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WELCHES EUROPA SOLL ES SEIN?
Trinationales Seminar der Universitäten
Halle-Wittenberg, Paris 8, Paris 10-Nanterre und Katowice
 
Im Wintersemester 2003/04 fand im Rahmen der Interkulturellen Europa- und Amerikastudien (B.A./M.A.) am Fachbereich Sprach- und Literaturwissenschaften der Martin-Luther-Univer­sität ein instituts- und länderübergrei­fen­des Seminar zu der Frage „Welches Europa soll es sein?“ statt.
An diesem trinationalen Seminar - das finanziell unterstützt wird vom Deutsch-Französischen Jugendwerk - beteiligten sich außer StudentInnen der halle­schen Institute für Romanistik und für Slawistik Kommi­litonInnen der französischen Universitäten Paris 8 und Paris 10-Nan­­terre sowie der polnischen Universität Kato­wice.


Anlass boten der Beitritt Polens zur EU am 1. Mai 2004 sowie die in der internationalen Presse geführten Debatten um die Osterweiterung und die Rolle des deutsch-französischen Tandems in diesem Prozess. Im Zentrum der Arbeit standen Analysen von Wahrnehmungs- und Interpre­tationsmustern (Selbst- und Fremdbil­der), wie sie sich besonders in der Presse gegenwärtig erkennen lassen. Diskutiert wurde, welche Realitäten sich aktuell und historisch mit Europa verbinden und wie sich Europa als Vision seit dem Ende des kalten Krieges in Politik und Publizistik spiegeln. Es ging vor allem darum, welche Rolle die politischen, sozialen und historischen Ausgangslagen in Deutschland, Frankreich und Polen spielen. Ziel war eine ausgewogene Beschäftigung mit Ansätzen und Barrieren für die Osterweiterung unter Einbeziehung des Weimarer Dreiecks als deutsch-französisch-polnische Initiative.
Höhepunkte des Seminars stell(t)en die drei Begegnungen der polnischen, französischen und deutschen Teilnehme­rInnen in Halle, Katowice und Paris dar.

In welcher Sprache wird
wohl gerade diskutiert?
Die Konferenzsprache
schwankte zwischen
Polnisch, Französisch,
Deutsch und Englisch.


Foto: Moritz Metz

Europa der Staaten - Europa der Völker?

Am 1. Treffen unter dem Motto „Europa der Staaten - Europa der Völker?“, vom 23. bis 25. Januar 2004 in Halle, nahmen je zehn Studierende der drei Universitäten teil. Kurzreferate stellten Geschichte und Aufbau der EU, seine Organe und Institutionen vor. In den Diskussionen ging es darum, wie das künftige Europa aussehen soll. Das Scheitern des EU Ver­fassungsgipfels in Brüssel - einschließlich der unterschiedlichen Meinungen der drei Regierungen - wurde analysiert. Die rege Diskussion ließ zwar Gemeinsamkeiten zwischen den polnischen, französischen und deutschen Studierenden erkennen; es gab aber auch gegensätzliche Meinungen, so zum Gottesbezug in der Verfassung und zur Rolle der Regionen im künftigen Europa. Offen blieb jene noch immer aktuelle Frage, die der polnische Schriftsteller Adam Mickiewicz bereits 1833 stellte: „Welches ist im Augenblick der erste, wichtigste lebendige Wunsch der Völker?“
Die Antwort scheint klar: Verständigung, Vereinigung, Zusammenschluss der Interessen der Völker (allerdings nicht - wie 1833 im von Preußen, Russland und Österreich besetzten Polen - auf Kosten eines anderen Landes). Doch gibt es überhaupt universale Werte, die unsere Gemeinschaft verbinden und als Grundvoraussetzung für diese Wünsche gelten können? Sollte man nicht lieber darüber debattieren, als sich immer wieder an Unterschieden und Stereotypen aufzureiben und die eigenen nationalen Interessen und Befindlichkeiten permanent in den Vordergrund zu stellen?

Das Thema der Konferenz
in Katowice auf Polnisch
(zu Deutsch:
„Nationale Stereotypen
in der interkulturellen
Kommunikation im Kontext
des vereinten Europas“)


Foto: Moritz Metz

Nationale Stereotype in der interkulturellen Kommunikation ...

In diesem Kontext entstand die Idee für die 2. Begegnung vom 26. bis 29. Februar 2004 an der Schlesischen Universität in Katowice: „Nationale Stereotype in der interkulturellen Kommunikation“. Wozu brauchen wir Stereo­type, wer benutzt sie, wem dienen sie, gibt es europäische Stereotype - alles Fragen, denen nachgegangen wurde. Daneben reichlich Kultur, so der Besuch in der altehrwürdigen (und bis heute für viele Polen heimlichen Haupt-)Stadt Krakow mit ihren fantastischen Denkmälern, allem voran dem ehemaligen polnischen Königssitz, dem Wawel. Auch das ist Annäherung und Verständigung. Geschichte und Kultur des anderen hautnah zu erleben, die Menschen im Alltag kennenzulernen, trägt sicher zum Abbau von Klischees und Stereotypen bei.
Eins der „Stereotype“ - das von Herzlichkeit und Gastfreundschaft der Polen - bestätigen alle SeminarteilnehmerIn­nen gern.

Gibt es ein europäisches Bewusstsein unter der Jugend ...?

Das Treffen vom 13. bis 17. Mai 2004 in Paris (zur Frage „Gibt es ein europäisches Bewusstsein unter der Jugend unserer drei Länder?“) steht noch aus; dennoch kann man ein erstes Resümee ziehen. Das Seminar war eine große Herausforderung und erforderte einen weit über ein normales Proseminar hinausgehenden Aufwand. Lob und Dank für das Engagement aller Beteiligten!
Trotz vereinzelter organisatorischer Schwierigkeiten war und ist das Seminar als sehr erfolgreich und für das gegenseitige Verständnis als äußerst fruchtbar zu bewerten. So intensiv hatte sich nach eigenen Aussagen noch keiner der jungen Leute mit ihren unmittelbaren Nachbarn beschäftigt. Folglich ist der Wissenszuwachs enorm. Viele Dinge erscheinen in neuem Licht, es entsteht das Gefühl, sich in dem anderen Land besser auszukennen, sich mit der fremden Kultur wirklich auseinandersetzen zu wollen sowie mit Erfolg in ihr kommunizieren und handeln zu können.
Gerade letzteres ist erklärtes Ziel der Ausbildung zu KulturmittlerInnen im Studiengang Interkulturelle Europa- und Amerikastudien (Bachelor of Arts / Master of Arts). Die Effizienz des vorgestellten Seminars für die Studierenden macht diese Art des Studiums auch für die Zukunft wünschenswert.

Martina Kuhnert und Dorothee Röseberg

Nähere Informationen:

Dipl.-Slaw. Martina Kuhnert
Institut für Slawistik
Telefon: 0345 55-23556
E-Mail: kuhnert@slavistik.uni-halle.de

Prof. Dr. Dorothee Röseberg
Institut für Romanistik
Telefon: 0345 55-23533
E-Mail: roeseberg@romanistik.uni-halle.de
 
  Dr. Margarete Wein, 24.03.2004
 
     
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