petition Martin-Luther-Universität
Halle-Wittenberg
Akademischer Senat
 

FÜR UNSERE UNIVERSITÄT

Memorandum der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
   an den Landtag von Sachsen-Anhalt

Im Haushaltsplan 1999 sind für die Hochschulen gravierende Mittelkürzungen vorgesehen. Sie würden sich für unsere Universität - die mit Abstand älteste, größte und differenzierteste Hochschule des Landes - besonders fatal auswirken. Inzwischen ist das auch in der Landesregierung erkannt worden. Es sind mit den Hochschulen Gespräche in Gang gekommen, die die schlimmsten Auswirkungen abwenden sollen. Vom neu ernannten Kultusminister erhoffen sich die Universitäten und Fachhochschulen dabei tatkräftige Unterstützung.

Nicht die Regierung, sondern das Parlament ist aber der Gesetzgeber. Gerade im Lande Sachsen-Anhalt trägt es besondere Verantwortung. Deswegen wendet sich der Akademische Senat der Martin-Luther-Universität im Namen der Studierenden, der wissenschaftlichen und technischen Mitarbeiter und der Professoren, mit diesem Memorandum an den Landtag von Sachsen-Anhalt. Er bittet ihn mit allem Ernst, seine Fürsorgepflicht für uns wahrzunehmen und die verfassungsmäßig gebotene finanzielle Grundausstattung der Martin-Luther-Universität bereitzustellen.

Wir sind uns sicher, daß der Erhalt einer klassischen Volluniversität für unser Land notwendig ist. Nur hier kann erstklassige Forschung in ihrer ganzen Breite stattfinden. Nur hier kann der wissenschaftliche Nachwuchs in einer Vielzahl von Fachgebieten herangebildet werden, den das Land benötigt. Und nur hier ist auch der Ort, wo gewährleistet werden kann, daß bei uns im Land ein voll ausdifferenziertes Fächerangebot für unsere Studierenden angeboten wird. Dies sind auch die Gründe, weshalb der Wiederaufbau unserer Universität nicht einfach unterbrochen werden darf. Ausgaben für Wissenschaft und Forschung und für die bestmögliche Ausbildung der jungen Generation sind keine konsumptiven Kosten, sondern notwendige Zukunftsinvestitionen. Unsere Universität darf nicht wieder, wie schon einmal, dazu gezwungen werden, von ihrer Substanz zu leben.

Wir ersuchen deshalb den Landtag von Sachsen-Anhalt,  insbesondere dafür Sorge zu tragen, daß

  1. unserer Medizinischen Fakultät die ihr für den Umstrukturierungsprozeß gesetzlich zugesicherten Mittel erhalten bleiben,
  2. die Nachbesetzung der turnusmäßig freiwerdenden Stellen für den wissenschaftlichen Nachwuchs und für Professoren garantiert und nicht aus finanziellen Gründen blockiert wird,
  3. der schrittweise weitere Aufbau der Universität durch ausgewählte Neuberufungen gewährleistet bleibt und auch die dafür unerläßlichen Erstausstattungsmittel bereitgestellt werden,
  4. die Arbeitsfähigkeit der Universität durch ausreichende Mittel für wissenschaftliche Literatur, Geräte und den laufenden Unterhalt gesichert wird und
  5. die Kofinanzierung von Bundesmitteln für Bauten und Großgeräte bestehen bleibt und die erforderlichen Mittel für kleine Baumaßnahmen und dringend erforderliche Bausanierungen bereitgestellt werden.

Wir wissen, daß selbst dieses Minimalprogramm für das Land eine außerordentliche Kraftanstrengung bedeutet. Aber die im Regierungsentwurf vorgesehene Kürzung des Hochschulhaushaltes (ohne Medizin) um über 18 Millionen DM auf einen Schlag kann eine so komplexe und leistungsfähige Einrichtung wie die Martin-Luther-Universität einfach nicht verkraften, ohne Schaden zu nehmen. Über die dauerhaft angespannte Finanzlage des Landes machen wir uns keine Illusionen. Eine Offenlegung des mittelfristigen Finanzplanes des Landes für den Hochschulbereich ist deshalb unerläßlich. Wir erklären ausdrücklich die Bereitschaft, an einer verläßlichen mittelfristigen Struktur- und Finanzplanung für unsere Universität konstruktiv mitzuarbeiten. Wir appellieren an den Landtag, entsprechende Initiativen aktiv zu unterstützen, da nur so die Zukunft von Forschung und Lehre an der Martin-Luther-Universität und im Lande Sachsen-Anhalt nachhaltig gesichert werden kann.
 
Prof. Dr. Reinhard Kreckel
Vorsitzender des Akademischen Senats


Nicole Teichert, 14. Januar 1999

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