Bio-Zentrum auf Erfolgskurs

Forschung braucht Kooperation

Die Martin-Luther-Universität und die Stadtverwaltung Halle haben sich 1994 entschlossen, gemeinsam die Bio-Zentrum Halle GmbH mit dem Ziel zu gründen, biotechnologisch orientierte Klein- und mittelständische Unternehmen anzusiedeln und zu fördern. „Wissenschaftliche Voraussetzung dafür war, dass sich bereits in den vergangenen Jahren in Halle an der Universität und in deren Umfeld ein weit über den territorialen Bereich hinaus anerkannter Schwerpunkt biowissenschaftlicher Forschung entwickelt hat", erklärt Professor Dr. Wolfgang Lukas, Geschäftsführer des Technologie- und Gründerzentrums (TGZ) und der Bio-Zentrum Halle GmbH. Forschung und Lehre konzentrieren sich dabei auf die molekulare Biologie mit den Bereichen Zellbiologie, Proteinchemie, Genetik, Naturstoffchemie und Membranforschung, so Lukas. Hauptanliegen soll es sein, diese Traditionen weiterzuführen und den Rahmen für einen Schwerpunkt biologischer Forschung zu bilden. Gerade im Bereich der Biotechnologie liegen Grundlagenforschung und Anwendung dicht beieinander, sind eng verflochten und potenzieren damit ihre Möglichkeiten. Ohne interdisziplinäre Zusammenarbeit sind keine Fortschritte in diesen Wissenschaftsbereichen mehr möglich. In Deutschland hat man auch erkannt, dass diesen neuen Technologien zukünftig eine enorme wirtschaftliche Bedeutung zukommen wird.

Im August 1998 konnte der „Forschungsverfügungsbau" der Bio-Zentrum Halle GmbH seiner Bestimmung übergeben werden. Inzwischen hat eine Reihe von Firmen, die auf biochemisch-biotechnologischem Gebiet tätig sind, im Hause ihr Domizil genommen. Sie haben Fuß gefasst und können auf erste Erfolge verweisen, darunter die Pharmaentwicklungsfirma probiodrug, die Firma Sensobi Sensoren GmbH, die novosom GmbH, die Bioregion Halle-Leipzig Management GmbH und seit kurzem die Icon Genetics GmbH. Doch vor allem seien hier als Einrichtungen der Universität das Biozentrum und die BioService Halle GmbH, An-Institut der Universität, genannt. Das Biozentrum der Universität stellt einen wesentlichen Faktor in diesem Entwicklungsprozess dar. Die Universität mietet zusammen mit der Max-Planck-Gesellschaft rund 50 Prozent der Nutzfläche des neuen Forschungsverfügungsgebäudes am Weinbergweg. Beträchtliche Teile der Verfügungsfläche sind Labors, die für gentechnische Arbeiten ausgelegt sind. Daneben befinden sich Laboratorien für die Isotopentechnik, Gewächshäuser und ein Tierstall.

Zusammenarbeit fördern – Ressourcen bündeln

„Wichtigste Aufgabe des Universitäts-Biozentrums ist es, die Basis für die Zusammenarbeit verschiedener wissenschaftlicher Disziplinen zu schaffen", hebt Professor Dr. Martin Luckner, Direktor des Biozentrums, hervor. „Moderne Forschung braucht die Kooperation unterschiedlich ausgebildeter und denkender Spezialisten." Im Biozentrum könne ein Chemiker im Nachbarlabor mit einem Biologen sprechen. Wurde ein potentielles Arzneimittel entwickelt, so bestehe die Möglichkeit, die gesamten vorklinischen Untersuchungen durchzuführen, die u. a. chemisch-analytische, biochemische und biologische Arbeiten einschließen, so Luckner. Im Biozentrum werden moderne Geräte und teure Ausrüstungen zentralisiert und interessierten Wissenschaftlern zur Verfügung gestellt. Dafür wurden Servicebereiche geschaffen, die sowohl den Mitarbeitern der Universität und der außeruniversitären wissenschaftlichen Einrichtungen als auch Betrieben und Firmen zur Verfügung stehen.

Gegenwärtig beteiligen sich am Biozentrum sieben Fachbereiche und Fakultäten der Universität: Biochemie/Biotechnologie, Biologie, Chemie, Ingenieurwissenschaften, Landwirtschaft, Medizin und Pharmazie. Das Zentrum fördert Forschungsprojekte mit interdisziplinärem Charakter und stellt Spezialgeräte sowie -labors für Interessenten zur Verfügung. Derzeit sind ein Sonderforschungsbereich „Molekulare Zellbiologie pflanzlicher Systeme", ein Innovationskolleg sowie zwei Graduiertenkollegs am Biozentrum angesiedelt. In diesen Forschungsverbünden arbeiten Professoren der Universität mit Wissenschaftlern der außeruniversitären Einrichtungen zusammen. Es ist das Ziel, enge persönliche Kontakte zwischen Studierenden und Wissenschaftlern zu ermöglichen und damit eine kreative Atmosphäre zu schaffen, die für die Entwicklung wissenschaftlicher Ergebnisse von besonderer Bedeutung ist. „Ein wichtiges Kennzeichen des Biozentrums ist die enge Verflechtung von Forschung und Lehre", betont Luckner. Das Biozentrum bietet keine eigenen Studiengänge an, führt aber entsprechend seines interdisziplinären Charakters Aufbaulehrgänge und Vorlesungen für Hörer aller Fakultäten durch. Darüber hinaus werden Veranstaltungen mit wissenschaftspolitischem Charakter organisiert, um auf aktuelle Probleme der Biotechnologie – zum Beispiel Gentechnik oder Tierversuche usw. – zu reagieren. Dazu werden auch die Gymnasien der Stadt Halle eingeladen.

Neue Abteilung Bildgebende Verfahren

Die jüngste Einrichtung am Biozentrum der Universität ist die Abteilung „Bildgebende Verfahren". Anliegen dieser Abteilung unter Leitung von Dr. Gerd Hause ist es, Universitätsangehörige bei der Lösung biologisch-medizinischer Fragestellungen methodisch und gerätetechnisch zu unterstützen. Dabei geht es um spezielle Projekte, die den Einsatz mikroskopischer Techniken erfordern. Die Nutzer kommen vor allem aus den Bereichen Biologie, Biochemie/Biotechnologie, Pharmazie, Medizin und Landwirtschaft. Der hier gebotene Service umfasst die Unterstützung bei der Versuchsplanung, die Durchführung verschiedenster mikroskopischer Untersuchungen sowie Hilfe bei der Bildinterpretation und Dokumentation. Die Abteilung ging aus der Arbeitsgruppe „Elektronenmikroskopie" des Instituts für Genetik hervor. Damit konnte zur Etablierung der Abteilung ein Transmissionselektronenmikroskop und entsprechendes Zubehör in die sehr gute räumliche Ausstattung des Biozentrums integriert werden. Mittels dieser Geräte können die Wissenschaftler z. B. Mikropartikel für die Biotechnologie, Strukturbesonderheiten von Bakterienoberflächen, Charakteristika von Tumorzellen und die Inhaltsstoffe von Pflanzenzellen untersuchen.

Da die Einrichtung „Bildgebende Verfahren" für die biologisch-medizinische Forschung einen möglichst umfassenden Service auf dem Gebiet der Licht- und Elektronenmikroskopie anbieten möchte, wurde ein gezieltes Konzept für die Anschaffung neuer Geräte erarbeitet, das im vergangenen Jahr bereits in einigen Punkten umgesetzt werden konnte. Hier wäre die Anschaffung bzw. Aufrüstung moderner Forschungsmikroskope z. B. für fluoreszenzmikroskopische Analysen zu nennen. An diese Geräte schließt sich eine moderne digitale Bildbearbeitung an. Außerdem wurden sowohl mit Mitteln der Universität als auch mit Mitteln aus dem Bundeshochschulförderungsprogramm Geräte gekauft, die hier in Kürze ein für die Region einmaliges Zentrum für die Kryo-Präparation entstehen lassen. Die Hochdruckgefrierfixierungsapparatur, ergänzt durch ein Kryo-Ultramikrotom, eine Gefrierbruch/Gefrierätzanlage und ein Kryosubstitutionsgerät erlauben die optimale Vorbereitung biologischer Proben für elektronenmikroskopische Analysen. Dadurch können Details der zellulären Feinstruktur ohne verfälschende Einflüsse der herkömmlichen chemischen Präparation untersucht und wesentlich eindeutiger interpretiert werden. Die Ausrüstung und das Know-how dieser Abteilung eröffnen somit für eine Reihe von Forschungsprojekten der Universität neue methodische Zugänge.

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Martin Luckner, Geschäftsführender Direktor des Universitäts-Biozentrums,
Tel.: 0345 / 55 21650, e-mail: luckner@pharmazie.uni-halle.de

Dr. Reinhard Paschke, Geschäftsstellenleiter,
Tel.: 02345 / 55 21600, e-mail: paschke@biozentrum.uni-halle.de

(Ute Olbertz, 7. März 2000)


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