Rettung aus dem Völkermord

Lesungen und Filmszenen aus einem weltbekannten Roman

MESROP, das Zentrum für Armenische Studien an der Stiftung „Leucorea" (Leucorea Kolleg) in der Lutherstadt Wittenberg, lädt alle InteressentInnen für Mittwoch, den 3. März 1999, 18.00 Uhr, zu einer besonderen Veranstaltung ins Auditorium maximum der Stiftung in der Collegienstraße 62 ein.

Auf dem Programm stehen Lesungen und Filmszenen aus Franz Werfels erstmals 1933 erschienenen Kultbuch des jüdischen Widerstands „Die vierzig Tage des Musa Dagh", das auf dem Bücher-Archiv der deutschen Nationalsozialisten stand und 1935 auch in Istambul verbrannt wurde. Dieses Werk spiegelt das Aufbegehren des armenischen Volkes gegen den geplanten (und weitgehend verwirklichten) Genozid während des ersten Weltkriegs wider. Dabei tritt tritt das religiöse Moment – die Armenier sind Christen, die Türken Muslime – gegenüber der detaillierten Darstellung menschlicher Charaktere in den Hintergrund.

Sachkundig und verständnisvoll zeichnete der Dichter die historische Gestalt des evangelischen deutschen Theologen Johannes Lepsius nach, der sich 1915 mit aller Kraft bei den türkischen Behörden für die Rettung des armenischen Volkes eingesetzt und ein Jahr später – gegen die deutsche Militärzensur – den entlarvenden dokumentarischen „Bericht über die Lage des armenischen Volkes in der Türkei" (1919 erneut unter dem Titel „Der Todesgang des armenischen Volkes" erschienen) veröffentlicht hat.

Das Lepsius-Archiv befindet sich seit 1981 an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und wird derzeit mit Unterstützung der Volkswagenstiftung von halleschen Theologen, u. a. von Dipl.-Theol. Axel Meissner wissenschaftlich ausgewertet.

Im Sommersemester 1998 war der weltbekannte und in zahlreiche Sprachen (ins Türkische bezeichnenderweise erst 1997!) übersetzte Roman Gegenstand eines interdisziplinären Seminars, geleitet von Prof. Dr. Hermann Goltz, Theologe und Armenologe, derzeit Dekan der Theologischen Fakultät der Martin-Luther-Universität, und der Germanistin Frau Dr. Ingeburg von Lips-Sültemeyer, und von 15 StudentInnen verschiedener Fachbereiche und Fakultäten mit großem Interesse besucht.

Ebenfalls im vergangenen Jahr fanden in Halle zwei Ausstellungen statt, die dem Schicksal der Armenier gewidmet waren. Im Sommer zeigte die Galerie Marktschlößchen eine Foto-Ausstellung mit Arbeiten von Wolfgang Kunz zum Thema „Überlebende und Spuren eines Völkermordes": 45 farbige Konterfeis der heute in vielen Ländern und unter verschiedenen Umständen lebenden Nachfahren jener von Deutschland und Österreich unterstützten türkischen Mordaktion, ergänzt durch 8 schwarzweiße Augenzeugenfotos der Opfer aus dem Archiv Armin T. Wegner. Die staatliche Galerie Moritzburg präsentierte im Herbst 20 Exponate armenischer Kirchenkunst: handgeschriebene und kunstvoll illustrierte Gesangbücher, prächtig bestickte Altardecken und Gewänder, liturgische Kelche und einen typisch armenischen Kreuzstein, Chatschkar genannt.

Für das kommende Jahr bereiten das Wittenberger Mesrop-Zentrum und die hallesche Theologische Fakultät schon seit einiger Zeit gemeinsam die große internationale Konferenz „ARMENIEN 2000" vor.

(Dr. Margarete Wein, 25. Februar 1999)

Nähere Informationen über Tel.: (0345) 552 30 01/02


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