Molecular life science

Initiative Molekulare Biowissenschaften an der halleschen Universität

Interdisziplinarität liegt im Trend der Zeit. Sie kann im Bereich der Naturwissenschaften besonders sinnvoll nämlich zeit- und geldsparend sein, etwa wenn WissenschaftlerInnen verschiedener Fachrichtungen Laborausrüstungen, Geräte und Bibliotheksbestände gemeinsam planen und nutzen. Das ist vor allem deshalb wichtig, weil gerade die experimentellen Fächer, jedes für sich genommen, schwer finanzierbar sind. Selbst Einrichtungen wie die Deutsche Forschungsgemeinschaft können für teure Geräte nur Finanzzuschüsse gewähren und bei deren Wartung und Reparaturen überhaupt nicht helfen.

Diesen Gegebenheiten will eine Initiative hallescher Genetikerinnen, Biochemiker, Pharmazeuten und Zellphysiologen Rechnung tragen, indem sie fokussiert auf den Schwerpunkt "Molekulare Biowissenschaften" ihre Interessen in der Forschung und langfristig auch in der Lehre zu bündeln beginnt. Das Ziel der Gruppe (der bislang Ulla Bonas, Karin Breunig, Mathias Gaestel, Ralf Bernd Klösgen, Rainer Rudolph und Elmar Wahle angehören und die noch weiter wachsen soll) liegt in der Erhaltung der Vorzüge des Wissenschaftsstandortes Halle trotz drastischer Sparmaßnahmen. Zu den Vorzügen von Halle gehören die außeruniversitären Forschungseinrichtungen im Bereich der Biowissenschaften das Institut für Pflanzenbiochemie Halle, das Institut für Kulturpflanzenforschung in Gatersleben und die Max-Planck-Forschungsstelle für Enzymologie der Proteinfaltung , zu denen die Universität enge Kontakte unterhält. Die Nachbarschaft verschiedener Institute erleichtert Forschungskooperationen, die für eine Förderung in Form von Forschergruppen oder Sonderforschungsbereichen unerlässlich sind.

Das erste konkrete Projekt der Initiatoren ist eine spezielle Vortragsreihe, die im Sommersemester 2000 beginnt, allen InteressentInnen offen steht und ein Diskussionsforum zur Grundlagenforschung im Bereich molekularer Biowissenschaften auf höchster Ebene darstellen will. Hochkarätige Wissenschaftler geben Einblicke in ihre aktuellsten Forschungsergebnisse. Für die Anfangsphase der Realisierung des Vorhabens hat die Firma Scil Proteins eine Spende von 10.000 DM zur Verfügung gestellt.

Am Beginn der Reihe steht der Direktor des Max-Planck-Instituts (MPI) für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig, Prof. Dr. Svante Pääbo. Er spricht am Donnerstag, dem 4. Mai 2000, 17.00 Uhr im Hörsaal des Fachbereichs Pharmazie (Halle, Hoher Weg 8) zum Thema: "A genomic approach to understanding the difference between humans and apes". Professor Pääbo ist es erstmals gelungen, mittels hochauflösender Untersuchungsmethoden DNA-Strukturen Jahrtausende alter fossiler, menschlicher Gewebeproben zu analysieren. Seine Arbeiten gelten als bahnbrechend auf dem Gebiet der Evolutionsforschung.

Die folgenden Vorträge werden am Dienstag, dem 27. Juni und am Mittwoch, dem 5. Juli 2000, jeweils 17.00 Uhr (die Örtlichkeiten werden rechtzeitig bekanntgegeben) von Prof. Dr. Alfred Wittinghofer, MPI für Molekulare Physiologie Dortmund, und vom Nobelpreisträger Prof. Dr. Hartmut Michel, MPI für Biophysik Frankfurt, gehalten. Prof. Wittinghofer ist in erster Linie durch seine Untersuchungen zur Struktur und Funktion des Ras-Proteins, das bei der Entstehung von Krebs eine Rolle spielt, bekannt geworden. Sein Thema heißt "The ras oncogene product as an anti-cancer target". Prof. Michel erhielt den Nobelpreis für die Aufklärung der Struktur des photosynthetischen Reaktionszentrums. Er wird sich in seinem Vortrag mit "Kristallstrukturen und Mechanismen von Komplexen der Atmungskette" beschäftigen.

(Dr. Margarete Wein, 11. April 2000)

Nähere Informationen:
Prof. Dr. Ulla Bonas
Tel.: 0345 / 552 62 90, Fax: 0345 / 552 72 59
bonas@genetik.uni-halle.de
Prof. Dr. Elmar Wahle
Tel.: 0345 / 552 49 20, Fax: 0345 / 552 70 14
ewahle@biochemtech.uni-halle.de


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