Mit „leichten Autos" in die Zukunft

Kunststoffe ersetzen bald Eisen und Stahl

Das neue Demonstrationszentrum „Kreislauffähigkeit von Polymer- und Verbundwerkstoffen", das durch das Bundesministerium für Bildung, Forschung und Technologie (BMBF) gefördert wird, hat sich anspruchsvolle Ziele gesetzt. Das soeben ins Leben gerufene Zentrum will insbesondere kleine und mittlere Unternehmen (KMU) der Region konzeptionell und technisch unterstützen und beraten. Die in Merseburg angesiedelte und vom Institut für Polymerwerkstoffe e. V. (IPW) getragene Einrichtung befaßt sich mit der verbesserten Herstellung von Werkstoffen und der ökonomisch-technologisch-ökologischen Optimierung von Werkstoffkreisläufen. Beteiligt an dem Demonstrationszentrum sind als Partner außerdem das Institut für Betriebliches Umweltmanagement (Betriebswirtschaftslehre) an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität und das Fraunhofer-Institut für Werkstoffmechanik mit einem Institutsteil in Halle (Saale).
„Vor dem Hintergrund, zukünftig mit Ressourcen der Natur schonender umzugehen," erklärt Prof. Dr. Goerg Michler, Sprecher des Demonstrationszentrums, „gilt es, Möglichkeiten einer verlängerten Nutzung bzw. weiteren Verwertbarkeit der Produkte in der Industrie und vor allem in den KMU bekannt zu machen". Es gehe dabei nicht primär um ein Recycling ausgedienter Werkstoffe, sondern um den Einsatz von Materialien, die insgesamt ökologischer und ökonomischer hergestellt sowie nach Gebrauch effektiver entsorgt bzw. recycliert werden können, betont Michler. „Kunststoffe haben durch wichtige Neuentwicklungen entscheidende Wachstumsimpulse erhalten und stehen als intelligente Werkstoffe erst am Anfang ihrer Entwicklung".
Zum Beispiel auf dem Automobilsektor sei eine wachsende Nachfrage in der Kunststoffbranche zu erwarten. Das immer stärker geforderte Auto mit deutlich reduziertem Benzinverbrauch (wobei nicht immer nur das 3-Liter-Auto gemeint ist) erfordert neue Konzeptionen (wie den konsequenten Leichtbau bis Ultraleichtbau, den Hybridantrieb u. a.) Die heutigen Autos krönen das Stahlzeitalter. Im Automobil der Zukunft würden, so Michler, Eisen und Stahl zunehmend durch Polymere und Verbundwerkstoffe ersetzt.
Aber auch im Wohnungs- und Industriebau könne der Aufwand für Heizung, Wohnraumbelüftung oder Klimatisierung drastisch reduziert werden. Dies erfordere neben effizienteren Belüftungssystemen neue Isolationsmaterialien aus Kunststoffen. Nicht zuletzt ließe sich im Haushalt durch bessere Isolationen Energie sparen oder in der Verpackungsindustrie durch festere, leichtere Werkstoffe, Mehrwegflaschen und wiederverwendbare Transportbehälter. Dabei gelte der Grundsatz: Abfälle sind weitgehend zu vermeiden. „Abfälle sind das letzte!"
Wie bereits in der Presseinformation Nr. 581 mitgeteilt, wird das Demonstrationszentrum am 19. Januar 2000 auf dem Campus Merseburg unter Beteiligung von Ministerin Ingrid Häußler, Staatssekretär Dr. Wolfgang Eichler und Prorektor Prof. Dr. Frank Janowski eröffnet. Unter anderem werden auch die Rektorin der Fachhochschule Merseburg und der Oberbürgermeister von Merseburg an der Veranstaltung teilnehmen. Zu der feierlichen Einweihung um 13 Uhr, im Hörsaal 9 (Gebäude 131) auf dem Campus Merseburg, Geusaer Straße, sind interessierte Medienvertreter herzlich eingeladen.

Ansprechpartner:
Dr.-Ing. Beate Langer
Tel.: (03461) 46 2795
Mail: beate.langer@iw.uni-halle.de

Prof. Dr. Goerg Michler
Tel.: (03461) 46 2745 / 40
Mail: goerg.michler@iw.uni-halle.de

(Ute Olbertz, 18. Januar 2000)


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