Miniatursonde hilft bei der Überwachung von Patienten mit Hirnverletzungen

Mediziner der Martin-Luther-Universität
wenden neue Untersuchungsmethode an

In Deutschland erleiden jährlich ca. 300.000 Menschen ein Schädel-Hirn-Trauma (SHT), das für cirka 7000 Patienten tödlich endet. Bei Kindern- und Jugendlichen stellt diese Verletzung die häufigste Todesursache dar, wobei noch zahlreiche Patienten hinzukommen, die wegen einer schwerwiegenden isolierten Hirnblutung (intensiv-)medizinisch betreut werden müssen.
Plötzliche Hirnschädigungen, zum Beispiel durch Trauma oder isolierte Blutung, führen zunächst zu primären irreversiblen (nicht rückbildungsfähigen) Schädigungen des Hirngewebes, die wesentlich den Krankheitsverlauf bestimmen. Die Intensivmedizin hat sich bei diesen Patienten, neben der Aufrechterhaltung des Kreislaufsystems, das Ziel gesetzt, mit speziellen Überwachungsmethoden weitere Hirnschädigungen zu vermeiden.

Die Mediziner der Klinik für Anästhesie und Operative Intensivmedizin der Martin-Luther-Universität in der Magdeburger Straße wenden eine Untersuchungsmethode an, die in großen Traumazentren, vor allem in den USA, bereits vielfach zum Einsatz kommt und sich als sehr hilfreich erwiesen hat.

Ein ungefähr 0,5 mm dünner Multisensor (Neurotrend), wird im Hirngewebe platziert und liefert somit zusätzliche Aussagen über den regionalen Sauerstoffgehalt, dem Kohlendioxidanteil (einschl. pH-Wert) sowie der Hirngewebetemperatur. Diese Informationen können die Behandlung des einzelnen Patienten erleichtern und verbessern. So wurden die bisher allgemein gültigen Behandlungsprinzipien, unter anderem bei Hirndruck, Hirndurchblutung oder bei Kohlendioxydpartialdruck im Blut des Körperkreislaufs, dem individuellen Krankheitsbild angepasst.
Bevor aber in Halle die Methode zur erfolgreichen Anwendung gelangen konnte, besuchten drei Uni-Intensivmediziner ein Zentrum in den USA, um wertvolle Erfahrungen in Theorie und Praxis zu sammeln.

Neue Behandlungsmethoden zum Wohle des Patienten

Neben verschiedenen neuroradiologischen Untersuchungsmethoden - vor allem Computertomographie (CCT) - und einer grundlegenden intensivmedizinischen Kontrolle, stützt sich die neurochirurgische Intensivtherapie auch auf eine kontinuierliche und differenzierte Hirngewebeüberwachung. Die technischen Entwicklungen der letzten Jahre ermöglichen zunehmend eine optimale Beobachtung des Patienten mit der Absicht, ihn mit einer Therapie, die seinem speziellen Krankheitsbild entspricht, wirksam zu behandeln. Damit sind fundamentale Voraussetzungen geschaffen, bisher noch nicht verallgemeinerte Therapiereserven gezielt zu nutzen, um dadurch den Krankheitsschweregrad zu mindern und eine Verkürzung des Krankenhausaufenthaltes zu erreichen. Auch notwendige Untersuchungen in verschiedenen, auseinanderliegenden Fachabteilungen können durch ein aussagekräftiges multi-funktionelles Monitoring direkt am Krankenbett erfolgen. Den betroffenen Patienten bleiben lange Wege und die damit verbundenen Anstrengungen erspart.

Selbstverständlich bauen die Intensivmediziner auf eine enge Zusammenarbeit mit ihren Kollegen aus der Neurochirurgischen Klinik der Universität, die seit Jahren sowohl im OP als auch auf der Intensivstation erfolgreich praktiziert wird. Eine interdisziplinäre Forschungsgruppe aus Neurochirurgen und Intensivmedizinern hat sich das Ziel gesteckt, diese Form der Hirngewebeüberwachung weiter in den Kliniksalltag einzubinden.

(Dr. Jens Soukup, Ingrid Godenrath, 19. Juli 2001)

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Dr. Jens Soukup
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