Schulen im Netz in Sachsen-Anhalt

Ergebnisse einer Studie am Institut für Pädagogik
Sachsen-Anhalt auf dem Weg ins Multimedia-Zeitalter

Immer mehr Schülerinnen und Schüler in Sachsen-Anhalt erhalten über eine Computervernetzung in ihrer Schule Zugang zur Informationsvielfalt der modernen 'Wissensgesellschaft'. Allerdings gibt es zwischen den einzelnen Schultypen im Bundesland noch erhebliche Unterschiede. Während schon ca. 40% der Gymnasien und Berufsschulen mit Netzrechnern ausgestattet sind, verfügen lediglich ca. 0,5% der Grundschulen über diese neue Unterrichtstechnologie.
Ein Bild der gegenwärtigen Situation in Sachsen-Anhalt zeichnet eine Schulstudie, die von Erziehungswissenschaftlern des Instituts für Pädagogik der Martin-Luther-Universität, unter der Leitung von Dr. Dorothee Meister und PD Dr. Uwe Sander, im Zeitraum 1998/99 durchgeführt wurde. In diese Untersuchung sind die Ergebnisse von insgesamt 103 Schulen eingebunden; die Resultate zeigen sowohl positive Entwicklungen wie auch Schwachstellen und Probleme. Diese gegenwärtige informationstechnische Bildungsoffensive steckt allerdings noch in den Anfängen. So ist in den Bereichen apparative Ausstattung der Schulen, Entwicklung didaktischer Konzepte und auch in der Aus- und Weiterbildung der Lehrkräfte in den Schulen noch viel Aufbauarbeit notwendig. Der Trend, Multimedia und vernetzte Informationsangebote zum Gegenstand des schulischen Lernens zu machen, hat direkte Auswirkungen auf die Zukunft der heutigen Schüler in Sachsen-Anhalt. In der Folgezeit wird nämlich der kompetente Umgang mit den neuen Informationstechniken eine maß-gebliche Rolle im Konkurrenzkampf um Ausbildungsplätze und spätere Arbeitsplätze spielen und darüberhinaus entscheiden, welche Chancen sich dann den jetzigen Schülern Sachsen-Anhalts auf dem Arbeitsmarkt bieten. So wird derzeit von den Schulen zurecht erwartet, neue Medien und dabei vor allem das Internet in die Lehrpläne und in den Unterricht zu integrieren, um den Herausforderungen der 'Wissensgesellschaft' gerecht zu werden.

Hervorzuheben ist zum Beispiel das Engagement von einzelnen Lehrern und Schülern. Bislang ist es eher den Einzelinitiativen von Lehrern und Schulleitungen zu verdanken, daß Sachsen-Anhalt den Anschluß an die Neuen Informationstechnologien im Bildungsbereich gesichert hat. In den betreffenden Schulen wurden auch gute Erfahrungen mit den Schülerinnen und Schülern gemacht. Für die Kinder und Jugendlichen stellen die neuen Informationstechnologien keine Bedrohung dar, vielmehr motivieren sie, machen Schule interessant und verschaffen den interessierten Schülergruppen sogar Erfolgserlebnisse, wenn sie z.B. 'ihre Schule' mit einer Web-Seite im Netz vorstellen können oder wenn sie merken, daß sie sogar mehr Computerwissen besitzen als ihre Lehrer.
Notwendig ist allerdings, daß der Einsatz des Internets in den Schulen stärker als bislang in die Breite der Schulfächer ausgeweitet werden muß. Bis jetzt beschränkt sich der Interneteinsatz im wesentlichen auf Informatik und die naturwissenschaftlichen Fächer. Lehrerinnen und Lehrer in den sozialkundlichen Fächern und in den Sprachen scheinen noch eine gewissen Scheu vor den Neuen Medien zu besitzen. Hier ist noch ein sehr hoher Motivations- und Weiterbildungsaufwand vonnöten.

Weitere Problemfelder ergeben sich durch fehlende Finanzen und Geräte. Computer, Netzanschlüsse und die Gebühren für den Netzzugang erfordern eine stärkere Bereitstellung geldlicher Mittel, die viele Schulen nicht aufbringen können. Hier bestätigt sich eine Binsenweisheit: Bildung kostet Geld, und Bildungsinvestitionen in die Zukunft der heranwachsenden Generation verursachen eben auch hohe finanzielle Kosten. Hinzu kommen organisatorische und didaktische Konzepte, die den Einsatz der Neuen Medien in den Schulen flankieren müssen. Allein mit den Geräten ist es lange nicht getan. So muß etwa die Betreuung der Netztechnologie durch Lehrkräfte gesichert werden. Auch kann man auf Dauer nicht erwarten, daß einzelne Lehrer in ihrer Freizeit die Funktionstüchtigkeit der Hard- und Software gewährleisten. Außerdem fehlen, um die Neuen Medien in den einzelnen Fächern wirksam anzuwenden, didaktische Unterrichtshilfen zur Anleitung der Lehrkräfte. Selbstredend spielt die Lehrerfortbildung in dieser Beziehung eine wichtige Rolle. Der Unterricht mit Neuen Medien in den Schulen Sachsen-Anhalts kann nur so gut sein, wie die Lehrerinnen und Lehrer an den Schulen dieses Metier beherrschen. In Sachsen-Anhalt wird durch mehrere zuständige Stellen Aufbauarbeit geleistet, wie z.B. vom Landesinstitut für Lehrerfortbildung, Lehrerweiterbildung und Unterrichtsforschung von Sachsen-Anhalt (LISA), dem Verein des Offenen Landesschulnetzes Sachsen-Anhalt e.V. (OLSN) oder auch vom Landesrundfunkausschuß für Sachsen-Anhalt (LRA) mit seinem Medienkompetenzzentrum in Halle, die ausgesuchten Schulen mit Multimediawerkstätten beraten und Hilfe gewähren.
Die Studie zeigt jedoch sehr deutlich, daß diese Angebote der Nachfrage noch nicht gerecht werden. So wünschen sich zur Zeit viele Lehrerinnen und Lehrer mehr sachkundige Hilfen und praktische Anleitung bei der Aneignung des notwendigen Wissens, um die Einsatz-möglichkeiten der Neuen Medien in den Schulen sicher abschätzen und einsetzen zu können.

Die vorliegende Studie ist über die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Institut für Pädagogik, erhältich. Eine weitere Informationsmöglichkeit bietet der Landesschulserver in Sachsen-Anhalt, die Informationsangebote im Internet vom Verein des Offenen Landesschulnetzes Sachsen-Anhalt e.V. (OLSN) oder auch die vielfältigen Angebote der zum großen Teil von Schülerinnen und Schülern gestalteten Schul-Webseiten.

(Dr. Dorothee Meister, Ingrid Godenrath, 10. Mai 1999)

Informationen:

Dr. Dorothee M. Meister
PD Dr. Uwe Sander
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Fachbereich Erziehungswissenschaften
Institut für Pädagogik
Franckesche Stiftungen
Haus 2-7
Franckeplatz 1 06099 Halle
Tel. (0345) 55 238 14 oder 55 238 01
Fax: (0345) 55 272 19

e-mail: meister@paedagogik.uni-halle.de


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