Göttinger Jurist erhält Ehrendoktorwürde

Die Medizinische Fakultät der halleschen Universität verleiht in wenigen Tagen an einen Juristen die Ehrenpromotion. Die fächerübergreifende Würdigung gilt einer Persönlichkeit, die sich große Verdienste als Förderer der Verständigung zwischen Medizinern und Juristen erworben hat: Prof. Dr. iur. Dr. h. c. Hans-Ludwig Schreiber.

Am 23. April findet aus diesem Anlaß um 14 Uhr in der Aula der Universität ein Festakt statt. Der Dekan der Medizinischen Fakultät, Prof. Dr. Stephan Zierz, wird die Ehrendoktorwürde an Hans-Ludwig Schreiber, Professor für Strafrecht, Strafprozeßrecht und Rechtsphilosophie an der Georg-August-Universität Göttingen, verleihen. Die Laudatio hält Prof. Dr. Manfred Kleiber, Direktor des Instituts für Rechtsmedizin. Den Festvortrag widmet Schreiber dem brisanten Thema „Rechtliche Grenzen der Gentechnologie".

Mit der Verleihung des „doctor medicinae honoris causa" an den namhaften Juristen würdigt die hallesche Universität seine herausragenden Leistungen auf dem Gebiet des Medizinrechts, insbesondere seine Verdienste bei der Erarbeitung des Transplantationsgesetzes sowie der Richtlinien zur Sterbehilfe. Hans-Ludwig Schreiber, am 10. Mai 1933 in Mönchengladbach geboren, studierte Rechtswissenschaft und Philosophie in Bonn und München. Nach den juristischen Staatsprüfungen war er zunächst als Richter tätig, dann als Referent im Justizministerium Niedersachsens (1962 - 1966). 1965 promovierte er in Bonn, 1970 folgte, ebenfalls in Bonn, die Habilitation. Ein Jahr später nahm Schreiber den Ruf auf eine Professur für Strafrecht und Allgemeine Rechtstheorie nach Göttingen an. Von 1987 bis 1990 war er Staatssekretär im Ministerium für Wissenschaft und Kunst des Landes Niedersachsen. Engagiert hat sich der Wissenschaftler auch für die Entwicklung der Hochschulstruktur in den neuen Bundesländern. So war er von 1990 bis 1993 Vorsitzender der Hochschulstrukturkommission in Sachsen. Für die Martin-Luther-Universität besonders hervorzuheben sind seine Leistungen beim Neuaufbau der Juristischen Fakultät als deren Gründungsdekan von 1991 bis 1992. In den Jahren danach stand Schreiber als Präsident der Georg-August-Universität Göttingen einige Jahre an der Spitze dieser renommierten Hochschule.

Besonderes Augenmerk widmete der Jura-Professor dem Medizinrecht. Es gibt kaum eine Gesetzgebung mit Berührungspunkten zur Gesundheitspolitik, zum Arzt-Patienten-Verhältnis, zu ethischen Fragen der vergangenen Jahrzehnte, an denen Schreiber nicht aktiv oder beratend mitgewirkt hat. Dies gilt unter anderem für das Transplantationsgesetz, für Regelungen zum Schwangerschaftsabbruch und für die Rechtsprechung zum Thema Sterbehilfe.

Sein medizinrechtliches Schrifttum umfaßt gegenwärtig 141 Titel. Insbesondere die Arbeiten zur Formulierung ärztlicher Sorgfaltspflicht durch Ausprägung des Standardsbegriffs werden viel zitiert und hoch geschätzt.

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Stephan Zierz, Dekan der Medizinischen Fakultät,
Universität Halle, Tel.: 0345/5571893, e-mail: dekan@medizin.uni-halle.de

Ute Olbertz, 12. 4. 1999


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