Strafrechtslehrertagung in Halle

Rund 300 Strafrechtsprofessorinnen und -professoren sowie zahlreiche internationale Gäste werden in der kommenden Woche in Halle erwartet. Die Saalestadt ist vom 13. bis 16. Mai Veranstaltungsort der Strafrechtslehrertagung.

Mit der Juristischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg übernimmt zum zweiten Mal nach 1989 eine Fakultät aus den neuen Bundesländern die Ausrichtung dieser – aller zwei Jahre stattfindenden – Versammlung der deutschsprachigen Strafrechtslehrer und -lehrerinnen. Eröffnet wird die Tagung am Freitag, dem 14. Mai, um 9 Uhr im Melanchthonianum, Hörsaal XX (Universitätsplatz 8/9, 06108 Halle) durch den Rektor, Prof. Dr. Reinhard Kreckel, und den Dekan der Juristischen Fakultät, Prof. Dr. Werner Meng.

Das Thema der Tagung „Gesetzgebung ohne Strafrechtswissenschaft?" greift das aktuelle Spannungsfeld von Wissenschaft und Rechtspolitik auf. Die zentralen Probleme sollen dabei in fünf Vorträgen herausgestellt und im Plenum umfassend bearbeit werden.

Gerade die dogmatischen Schwierigkeiten der einschneidenden Gesetzesänderungen durch das 6. Strafrechtsreformgesetz von 1998 unter teilweise unzulänglicher Beteiligung der Wissenschaft werden im Einleitungsvortrag von Prof. Dr. Gunther Arzt (Bern) problematisiert. Am Beispiel der erfolgsqualifizierten Delikte wird dann Prof. Dr. Georg Küpper (Potsdam) die möglichen Auswirkungen gesetzgeberischer Kreativität darstellen. Ebenfalls an den Gesetzgeber wendet sich Prof. Dr. Hans Lilie (Halle) mit seinem Vortrag unter dem Thema „Verwicklungen im Ermittlungsverfahren" und mahnt hier insbesondere eine grundlegende systematische Neuregelung der Eingriffsbefugnisse der Staatsanwaltschaft an. Die gegenwärtig unübersichtliche und über die Zeit eher zufällig gewachsene Materie der möglichen Ermittlungsbefugnisse erschwere die Überprüfbarkeit grundrechtsbeschränkender Eingriffe. Die schwierige Umsetzung gesetzlicher Neuregelungen in der Praxis thematisiert exemplarisch Prof. Dr. Hans-Jörg Albrecht (Freiburg), der sich in seinem Vortrag der Sexualstrafrechtsreform widmet. Weiterführende Überlegungen zu den Voraussetzungen und Folgen des Strafrechts stellt Prof. Dr. Franz Streng (Erlangen) an, der in seinem Vortrag „Modernes Sanktionenrecht?" das Strafrechtssystem grundsätzlich anfragt.

Neben dem wissenschaftlichen Austausch wird den Teilnehmerinnen und Teilnehmern ein vielschichtiges Rahmen- und Begleitprogramm geboten, das die kulturelle und landschaftliche Vielfalt Sachsen-Anhalts präsentiert. Das Anliegen, internationalem Publikum damit auch eine Region zu erschließen, die gemeinhin nicht in bestem Rufe steht, findet auch Unterstützung durch die Stadt und die Stadtwerke GmbH Halle.

(Christina Herrig, 6. Mai 1999)

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Hans Lilie, Juristische Fakultät, Strafrecht
Tel.: 0345/55 23110, e-mail: lilie@jura.uni-halle.de


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