Hallesche und Leipziger Wissenschaftler
erforschen oxidische Grenzflächen:
Von der Deutschen Forschungsgemeinschaft
wurde Forschergruppe eingerichtet

Am 27. Juni 2000 hat der Hauptausschuss der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) beschlossen, in Halle eine Forschergruppe "Oxidische Grenzflächen" einzurichten. Die Forschergruppe wird sich mit der Physik oxidischer Grenz- und Oberflächen und mit neuartigen Phänomenen in diesen Systemen beschäftigen. So wird die Basis für die Entwicklung neuer Materialien geschaffen, die in zukünftigen Anwendungen eine außerordentlich hohe Bedeutung erlangen können. In 10 Teilprojekten werden die beiden Bereiche "Struktur und Magnetismus" sowie "Transport und Dynamik" bearbeitet. Beteiligt sind der Fachbereich Physik der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, dem auch der Sprecher (Prof. Dr. Henning Neddermeyer – siehe Foto) angehört, das in Halle ansässige Max-Planck-Institut für Mikrostrukturphysik, die Fakultäten für Chemie und Mineralogie sowie für Physik und Geowissenschaften der Universität Leipzig. Außer den direkt beteiligten Institutionen sind Kooperationen mit dem Interdisziplinären Wissenschaftlichen Zentrum für Materialwissenschaften der Martin-Luther-Universität und mit dem halleschen Fraunhofer-Institut für Werkstoffmechanik vorgesehen.

Prof. Dr. Henning Neddermeyer neben seinem am halleschen Fachbereich Physik
eigens für die Erforschung von Oberflächen aufgebauten Analyse-System.
Unter anderem ist hier auch ein Rastertunnelmikroskop integriert

Die Forschergruppe ist ein Instrument der DFG zur mittelfristigen Förderung von Forschungsaktivitäten mit einer regulären Laufzeit von 6 Jahren. In der nun begonnenen Förderperiode wurden von der DFG Mittel für 2 Jahre bewilligt und für ein weiteres Jahr in Aussicht gestellt. Die Bewilligung umfasst Personalmittel für die Bezahlung von 14 wissenschaftlichen Mitarbeitern und Doktoranden, Investitionsmittel von über 1 Mio. DM sowie Mittel für Verbrauch, Reisen und für die Bezahlung des Aufenthalts von Gästen. Darüber hinaus wird die Forschergruppe durch die Universitäten und die Max-Planck-Gesellschaft gefördert.

Unter "Grenzflächen" versteht man die Berührungsbereiche zwischen zwei Oxiden, zwischen einem Oxid und einem Metall oder zwischen einem Oxid und dem Nichts – sprich Vakuum. Experimente mit dem Rasteltunnelmikroskop (siehe Abbildung unten), die in einem der Teilprojekte durchgeführt werden, sollen Aufschlüsse über die atomare und die elektronische Struktur der Grenz- und Oberflächen geben, von denen die potenzielle Nutzung der elektrischen Transporteigenschaften der Oxidschichten abhängig ist.

Anwendungsmöglichkeiten werden vor allem in der Magnetoelektronik und Sensorik sowie in ferroelektrischen Speichern erwartet – die Forschungsresultate können daher langfristig in der Informationstechnologie und in der Umwelttechnik genutzt werden. Der jetzige Umsatz auf diesem Gebiet beträgt weltweit jährlich 100 Mrd. US$ und umfasst derzeit hauptsächlich Halbleiterbausteine.

Das Bild zeigt eine rastertunnelmikroskopische Aufnahme einer dünnen Kobaltoxid-Schicht (in roten Farbtönen), die mit kleinen metallischen Kobalt-Clustern (in weiß-grauen Farbtönen) dekoriert wurde . Die Bildgröße ist 150 nm x 150 nm, die gemessene Höhe der Kobalt-Cluster beträgt 0,8 nm.
Messung: Ina Sebastian, Bilddarstellung: Alexander Kraus.

Zur Eröffnung der Forschergruppe "Oxidische Grenzflächen" findet am Donnerstag, dem 9. November 2000, ein Festkolloqium im Großen Physikhörsaal des Fachbereichs Physik am Friedemann-Bach-Platz 6 in Halle statt.

Programm

14:00-14:10 Begrüßung
14:10-15:00 Prof. Dr. Günter Reiss (Universität Bielefeld)
Spinabhängige Transporteigenschaften und Struktur in GMR- und TMR- Schichtsystemen
15:00-15:50 PD Dr. Ingrid Mertig (Technische Universität Dresden)
Theorie des spinabhängigen Transports
15:50-16:20 Pause
16:20-17:10 Prof. Dr. Hartmut Zabel (Ruhr-Universität Bochum)
Oxidbildung auf epitaktischen Metallfilmen
17:10-18:00 Prof. Dr. Wolfgang Moritz (Ludwig-Maximilians-Universität München)
Struktur von Oxidoberflächen untersucht mit Elektronen- und Röntgenbeugung

(Prof. Dr. Henning Neddermeyer / Dr. Margarete Wein, 2. November 2000)

Nähere Informationen:
Prof. Dr. Henning Neddermeyer, Tel.: 0345 / 552 55 60, Fax: 0345 / 552 71 60
E-Mail: neddermeyer@physik.uni-halle.de


  Zurück zum Index