Heideggers Zwiegespräch
mit dem deutschen Idealismus

11. Tagung der Martin-Heidegger-Gesellschaft in Halle

Die 11. Tagung der Martin-Heidegger-Gesellschaft findet vom 2. bis 4. November 2001 in Halle im Rahmen der Feierlichkeiten zum 500. Universitätsjubiläum (erstmals außerhalb von Heideggers Geburtsort Meßkirch) statt. Mit der Wahl des Tagungsortes wird daran erinnert, dass die Universität Halle in der Geschichte des Deutschen Idealismus durch Friedrich August Wolf und Schleiermacher im 18. Jahrhundert, Johann Eduard Erdmann und Rudolf Haym im 19. sowie Hans Vaihinger und Paul Menzer im 20. Jahrhundert eine bedeutende Rolle spielt. Martin Heidegger ist der letzte deutsche Philosoph, der sein Denken und Werk bewusst in diese idealistische Tradition hineingestellt hat. Von besonderer Bedeutung ist seine frühe Auseinandersetzung mit Schleiermacher, die auch die Impulse von Heideggers Luther-Studium wiederaufnimmt und auf die eingehende Erörterung der verschiedenen Denker des Deutschen Idealismus nach Heideggers Hauptwerk „Sein und Zeit" (1927) vorausweist. Am Deutschen Idealismus sei ihm, wie Heidegger 1929 festhielt, „wieder eine Welt" aufgegangen.

Die im Hörsaal XX des Melanchthonianums (Universitätsplatz) tagende Konferenz wird am Freitag, dem 2. November 2001, um 18 Uhr durch den Rektor Wilfried Grecksch eröffnet. Nachdem der Vorsitzende der Heidegger-Gesellschaft Manfred Riedel in seinem Einführungsvortrag auf Heideggers „protestantische Wendung" hingewiesen hat, wird Ingeborg Schüssler (Lausanne) in einem Abendvortrag Heideggers Stellung zu den verschiedenen großen idealistischen Systemen im Zusammenhang erörtern.

Die Vorträge am Samstag (3. November 2001) werden sich einzelnen Phasen und Problemkomplexen in Heideggers Auseinandersetzung mit dem deutschen Idealismus zuwenden: Dabei wird der bekannte Hermeneutiker und Gadamer-Biograph Jean Grondin (Montréal) über Heideggers Stellung zum deutschen Idealismus in der Phase nach „Sein und Zeit" reflektieren und Rudolf Makkreel (Atlanta) wird Heideggers Zwiesprache mit Kant nachzeichnen und darauf hinweisen, wie dieses Gespräch weiter fruchtbar zu machen ist.

Heideggers eingehendes, bislang wenig erforschtes Fichte-Studium ist in der Nachmittagssitzung Gegenstand zweier einander ergänzender Vorträge von Jürgen Stolzenberg (Halle-Wittenberg) und von Claudius Strube (Wuppertal). Die beiden ersten Vorträge in der Vormittagssitzung am Sonntag, 4. November 2001, von Pascal David (Brest) und Eugenio Mazzarella (Neapel) wenden sich Heideggers Hegel- und Schellingdeutungen zu. In seinem Abschlussvortrag wird der Madrider Philosoph Felix Duque Heideggers Konzeption der Seinsgeschichte mit den geschichtsphilosophischen Konzeptionen Kants und Hegels in einen Zusammenhang stellen. Mit dem Schlusswort des Vorsitzenden der Martin-Heidegger-Gesellschaft wird die Tagung am Sonntag um 13.15 Uhr beendet sein.

Der Kongress soll, unter dem Motto: „Jede Philosophie ist nur, was sie ist, wenn sie die Philosophie ihrer Zeit ist", Heideggers Stellung zum Höhepunkt deutscher Geistesgeschichte verdeutlichen. Es ist zu erwarten, dass neue Wege der Heidegger-Forschung begangen werden. Dazu wird eine international renommierte Beiträgerschaft in Halle erwartet, die einen repräsentativen Querschnitt durch die Internationalität und Perspektivenvielfalt der gegenwärtigen Forschung erlaubt. Programm der Tagung unter: http://www.phil.uni-halle.de

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Drs. h.c. mult. Manfred Riedel und Dr. Harald Seubert,
Institut für Philosophie,
Schleiermacherstr. 1, 06114 Halle/Saale
Tel: 0345/55 24397
Fax: 0345/55 27155
E-Mail: schmidtke@phil.uni-halle.de

(Dr. Harald Seubert, 24. Oktober 2001)

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