Konzil wählt Prorektoren

Halle, 12. Juli 2000. Das Konzil der Martin-Luther-Universität hat in seiner öffentlichen Sitzung heute abend die Prorektoren für die Amtsperiode 2000 - 2003 gewählt. Die Amtszeit beginnt am 1. September 2000.

Der Theologe Prof. Dr. Ernst Waschke wurde mit 41 Ja-Stimmen, 8 Nein-Stimmen und 6 Enthaltungen zum Prorektor für Strukturentwicklung und Finanzen gewählt. In seiner Rede vor dem Konzil nannte Waschke als oberstes Ziel der kommenden Amtszeit, eine "langfristig ausfinanzierte und wissenschaftlich leistungsfähige Universitätsstruktur". Im Rahmen verlässlicher Finanzvorgaben des Landes werde er sich einsetzen für eine Forschung und Lehre, "die in allen Bereichen nationalem und in Schwerpunktbereichen internationalem Standard genügt." Der künftige Prorektor für Strukturentwicklung und Finanzen wies auch darauf hin, dass der vorgegebene Finanzrahmen des Landes zu "tiefgreifenden Veränderungen an der Martin-Luther-Universität führen wird." Wenn der anstehende Umstrukturierungsprozess bei dem sowohl das Land als auch die Universität in der Pflicht stehe "nicht in kurzer Zeit gelingt, ist das Land Sachsen-Anhalt als Wissenschaftsstandort im höchsten Maße gefährdet", so Waschke weiter.

Der Pharmazeut Prof. Dr. Reinhard Neubert wurde mit 33 Ja-Stimmen, 18 Nein-Stimmen und 4 Enthaltungen zum Prorektor für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs gewählt. Neubert will sich in den nächsten drei Jahren darum bemühen, das Drittmittelaufkommen der Universität weiter zu steigern. "Die Beteiligung der Universität an Sonderforschungsbereichen, Graduiertenkollegs und DFG-Projekten ist Spitze", so Neubert, "allerdings laufen in den nächsten Jahre viele Projekte aus. Hier müssen wir schon heute energisch gegensteuern und dafür Sorge tragen, dass wieder leistungsfähige Forschungsstrukturen entstehen können." Die enge Vernetzung zwischen naturwissenschaftlicher und medizinischer Forschung und die verstärkte Unterstützung von Firmengründungen im Umkreis der Universität nannte Neubert als weitere zentrale Punkte seiner künftigen Tätigkeit als Prorektor für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs.

Der Romanist Prof. Dr. Thomas Bremer wurde mit 49 Ja-Stimmen, 2 Nein-Stimmen und 4 Enthaltungen zum Prorektor für Studium und Lehre gewählt. Thomas Bremer hatte dieses Amt bereits in den letzten beiden Jahren inne. Bremer nannte drei Schwerpunkte, denen er künftig besondere Aufmerksamkeit widmen wird. Durch stärkere Vernetzung der Lehrangebote der einzelnen Fächer sollen Synergieeffekte und neue Ausbildungsprofile entstehen. Als Beispiel nannte Bremer den neuen Studiengang "Sprachen und Kulturen des neuzeitlichen Südasiens", der ab Herbst an der Universität Halle angeboten wird. ‘Internationalisierung’ ist für ihn ein weiteres wichtiges Stichwort. "Wir müssen es schaffen, dass mehr ausländische Studierende nach Halle kommen und dass mehr hallesche Studierende ins Ausland gehen. Wir sind da schon auf einem guten Weg," so Bremer. Drittens sei schließlich die Weiterbildung eine wichtige Aufgabe der Universität. "Alle reden von lebenslangem Lernen, es wird Zeit, dass wir als Universität auf dem riesigen Weiterbildungsmarkt präsent sind. Wir werden in nächster Zeit entsprechende Konzepte entwickeln", versprach Bremer.

Der Wirtschaftsinformatiker Prof. Dr. Wolfgang Lassmann wurde mit 40 Ja-Stimmen, 11 Nein-Stimmen und 4 Enthaltungen zum Prorektor für Informationstechnologie und universitäre Kommunikationssysteme gewählt. Lassmann wies auf die Bedeutung von ‘Wissen’ als entscheidenden Faktor für den Wandel von der Industriegesellschaft zur Informationsgesellschaft hin. Vor diesem Hintergrund betonte er die Bedeutung der Computernetze. "Die moderne Universität sollte neben dem realen Wissensangebot für die Studierenden vor Ort, auch ein virtuelles Angebot für das weltweite Studium im Internet präsentieren," erläuterte Lassmann seine Pläne für die nächsten drei Jahre. "Will die Universität in der Zukunft keine arme sondern eine reiche Bildungsstätte sein, muss sie sich schon heute anstrengen, dass ihre besten Absolventen High-Tech-Arbeitsplätze in Universitätsnähe gründen, die sich später in Richtung eines halleschen ‘Silicon Valley’ entwickeln", so Lassmann abschließend.

Mit der Einrichtung eines vierten Prorektorats unter dem ausgewiesenen IT-Fachmann Wolfgang Lassmann will sich die Universität Halle im Bereich der modernen Informationstechnologien stärker positionieren. "Sowohl für die internen und externen Verwaltungsabläufe, als auch für Forschung und Lehre, haben die neuen Medien eine immense Bedeutung. Die Martin-Luther-Universität muss darauf achten, die aktuellen und die künftigen Entwicklungen auf diesem Gebiet aktiv mit zu gestalten. Ich bin deshalb sehr froh, dass es gelungen ist, Herrn Kollegen Lassmann für die Mitarbeit in der Hochschulleitung zu gewinnen", erklärte der designierte Rektor Prof. Dr. Wilfried Grecksch gestern abend sichtlich erleichtert, dass seine Kandidaten für die Prorektorate alle mit guten Wahlergebnissen durchgekommen sind.


Stefan Schwendtner, 12. Juli 2000

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