Geschichte einer Gelehrtenbibliothek


Ausstellung zur Bibliothek von Johann August von Ponickau
in der Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt

Das Jahr 2002 ist als Festjahr dem 500. Gründungsjubiläum der Universität Halle-Wittenberg gewidmet. Gleichzeitig wird, besonders an der halleschen Uni-Bibliothek, des 200. Todestages des sächsischen Privatgelehrten Johann August von Ponickau gedacht.

Am 26. Februar 2002 um 17.00 Uhr wird im Veranstaltungsraum (2. Etage) der Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt in Halle (Saale), August-Bebel-Straße 13, durch Dr. Heiner Schnelling (Direktor der Universitäts- und Landesbibliothek) die Ausstellung

Johann August von Ponickau. Geschichte einer Gelehrtenbibliothek

eröffnet. Eine Einführung in das Thema der Exposition gibt Marie-Christine Henning (Fachreferentin für Musik, Theater, Tanz und Film).

Johann August von Ponickau (1718–1802) stammte aus Dresden, absolvierte die Fürstenschule St. Afra in Meißen und studierte 1737–1743 an der Universität Leipzig. Dort gewann die Begegnung mit dem Förderer von Kunst und Wissenschaft, Graf Ernst Christoph von Manteuffel für sein weiteres Leben entscheidende Bedeutung, denn dieser machte den jungen Adligen mit der Philosophie des Aufklärers Christian Wolff vertraut und wurde zum Vorbild für seinen ferneren Lebensweg. 1747 erbte Ponickau ein ansehnliches Vermögen, das vor allem der Erweiterung seiner Bibliothek zugute kam. 1759/60 floh der "Geheime Kriegsrat" von Ponickau vor den Wirren des Siebenjährigen Krieges nach Freiberg in Sachsen; doch beim Beschuss Dresdens durch die Preußen ging ein Teil seiner kostbaren Bibliothek verloren. Wenig später ließ er sich endgültig in Dresden (im Ermelischen Haus nahe der Kreuzkirche) nieder, wo er nun seine Bibliothek aufstellte und zu katalogisieren begann.
Fortan stand sie allen interessierten Gelehrten für ihre Forschungen offen.

Porträt
des Geheimen Kriegsrates
Johann August von Ponickau
(1718–1802);
Gouache
von Carl Friedrich Holtzmann
(1744–1811)

Am 13. März 1762 erwähnte er in einem Brief an seinen Freund Georg August Langguth (Professor für Medizin und Physik in Wittenberg) erstmals die Absicht, seine Bibliothek der Wittenberger Universität zu stiften. Das geschah juristisch zwar erst mit seinem Testament vom 20. Januar 1793; allerdings war die Bibliothek schon in den Jahren 1789–91 auf dem Wasserweg von Dresden nach Wittenberg transportiert und im Fürstensaal des Augusteums (über der Wittenberger Universitätsbibliothek) aufgestellt worden.

Exlibris von Johann August von Ponickau

Die Leucorea erhielt 11 bis 12 000 Bände "Saxonica", 2 bis 4 000 Bände "Miscellanea" und knapp 30 000 Kleinschriften, dazu ein Legat von 3 000 Talern, aus dessen Zinsen ein Kustos bezahlt und weitere Bücherkäufe getätigt werden sollten.

Als 1813 napoleonische Truppen Wittenberg besetzten, erging der Befehl zur Räumung des Augusteums binnen 24 Stunden. Unter dramatischen Umständen gelangten die Bücher ins Schloss Seußlitz bei Meißen und erst 1816 zurück nach Wittenberg. Ein Jahr später kam es zur Vereinigung der Universitäten Wittenberg und Halle, und es wurde beschlossen, die Universitätsbibliothek Wittenberg – mit Ausnahme der theologischen und philologischen Werke – per Schiff nach Halle zu überführen. Es folgte ein jahrelanges "Tauziehen" zwischen dem Wittenberger Predigerseminar und der halleschen Universität, bis die Ponickau-Bibliothek 1741 endlich provisorisch im Erdgeschoss des ehemaligen königlichen Salzamtgebäudes auf dem Paradeplatz (heute Friedemann-Bach-Platz) gegenüber der Moritzburg Einzug hielt.

Ihren bislang letzten Standort fand sie 1880 nach Errichtung des neuen, damals hochmodernen Bibliotheksgebäudes in der Friedrich-Straße (heute August-Bebel-Straße) in einem gesonderten Magazin. Damit war der lange Weg von einer privaten Büchersammlung zu einer öffentlichen wissenschaftliche Bibliothek beendet.

Im Jahr 2000 wurde der 25-bändige Hartwig'sche Realkatalog der Ponickauischen Bibliothek durch den Hildesheimer Olms Verlag auf Mikrofiche übertragen, um die wissenschaftliche Erschließung der Sammlung modernsten Erfordernissen anzupassen. Weder die Bedeutung der Bibliotheca Ponickaviana für die Forschung noch die starke Benutzung dieser bibliophilen Raritäten bis zur Gegenwart ist verwunderlich, handelt es sich doch um einen einzigartigen Bestand landesgeschichtlicher und landeskundlicher Literatur über den mitteldeutschen Raum.
Verfilmung und Vervielfältigung des Katalogs werden die Nachfrage weiter steigen lassen.

Die Ausstellung ist vom 26. Februar 2002 bis zum 10. Mai 2002 montags bis freitags von 10.00 bis 17.00 Uhr geöffnet.

(Marie-Christine Henning / Dr. Monika Lindner / Dr. Margarete Wein, 19. Februar 2002)

Nähere Informationen:
Marie-Christine Henning
Telefon: 0345 5522158


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