausstattung der Bibliotheken werden allgemein als hervorragend eingeschätzt.

Für das Wintersemester 1999/2000 können sich InteressentInnen bis zum 15. August 1999, für das Sommersemester 2000 bis zum 15. Februar 2000 anmelden. Der Ergänzungsstudiengang ist auf eine Regelstudienzeit von vier Semestern ausgelegt. In dieser Zeit müssen 36 Credits erworben werden, und es soll ein Unternehmenspraktikum oder ein Auslandsstudienaufenthalt integriert werden.

Nähere Informationen, auch zu den Zulassungsvoraussetzungen,
bietet das Internet unter: http://mlujurs.1jura.uni-halle.de/institut.

(Dr. Margarete Wein, 12. Juli 1999)


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