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  Aktuelle Meldungen und Pressemitteilungen
 
 
GARNELEN IM HUFEISENSEE -
Sensationeller Fund im Scheinwerferlicht
 
Garnelen in einem mitteldeutschen Binnensee - eine biologische Sensation! Entdeckt wurde diese vor kurzem, bei Nacht und mit Scheinwerferlicht, von den beiden Sporttauchern Heinz Salzmann und Siegfried Berger im nahe der Saalestadt Halle gelegenen Hufeisensee.
Prof. Dr. Gerald Moritz, Entwicklungsbiologe an der Martin-Luther-Univer­sität Halle-Wittenberg, identifizierte die sogenannten Schwebegarnelen als Hemimysis anomala, eine ursprünglich im östlich-mediterranen Raum heimische, aber auch schon in der Ostsee bis nach Finnland beobachtete Art.



Abb. 1: Kopf und Brustbereich
von Hemimysis anomala
(Rasterelektronenmikroskopische Aufnahme, Vergrößerung 60fach)


Abb. 2: Kopf, Mundwerkzeuge
und Extremitäten des Brustbereiches
von unten gesehen
(Rasterelektronenmikroskopische Aufnahme, Vergrößerung 50fach)
Der Hufeisensee ist eines der größten und mit 28 m auch eines der tiefsten im Raum Halle vorkommenden Oberflächengewässer. Das Bodenprofil des Sees wurde vor mehreren Jahren im Rahmen eines Projektes der Stadtverwaltung Halle mit Echolotmessungen aufgenommen und zeigt im östlichen Schenkel in einer Tiefe von durchschnittlich 15 bis 20 m eine längs verlaufende, stark zerklüftete Rinne (Moritz 1992). Die Sichttiefe ist im Vergleich mit anderen Oberflächengewässern im Raum Halle sehr gut und erreicht jahreszeitlich bedingt teilweise über 6 m.

Bei einem Nachttauchgang im September 2005 machten die beiden erfahrenen und biologisch äußerst versierten Sporttaucher Heinz Salzmann und Siegfried Berger im östlichen Schenkel des Sees in 3 m Tiefe eine sensationelle Entdeckung - vor dem Schlamm eines alten untergegangenen Kahns beobachteten sie im künstlichen Licht ihrer Scheinwerfer ein massenhaftes Vorkommen einer sog. Schwebegarnele, die Prof. Dr. Gerald Moritz im Institut für Zoologie als Hemimysis anomala identifizieren konnte (Abb. 1, 2, 3). Aufgrund der heutigen Verbreitung dieser Glasgarnele wird sie zu den invasiven aquatischen Organismen gerechnet, die aus der ehemaligen östlich-mediterranen Region, insbesondere dem Schwarzmeergebiet und dem Kaspischen Meer nun auch im Bereich der Ostsee bis nach Finnland beobachtet werden kann. Meldungen aus den Niederlanden zeigen, dass diese Art auf dem Sprung ist, Westeuropa zu erobern.


Abb. 3: Seitliche Ansicht
von Hemimysis anomala
(Balsampräparat, wodurch
Pigmente gelöst werden)


Abb. 4: Chromatophore
(Zelle mit rotem Pigment)
an der Basis des Schwanzfächers
(Vergrößerung 400fach)
In Deutschland wurde diese Art erstmals 1997 erwähnt. Funde sind seitdem aus einigen Fließgewässern (Mündungsregion des Rheins, Stichkanal bei Salzgitter) bekannt. Das zahlreiche Vorkommen dieser schwarmbildenden Schwebegarnelen im Hufeisensee ist somit für ein stehendes und weitestgehend isoliertes Oberflächengewässer sowie für den ostdeutschen Raum und die Region Sachsen-Anhalt völlig neu. Auch die allgemein in den Gewässern um Halle (griechisch: halos = Salz) gemessenen hohen Salinitätswerte bilden optimale Lebensbedingungen.

Die jetzt im Hufeisensee entdeckte Art ist durch zwei Augenflecken sowie einer kräftigen roten Markierung an der Basis des Schwanzfächers zu erkennen. Eine weniger starke, aber dennoch zu bemerkende rote Pigmentierung fällt auf der Bauch- und Rückenseite der Segmente des Pleons (Hinterleib) durch bemerkenswerte Chromatophoren (Zellen mit Farbstoffinhalten, Abb. 4) auf. Die Weibchen konnten im September und Oktober immer mit Brutsack und darin enthaltenen, zahlreichen Eiern gefunden werden. Hemimysis anomala ist eine Art, die den dunkleren Bereich des Wasserkörpers bevorzugt besiedelt und hier in Schwärmen vor dem Lichtkegel der Taucherlampe auftaucht. Da die Tiere immer auffällig auf die Lichtquelle sich zu bzw. von ihr weg bewegen, jedoch sich nie seitlich von ihr weg bewegen, nennt man dieses spezifische Verhalten Telotaxis.

Nähere Informationen:
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Fachbereich Biologie
Institut für Zoologie
Lehr- und Forschungsbereich Entwicklungsbiologie
Prof. Dr. Gerald Moritz
Telefon: 0345 55-26430
E-Mail: gerald.moritz@zoologie.uni-halle.de
 
  Dr. Margarete Wein, 30.11.2005
 
     
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