Internationale Fachtagung des Zentrums für Schulforschung in Wittenberg

Konkurrierende Bildungsorte – Schule im Spannungsfeld von Familie, Jugendkulturen und Neuen Medien

Unterstützt durch die Äußerungen aus dem prominenten Munde der Kanzlergattin erfahren Diskussionen zum Thema „Erziehung", ihren Formen und ihren Zielen derzeit in der Öffentlichkeit eine – wenn auch vermutlich nur kurz andauernde – Hochkonjunktur.

Es ist unwahrscheinlich, dass die Mehrzahl der dabei geäußerten Ansichten und Meinungen die Forschungserkenntnisse der letzten Jahre widerspiegelt, die darauf hinauslaufen, dass Erziehung längst nicht mehr nur eindimensional im Elternhaus abläuft.

Verschiedene Diagnosen weisen auf grundlegende Verschiebungen in der Machtbalance zwischen den Generationen hin, die mit weitreichenden Veränderungen des Erziehungsstils einhergehen und auch Auswirkungen auf die tradierten Machtbalancen im Lehrer-Schüler- Verhältnis haben. Gleichzeitig verliert die Schule ihre Bedeutung als klassischer Ort des Lernens, während sich die Freizeit der Heranwachsenden durch eine Vielfalt von Lernangeboten vom Klavierunterricht bis hin zu Schülerolympiaden „scholarisiert". Immer größere Bedeutung erlangen die als „peer-groups" bezeichneten Gleichaltrigengruppen, die in mancher Hinsicht als entscheidende Sozialisationsinstanz und als Filter für andere sozialisatorische Einflüsse anzusehen sind. In diesen Kontext gehört auch die intensive Nutzung der sogenannten „Neuen Medien".

Vor dem Hintergrund dieser Erkenntnisse stellt sich die Frage, welchen Beitrag Schule für die Bildung und das Lernen Jugendlicher heute noch zu leisten vermag bzw. welche Bedeutung sie als Sozialisationsinstanz im Vergleich und im Zusammenspiel mit anderen Instanzen noch besitzt: Wo lernen Kinder und Jugendliche heute eigentlich das, was sie für das Leben brauchen? Welches sind die entscheidenden sozialisatorischen Einflüsse, wenn sowohl die Autorität des Elternhauses als auch die der Schule für die nachwachsende Generation in Frage gestellt ist?

Diese Fragestellung bearbeitet die vom halleschen Zentrum für Schulforschung und Fragen der Lehrerbildung vom 7. bis 9. Juni in Wittenberg (Leucorea, Collegienstraße 62) veranstaltete Internationale Fachtagung (Eröffnung: Donnerstag, 7. Juni 2001, 13 Uhr). Unter dem Titel „Konkurrierende Bildungsorte – Schule im Spannungsfeld von Familie, Jugendkulturen und Neuen Medien" verfolgt die Tagung das Ziel, ausgehend von sozialisationstheoretischen Diagnosen und empirischen Befunden der Schul-, Familien- und Jugendforschung die Schule zu anderen Sozialisationsinstanzen wie Familie, Gleichaltrigengruppe oder den „Neuen Medien" ins Verhältnis zu setzen. Dabei wird einerseits unter Berücksichtigung internationaler Entwicklungen in den USA, den Niederlanden, in England und in Russland der spezifische Stellenwert der Schule als Lernort beschrieben und andererseits eine Analyse ihrer Wechselwirkungen mit anderen sozialisatorischen Kontexten vorgenommen.

Die Struktur der Tagung sieht eine Herangehensweise an die Fragestellung in vier thematischen Blöcken vor. Während im ersten Block der Forschungsstand aus den verschiedenen an der Bildungs- und Schulforschung beteiligten Disziplinen zum Komplex „Konkurrierende Bildungsorte" vorgestellt und diskutiert werden soll, widmen sich die drei folgenden Blöcke den angesprochenen Sozialisationsfeldern. Hier wird nach den Veränderungen im Verhältnis von Familie und Schule gefragt, das Spannungsverhältnis von Schule und Peer-/Jugendkulturen wird untersucht und die Fragen nach den Herausforderungen, die die „Neuen Medien" an die Schule stellen, werden angesprochen.

Um eine Vertiefung der Auseinandersetzung zu erreichen, findet abschließend eine Podiumsdiskussion statt, bei der Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft ihre Positionen zur Frage „Konkurrierende Bildungsorte – Welche Bedeutung hat in diesem Kontext eigentlich die Schule und was sind die Konsequenzen für die Lehrerbildung?" darstellen werden. Diese vielschichtige Herangehensweise an die Thematik lässt neue und weiterführende Impulse für die zukünftige Erforschung der beschriebenen Verschiebungen zwischen den Sozialisationsfeldern erwarten.

Pressegespräch

Interessierte Vertreter von Presse, Rundfunk und Fernsehen sind herzlich zu einer Pressekonferenz eingeladen, die für Freitag, den 8. Juni um 12.30 Uhr in der Wittenberger Leucorea, Collegienstraße 62, vorgesehen ist. Die Veranstalter geben Informationen über den Verlauf der Tagung sowie die Tagungsthematik und weisen auf Tendenzen der Forschung hin, die in ihrer Relevanz für die Öffentlichkeit von Interesse sein dürften.

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Heinz-Hermann Krüger, Fachbereich Erziehungswissenschaften,
Tel.: 0345 / 55 23850,
E-Mail: krueger@paedagogik.uni-halle.de


Rüdiger Loeffelmeier, Zentrum für Schulforschung,
Tel.: 0345 / 55 21710,
E-Mail: RLoeffel@aol.com

(29. Mai 2001)

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