homesucheuebersicht
   


zur Universität
zur Verwaltung

mitarbeiter
aktuellemeldungen
experten
tagungen
unizeitung
journal
pressespiegel
zeitungen
mitteilungen
veranman
infodienst
idwpresse
externelinks
plakatvorlagen
design
richtlinien
hinweise
 
  Aktuelle Meldungen und Pressemitteilungen
 
 
Vor 70 Jahren:
Universität Halle erhält den Namen Martin Luthers
 
Die Urkunde über die Verleihung des Namens von Martin Luther an die hallesche Universität wurde auf den 10. November 1933 datiert, ihr Text besteht aus einem Satz: "Der Universität Halle-Wittenberg wird hiermit der Name Martin-Luther-Universität verliehen". Unterschrieben hatten Hermann Göring, derzeit preußischer Ministerpräsident, und der damalige Kultusminister Bernhard Rust. Die Festveranstaltung fand jedoch schon am 31. Oktober 1933 statt - dem Reformationstag, in Halle traditionell Zeitpunkt einer akademischen Feier. Beschlossen war die Namensgebung allerdings schon früher.

Die Debatte um den künftigen Namen begann in der Zeit der Weimarer Republik. 1930, als die Hochschule ein neues, demokratischeres Statut erhielt, verlor sie ihre alte Bezeichnung "Vereinigte Friedrichs-Universität". Kultusminister Adolf Grimme wurde daraufhin im Parlament als »kulturlos« bezeichnet, da er gegen "tote Monarchen" kämpfe. Die meisten Professoren scheinen ebenso gedacht zu haben, sie benutzten das alte Briefpapier einfach weiter. In Berlin erwog man 1931 - aus Sparsamkeits- und wohl auch aus politischen Gründen - eine Universität zu schließen und dachte dabei an Halle. Die Ausstattung der Institute und Kliniken war veraltet, die meisten Professoren und Dozenten standen in Opposition zum demokratischen System. In Halle reagierte man mit einer öffentlichkeitswirksamen Kampagne unter dem Schlagwort "Rettet die Luther-Universität".

Den Gedanken, die namenlose Universität nach dem Reformator zu benennen, brachte der Internist Theodor Brugsch erstmals am 4. Juli 1932 in einer Senatssitzung zur Sprache. Nach 1945 behauptete Brugsch, er hätte das getan, um eine nationalsozialistische Namensgebung zu verhindern. Davon konnte jedoch 1932 nicht die Rede sein, ohnehin lehnte der Senat den Vorschlag rundheraus ab. 1933, im Jahr der 450. Wiederkehr des Geburtstages des Reformators, griff die Theologische Fakultät Brugschs Gedanken erneut auf. Im Senat wurde heftig debattiert; schließlich nahm man den Vorschlag mit 11 zu 3 Stimmen an. Gegen den Namen "Martin-Luther-Universität" hatten lediglich drei überzeugte Nationalsozialisten gestimmt: Wenn schon ein Name, dann der alte: "Vereinigte Friedrichs-Universität". Zur "Taufe" der Alma mater am Reformationstag 1933 erschien folgerichtig kein prominenter Führer des neuen Regimes, die Urkunde wurde Rektor Hermann Stieve von einem Ministerialrat ausgehändigt.
In seiner Ansprache würdigte Stieve Luther als Vordenker der Freiheit und als Verfechter des kompromisslosen Kampfes um neue wissenschaftliche Erkenntnisse. Sein vor dem Kaiser gesprochenes Wort, "hier stehe ich, Gott helfe mir, ich kann nicht anders", sei der "größte Augenblick der Weltgeschichte" gewesen. Stieve selbst bewies eine derartige Standfestigkeit keineswegs. Wenige Tage nach dem Festakt trat er vom Amt des Rektors zurück und machte dem fanatischen Nationalsozialisten Hans Hahne Platz. Hahne fand an Luther bei einer Festrede im Januar 1934 nur eines bemerkenswert: Er hätte die Juden als Feind der Deutschen erkannt. So verkürzt und entstellt akzeptierte nun auch die NSDAP Martin Luther als Namenspatron der Universität.

(Dr. Henrik Eberle, 6. November 2003)

Weitere Informationen:
Henrik Eberle, Die Martin-Luther-Universität in der Zeit des Nationalsozialismus 1933-1945, mdv Mitteldeutscher Verlag Halle 2002, 29,90 €.

Kontakt:
Dr. Henrik Eberle
E-Mail: historisches.buero@gmx.de
 
  Ingrid Godenrath, 06.11.2003
 
     
  Copyright       Disclaimer       Impressum       Kontakt
© 2002 Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg