Wettbewerb „Jugend forscht": Erfindung eines halleschen Studenten preisgekrönt

Margarete Wein

Beim 33. Bundeswettbewerb „Jugend forscht" in München gewann Steffen Rüttinger, Physikstudent im 2. Semester an der Martin-Luther-Universität, in der Sparte Technik einen Preis sowie 2.000 DM von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt und die Teilnahme am 9. Internationalen Wettbewerb „Europas Jugend forscht für die Umwelt", der im November 1998 in Berlin stattfinden wird.

Steffen ist Hallenser und blieb nach dem Abitur 1996 seiner Heimatstadt treu. Ein Jahr lang war er Zivi am Elisabethkrankenhaus und jobte nebenbei in einem halleschen Kleinbetrieb, der sich mit Beizlösungen für metallische Werkstoffe befaßt. In vielen Fällen wurden deren Oberflächen in einem Schwefelsäure-Salz-Bad gebeizt. Eigenschaften und Ausnutzungsgrad der Beizlösungen aber konnten nur nachträglich am Ergebnis des Beizprozesses abgelesen werden.

Man müßte, das war Steffens Idee, die Zusammensetzung des Bades genau errechnen können, wenn man weiß, welches Material damit behandelt werden soll. In seiner Freizeit überlegte er, tüftelte, rechnete und zeichnete, bis sein Spezialgerät fertig war. Zuerst nur auf dem Papier. Dann fand er Hilfe in der Chemiewerkstatt der am Standort Weinberg angesiedelten naturwissenschaftlichen Fachbereiche. Gemeinsam mit dem Werkstattleiter baute er den Ätzsensor, der es mit Hilfe eines kleinen Drahtes (der aus demselben Material wie das zu beizende Werkstück bestehen muß) möglich macht, den Beizprozeß zu optimieren.

Ein solches Meßgerät kostet weniger als tausend Mark und kann einen beträchtlichen Nutzen erbringen. Das für Steuerung und Aufzeichnung notwendige Computerprogramm hat Steffen ebenfalls selbst geschrieben. Daß er dazu in der Lage war, verdankt er sicher zu einen großen Teil der (natur-)wissenschaftlich geprägten Familienatmosphäre (sein Vater ist habilitierter Chemiker, seine Mutter Diplomchemikerin) und der Tatsache, daß er schon seit Jahren einen Computer zum Spielen und Arbeiten zu Hause sein eigen nennt.

Schließlich war es soweit: Das Gerät funktionierte einwandfrei. Man kann nun die Aktivität des Ätzbades kontinuierlich überwachen und ggf. automatisch nachregulieren. So wird eine gleichmäßig hohe Qualität erreicht und die Beizanlage mit weniger Ausschuß kostengünstiger und umweltfreundlicher als bisher betrieben. Folgerichtig hat unterdessen bereits ein süddeutscher Betrieb der Keramikindustrie Herrn Rüttinger sein Interesse signalisiert.

Detailinformationen: Steffen Rüttinger, Fraunhoferstraße 16, 06118 Halle (Saale), Telefon: (0345) 5 22 12 45


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