„Nierenwoche" vom 7. bis 14. Oktober 2001

Prävention und Früherkennung

Erkrankungen der Nieren bringen für die Betroffenen oft Einschränkungen im Alltag mit sich. In Deutschland müssen sich mehr als 50 000 Menschen einer intensiven Nierenersatztherapie (Dialyse) unterziehen, weil ihre Nierenfunktion ausgefallen ist. Drei Mal pro Woche verbringen diese Patienten etwa vier Stunden an einem Dialysegerät. Abgesehen von dem zeitlichen Aufwand müssen die Nierenkranken eine strenge Diät und strikte Flüssigkeitsbeschränkungen einhalten. Jedoch kann durch frühzeitige Behandlung der Patienten in vielen Fällen die Dialyse vermieden oder zumindest hinausgezögert werden.

Damit die Aufmerksamkeit der Bevölkerung auf die Problematik nierenkranker Mitbürger, auf das Thema Nierentransplantation und Organspende sowie auf Möglichkeiten der Prävention und Früherkennung gelenkt wird, veranstaltet die Deutsche Nierenstiftung in diesem Jahr vom 7. bis 14. Oktober bundesweit die dritte „Nierenwoche". Es haben mehr als 100 Krankenhäuser, Dialyse- und Internistische Praxen, Selbsthilfevereinigungen aus ganz Deutschland ihre Teilnahme bekannt gegeben. Insbesondere bei der Organspende sind in Deutschland aus den unterschiedlichsten Gründen erhebliche Defizite zu verzeichnen.

In der Stadt Halle werden sich folgende Einrichtungen an der „Nierenwoche" beteiligen: die Universitätsklinik und Poliklinik für Innere Medizin II (Prof. Dr. Bernd Osten, Nephrologie) im Klinikum Kröllwitz, die Urologische Universitätsklinik mit dem Nierentransplantationszentrum Halle und der Außenstelle der Deutschen Stiftung Organtransplantation – DSO – (Prof. Dr. Paolo Fornara) in der Magdeburger Straße 16 sowie das Krankenhaus St. Elisabeth und St. Barbara mit der Kindernephrologie (Chefarzt Dr. Ernst Fukala, Barbarastraße 4) und der Erwachsenennephrologie (OÄ Dr. Uta Berger, Mauerstraße 5). Diese vier Einrichtungen laden in der Woche vom 7. bis 14. Oktober Montag bis Freitag jeweils 13 bis 16 Uhr zu einem „Tag der offenen Tür" ein. Nicht nur umfangreiches Informationsmaterial und Poster werden für alle Interessenten bereit liegen, auch Besichtigungen der hochspezialisierten Behandlungsgeräte in den Dialyse-Abteilungen sind möglich. Zu den Angeboten gehören Beratungen und Auskünfte, darüber hinaus wird die Deutsche Nierenstiftung neue Info-Broschüren u. a. zur Vorbeugung von Nierenerkrankungen und eine Dia-Serie zur Verfügung stellen. (Internet-Adresse: www.mannheim.de/Nierenstiftung)

Außerdem werden in der Nierenwoche 2001 die Möglichkeiten der Anschlussheilbehandlung bei Nierenerkrankungen und der Rehabilitation zur Lebensqualität nach einer Nierentransplantation diskutiert. Derzeit leben in Deutschland etwa 15 000 Menschen mit einem Nierentransplantat und bedürfen der Nachsorge, etwa 400 davon in Sachsen-Anhalt.

„Die Aktivitäten zur Verhinderung schwerer akuter und chronischer Nierenerkrankungen muss unbedingt verbessert werden", erklärt Prof. Dr. Bernd Osten, Direktor der Uni-Klinik und Poliklinik für Innere Medizin II und Dekan der Medizinischen Fakultät in Halle. „Ursachen für Nierenversagen sind heute bei der Mehrzahl der Patienten Diabetes und Bluthochdruck." Ungesunde Lebensgewohnheiten bringen oft das Risiko einer späteren Nierenerkrankung mit sich. Raucher kämen zum Beispiel dreifach eher zu einer Niereninsuffizienz als Nichtraucher, so Osten. Entzündungen (Nierenbecken) als Ursache für Nierenversagen seien im Vergleich dazu deutlich zurückgegangen. Regelmäßige Arztbesuche und rechtzeitige Überweisung bzw. Mitbehandlung durch Nierenspezialisten könnten einem Risiko-Patienten unter Umständen viel Leid ersparen. Besonders wichtig ist die Früherkennung von angeborenen Nierenerkrankungen bei Kindern (jede Mutter sollte ihr Kind bei einer Blasen- oder Nierenentzündung dem Kinderarzt vorstellen), weil dadurch Spätschäden im Erwachsenenalter vermieden werden können. Hausärzte und Schwerpunktärzte sind hier gemeinsam und in besonderem Maße gefordert! Denn eingetretene Nierenschäden lassen sich leider nicht rückgängig machen bzw. „reparieren". Einmal zerstörtes Nierengewebe kann nicht wieder hergestellt werden. Besser ist es in jedem Fall, rechtzeitig über Krankheitsrisiken informiert zu sein.

Auch der aktuelle Stand der Organspende in Deutschland gehört zu den Themen der „Nierenwoche". Gegenwärtig warten 25 bis 30 Prozent der Dialyse-Patienten auf eine Spenderniere. Vor allem ist vielerorts die ungenügende Aufklärung und Unsicherheit der Menschen für die geringe Bereitschaft zur Organspende verantwortlich. Hier gibt es noch eine Menge Informationsbedarf.

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Bernd Osten, Direktor der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin II der Universität Halle,
Dekan der Medizinischen Fakultät,
Tel.: (0345) 557 27 17
E-Mail: direktor.kimII@medizin.uni-halle.de

(Ute Olbertz, 1. Oktober 2001)


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