Arbeitslosigkeit – ein internationales Problem

In Tel Aviv fand im Oktober ein Arbeitstreffen zwischen Medizinpsychologen der dortigen Universität und der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg statt. Aus Halle waren Professor Heinz Hennig, Dr. Wolfram Rosendahl und Dr. Marcus Stück zu diesem Zweck nach Israel gereist. Gegenstand der Diskussionen, an denen auch Vertreter der Universitätsverwaltung von Tel Aviv teilnahmen, waren in erster Linie Möglichkeiten derBeteiligung am multizentrischen Projekt „Arbeitslosigkeit und Gesundheit".

Diesem bislang wenig erforschten Zusammenhang spüren hallesche Wissenschaftler – mit finanzieller Unterstützung des Landes Sachsen-Anhalt – seit Jahren nach. Da das Problem vor Ländergrenzen nicht Halt macht, waren die Hallenser von Anfang an auf der Suche nach Partnern für eine internationale Kooperation. So haben sie ihre Fühler bis nach Argentinien, Estland, Israel, Luxemburg, Marokko und Österreich ausgestreckt.

Angestrebt werden transkulturelle Vergleiche, die auf Grund repräsentativer Daten verallgemeinernde Aussagen und die Vorbereitung von Hilfsangeboten für Ärzte und ihre arbeitslosen Patienten erlauben. In der konkreten Kooperation der Universitäten Halle-Wittenberg und Tel Aviv geht es neben kulturkreisabhängigen Untersuchungsergebnissen – beispielsweise verschiedenen, evtl. sogar pathogenen Bewältigungsmustern arbeitsloser Patienten – um die Erarbeitung allgemeiner und praktisch anwendbarer Interventionsstrategien, die krankmachenden psychischen Krisen, die sich aus Arbeitslosigkeit ergeben, vorbeugen, sie mindern oder beseitigen können.

Die deutschen und israelischen Wissenschaftler erörterten auf der Basis ihrer Konzeptionen Möglichkeiten der Operationalisierung einer transkulturellen Pilotstudie zu medizin- bzw. gesundheitspsychologischen Fragen im Hinblick auf psychologische und physiologische Folgen von Arbeitslosigkeit. Dabei wurden auch verschiedene diagnostische Meßinsturmente und ihre Anwendbarkeit im Rahmen der geplanten Untersuchungen diskutiert. Da auf beiden Seiten ein sehr starkes Interesse an einer Vergleichsstudie zum Ausdruck kam, beschlossen die deutschen und israelischen Wissenschaftler, entsprechende Fördermittel für gemeinsame Projekte zu beantragen, damit das Vorhaben möglichst bald Realität werden kann.
(Dr. Margarete Wein, 10. November 1998)

Ansprechpartner:
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg,
Medizinische Fakultät
Institut für Medizinische Psychologie
Prof. Dr. Heinz Hennig
Julius-Kühn-Straße 7
Tel.: (03 45) 55 7 36 24
Fax: (03 45) 55 7 36 03
e-mail: Prof. Dr. Heinz Hennig


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