"Das haben wir dann einfach gemacht"
Friedliche Revolution 1989/1990 in Sachsen-Anhalt

Prof. Dr. Hermann-Josef Rupieper, Experte für Zeitgeschichte am Institut für Geschichte der Martin-Luther-Universität, hat beim Mitteldeutschen Verlag einen neuen Sammelband herausgegeben, dessen Lektüre für alle, die aktiv an der politischen Wende und ihrer Vorbereitung (besonders in den damaligen Bezirken Halle und Magdeburg) beteiligt waren, und auch für diejenigen, die sich heute authentisch und detailliert darüber informieren möchten, ein absolutes Muss darstellt.

Unter dem Motto "Friedliche Revolution 1989/1990 in Sachsen-Anhalt" hat der Herausgeber der im übrigen ab September 2000 eine einjährige Gastprofessur der Fulbright-Stiftung an der Vanderbilt University in Nashville/Tennessee antritt 16 Beiträge unterschiedlichster Provenienz zusammengestellt, die aus dem Abstand von 10 Jahren die Ereignisse von damals beleuchten, nicht ohne die seither aus deren Analyse gewonnenen Erkenntnisse in die Betrachtung einzubeziehen. Somit stehen Gewolltes und Erreichtes oftmals direkt oder indirekt nebeneinander.

Die überwiegende Mehrheit der AutorInnen gehörten der Bürgerrechtsbewegung in der DDR an und/oder nahmen an der Arbeit der "Runden Tische" im Herbst 1989 und in der ersten Hälfte des Jahres 1990 teil. Ihre Texte basieren auf den Beiträgen, die sie im Sommer 1999 bei einer Tagung zum Thema "Friedliche Revolution in Sachsen-Anhalt" gehalten hatten, die als gemeinsame Veranstaltung der Martin-Luther-Universität und der Landeszentrale für politische Bildung im Lande Sachsen-Anhalt stattfand. Insgesamt kommen zwölf Zeitzeugen und vier Historiker zu Wort.

Im Mittelpunkt der Tagung standen, das betont Professor Rupieper in der Einleitung zum vorliegenden Buch, "die oppositionellen Gruppen und ihre Vertreter ...: von den beiden großen Konfessionen über politische Organisationen wie das Neue Forum, von den 'Christlichen Medizinern' über die Öko-Gruppen bis zu 'Frauen für den Frieden' und der 'Initiativgruppe' an der Martin-Luther-Universität." Die Palette der Themen reicht von einer gedrängten Zusammenschau der Charakteristika des SED-Staates der 80er Jahre über den Anteil der Kirchen an der Konsolidierung der Opposition im Vorfeld der Wende insbesondere bei der Einbeziehung von Frauen und der Ökologischen Arbeitsgruppe bis hin zur Darstellung der speziellen Situation von Künstlern und Medizinern in jener Zeit. Auch zur Genesis der halleschen Montagsdemos (die, später als in Leipzig, erst am 9. Oktober 1989 einsetzten) finden sich interessante Details; und das erste legitime Kind der Printmedien der Wendezeit, die "Hallesche Reformzeitung Stimme der neuen demokratischen Bewegungen und Parteien", im ersten Quartal 1990 der ehemaligen Bezirkszeitung der SED (die jahrzehntelang den irreführenden Namen "Freiheit" trug) meist donnerstags beigelegt, wird vorgestellt.

Alles in allem ein sehr lesenswerter Band, den sich zeitgeschichtlich interessierte LeserInnen keinesfalls entgehen lassen sollten. Neben den einzelnen Beiträgen selbst liefern auch die dazugehörigen Anmerkungen noch eine ganze Reihe von Hinweisen zu weiterführender Lektüre.

(Dr. Margarete Wein, 30. August 2000)

Hermann-Josef Rupieper (Hg.)
Friedliche Revolution 1989/1990 in Sachsen-Anhalt
mdv, Halle 2000, 216 S., Broschur, 24,80 DM / 13,00 Euro
ISBN 3-89812-052-X


  Zurück zum Index