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KANN MILITÄRISCHE BESETZUNG LEGAL SEIN?
Neue Publikation "Die besetzte res publica..."
  25.04.2006
 

Angesichts der angespannten Sicherheitslage nach der Eroberung des Irak durch alliierte Truppen und der Frage der von Israel besetzten Gebiete steht die Frage nach der Legitimität militärischer Besetzungen beinahe täglich im Mittelpunkt des Medieninteresses. Dabei wird von den beteiligten Akteuren wie in der öffentlichen Diskussion wie selbstverständlich davon ausgegangen, dass es sich bei militärischer Besetzung um eine Herrschaft von begrenzter Dauer und eingeschränkter Souveränität handelt. Im Spätmittelalter und in der frühen Neuzeit dagegen wurde militärische Besetzung grundsätzlich als eine Form legitimer und dauerhafter Herrschaft verstanden.

Markus Meumann, Jörg Rogge (Hg.) Die besetzte res publica.
Zum Verhältnis von ziviler Obrigkeit und militärischer Herrschaft in besetzten Gebieten vom Spätmittelalter bis zum 18. Jahrhundert,
Berlin: Lit Verlag 2006 (Herrschaft und soziale Systeme in der Frühen Neuzeit 3), 416 S.,
ISBN 3-8258-6346-8, € 40,90.

Angesichts der angespannten Sicherheitslage nach der Eroberung des Irak durch alliierte Truppen und der Frage der von Israel besetzten Gebiete steht die Frage nach der Legitimität militärischer Besetzungen beinahe täglich im Mittelpunkt des Medieninteresses. Dabei wird von den beteiligten Akteuren wie in der öffentlichen Diskussion wie selbstverständlich davon ausgegangen, dass es sich bei militärischer Besetzung stets nur um eine Herrschaft von begrenzter Dauer und eingeschränkter Souveränität handeln könne.

Ein Blick in die Geschichte militärischer Besetzungen scheint dies zu bestätigen. Verlässt man allerdings einmal die wechselseitigen Besetzungen der jüngeren Vergangenheit, die den Mechanismen der kollektiven Erinnerung folgend im Vordergrund auch der meisten wissenschaftlichen Publikationen zum Thema stehen, wird schnell deutlich, dass es sich bei der eingeschränkten Souveränität militärischer Besetzung um eine relativ junge Rechtsauffassung handelt, die erst seit dem frühen 20. Jahrhundert völkerrechtlich verbindlich ist. Im Spätmittelalter und in der frühen Neuzeit dagegen wird militärische Besetzung grundsätzlich als eine Form legitimer Herrschaft verstanden. Eine strikte Trennung zwischen langfristigen Strategien wie Eroberung oder Annexion einerseits und temporärer Okkupation andererseits erscheint somit weder möglich noch sinnvoll.

Die Beiträge dieses Bandes legen daher ihren Schwerpunkt auf die Beziehungen zwischen militärischen und zivilen Obrigkeiten während der Phase unmittelbar nach der militärischen Inbesitznahme und unternehmen so erstmals den Versuch einer systematischen Darstellung militärischer Besetzung vom 13. bis zum frühen 19. Jahrhundert. Dabei zeigt sich, dass sich erst seit dem 17. Jahrhundert im Völkerrecht wie in der Praxis allmählich die Idee einer zeitlich begrenzten Okkupationsherrschaft abzuzeichnen beginnt.

Die durch englischsprachige summaries zusammengefassten Beiträge – davon 14 in deutscher und drei in französischer Sprache – widmen sich schwerpunktmäßig verschiedenen militärischen Besetzungen im Heiligen Römischen Reich und in Westeuropa (Frankreich, Niederlande) vom Hundertjährigen Krieg bis zur napoleonischen Herrschaft in Deutschland. Die empirischen Fallstudien gruppieren sich dabei um einen in der juristischen Forschung einmaligen Längsschnitt zum Rechtscharakter der „occupatio bellica“ im Völkerrecht der abendländischen Christenheit bis zur Aufklärung. Der europäische Blickwinkel wird schließlich durch zwei außereuropäische Beispiele erweitert: die mongolischen Herrschaft im mittelalterlichen Buchara und die Garnisonsherrschaft braunschweigischer Truppen in Kanada im 18. Jahrhundert.

Nähere Informationen:
Dr. Markus Meumann
IZEA
Dr. Rogge
Universität Mainz

Telefon: 0345 55-21785
E-Mail an Dr. Meumann
E-Mail an Dr. Rogge
Internetpräsenz dez IZEA

Rezensionsexemplare

(Dr. Markus Meumann)

 
  Dmitrij Wilms, 25.04.2006
 
     
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