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MITTELDEUTSCHES KNOW-HOW FÜR SÜDAFRIKA
Hallesche Geologen wollen durch Bergbau verursachte Schäden mindern
 
Die Bergbauindustrie zählt zu den traditionsreichsten Wirtschaftszweigen Südafrikas. Infolge der Förderung von Gold, Diamanten, Kohle und anderen Rohstoffen wuchs das Land zum industriestärksten des Kontinents heran - eine Entwicklung, die vor allem für die Umwelt weit reichende Folgen hat. Dazu zählen hauptsächlich morphologische und hydrogeologische Belastungen ehemaliger Abbaugebiete, die zum Teil große Mengen an Rückständen schädlicher Substanzen aufweisen. Zusammen mit südafrikanischen Ministerien und Forschungseinrichtungen will ein Team der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) unter der Leitung von Prof. Dr. Peter Wycisk vom Institut für Geowissenschaften ein Kooperationsprojekt initiieren, um Folgeschäden zu mindern oder zu vermeiden.

Seit 25 Jahren unternimmt Wycisk regelmäßig Lehr- und Forschungsreisen nach Ägypten; Jahr für Jahr war er an ein bis zwei Expeditionen mit internationalen Kooperationspartnern beteiligt. Aufgrund seiner Afrika-Erfahrung bekam Wycisk im Jahr 2005 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) den Auftrag, das Grundinteresse südafrikanischer Ministerien und Forschungsinstitutionen an gemeinsamen Projekten im Bereich Bergbau und Umwelt zu prüfen. „Wir sind uns der Probleme bewusst, die der Bergbau auch in Südafrika mit sich bringt. Also haben wir uns das Ziel gesetzt, ein Verbundprojekt zu initiieren“, erklärt der Professor der Geowissenschaften. In einer Vorstufe wird derzeit die Interessenlage potenzieller Akteure erörtert. Außerdem möchte das Team klären, welche wissenschaftlichen Kompetenzen gebündelt werden können und wie diese mit einer längerfristigen Entwicklungsperspektive versehen werden können.

Politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen ausloten

Gerade in Südafrika ist dieses Unterfangen eine wissenschaftliche und methodische Herausforderung. „Das Land befindet sich seit einigen Jahren in einem Prozess des Umbruchs und in einer sich verändernden Situation des Bergbaus“, erklärt Wycisk weiter. Wichtiges Anliegen des Vorprojektes ist der Aufbau einer partnerschaftlich entwickelten Forschungsstrategie, die durch die Beteiligten gleichermaßen getragen werden kann und dem jeweiligen Landesinteresse entspricht.

Sandsloot-Grube der Potgiersrust Platinum Mine; Teil des nördlichen Bushveld Complexes; Abbau v.a. von Paladium und Platin
Foto: Universität Karlsruhe (TH), Institut für Mineralogie und Geochemie
Die Koordination des Pilotprojektes erfolgt durch das Universitätszentrum für Umweltwissenschaften (UZU) der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg unter Beteiligung der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen, des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung Leipzig-Halle (UFZ) und des Chemnitzer Unternehmens WISUTEC GMBH. Die WISUTEC GmbH kann speziell in der industriellen Umsetzung jahrelange praktische Erfahrungen im Bereich der Sanierung von Bergbau- und Aufbereitungsstandorten vorweisen und beteiligt sich als Praxispartner. Wissenschaftliche Koordinationspartner in Südafrika sind im Rahmen dieses Vorprojektes das Council for Science and Industrial Research (CSIR), das Department of Water Affairs (DWAF) und das Water Resources Committee (WRC) sowie einer Reihe von Universitäten.

Orientierung an der mitteldeutschen Bergbaulandschaft

Die Interessen der deutschen Wissenschaftler liegen vor allem in der Bearbeitung umwelt- und geowissenschaftlicher Fragestellungen in neuen Anwendungsfeldern. „Im Laufe der vergangenen fünfzehn Jahre hat sich in Mitteldeutschland durch die umfangreichen Rekultivierungs- und Renaturierungsprojekte in ehemaligen Bergbaugebieten ein großes technisches und wissenschaftliches Wissen entwickelt“, führt Wycisk aus. Vor allem in Ostdeutschland sei es nach der Wende zu umfangreichen Bergbausanierungen gekommen, um Umweltschäden zu begrenzen oder zu mindern. „Wissenschaftliche Studien untersuchten Folgen und entwickelten Lösungskonzepte, die durch Firmen wie der WISUTEC GmbH erfolgreich umgesetzt wurden. Nun wollen wir prüfen, ob und unter welchen Bedingungen dieses hohe Anwendungswissen auch auf Projekte in anderen Ländern methodisch übertragen werden kann.“

Ferner soll das Vorhaben die Internationalisierungsbestrebungen der MLU vorantreiben, vor allem im Bezug zur Ausbildung der eigenen Studierenden. „Die wissenschaftliche Ausbildung kann sich nicht nur am nationalen Bedarf orientieren“, meint der Geologe. Im internationalen Raum herrsche eine zunehmend große Nachfrage nach gut ausgebildeten Fachabsolventen. „Wir können unsere Studierenden nur durch internationale Projekte mit den fachspezifischen Problemen in anderen Ländern vertraut machen. Vor ein paar Wochen rief in unserem Institut die Arbeitsagentur Leipzig an und bat um die Vermittlung von qualifizierten Absolventen der Geowissenschaften für den Arbeitsmarkt in Australien. Das zeigt doch, dass ein Mangel besteht und die Marke ‚Made in Germany’, zumindest im Wissenschaftsbereich, noch immer sehr attraktiv ist.“

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Peter Wycisk
Tel.: 0345 55 26134
E-Mail: peter.wycisk@geo.uni-halle.de

 
  Paolo Schubert, 31.07.2007
 
     
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