Lebensmittelchemie jetzt auch
an der Uni Halle

Neuer Studiengang Lebensmittelchemie
ab Wintersemster 2000/2001

Mit Beginn des Wintersemesters 2000/2001 wird an der Martin-Luther-Universität im Fachbereich Chemie der neue Studiengang Lebensmittelchemie angeboten. Die Studienplatzvergabe erfolgt, wie bei allen zulassungsbeschränkten Fächern, über die Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS) in Dortmund. Bewerbungsschluss ist der 15.07.2000. Die Mindeststudiendauer beträgt neun Semester und schließt mit der Ersten Staatsprüfung und dem Diplom in Lebensmittelchemie ab. Es folgt eine einjährige Praktikantentätigkeit an einer für diese Ausbildung zugelassenen chemischen Unter-suchungsanstalt, die mit der Zweiten Staatsprüfung abschließt. Eine Promotion ist für den weiteren beruflichen Werdegang nicht unbedingt erforderlich.

Gute Berufschancen
Das Berufsbild des Lebensmittelchemikers ist zur Zeit in einer Phase des Umbruchs. Früher arbeiteten fast alle Lebensmittelchemiker in der staatlichen Lebensmittelüberwachung. Heute findet man diese hochqualifizierten Fachleute häufig auch in privatwirtschaftlichen Laboren, die Hersteller, Importeure und Handel durch Untersuchungen und rechtliche Beurteilung ihrer Güter beraten. Darüber hinaus haben Lebensmittelchemiker in der Ernährungswirtschaft, der Kosmetik- und Bedarfsgegenstände-Industrie umfangreiche Aufgaben in den Forschungs- und Entwicklungslaboratorien. Dort sind sie meist verantwortlich für alle Kontrollaufgaben und die Produktqualität. In der Lebensmittelforschung arbeiten Lebensmittelchemiker an Universitätsinstituten sowie an Forschungsanstalten des Bundes und der Lebensmittelwirtschaft. Weitere Tätigkeitsbereiche finden sich in Laboratorien und Untersuchungsstellen im Bereich des Trinkwassers, der Umwelt, der Landwirtschaft, der chemischen und pharmazeutischen Industrie, der chemischen Toxikologie, gerichtlichen Analytik und klinischen Chemie. Also überall dort, wo spezielle Kenntnisse in der Analytik komplexer Substrate und der Beurteilung der Ergebnisse gefragt sind.

Zentrale Rolle beim Verbraucherschutz
Produktion, Transport und Lagerhaltung von Lebensmitteln haben sich in den letzten Jahrzehnten zumindest in den Industrieländern stark verbessert. Vor verdorbenen Nahrungs-mitteln muss sich eigentlich niemand mehr fürchten - sollte man meinen. Dennoch mussten sich jüngst in Halle über einhundert Menschen mit akuter Lebensmittelvergiftung in ärztliche Behandlung begeben. Gegessen hatten alle das gleiche: Schinkennudeln aus einer Großküche. Bei der aufwändigen Suche nach der Ursache für diesen aufsehenerregenden Fall von Massenvergiftung waren auch Lebensmittelchemiker beteiligt. Ganz so spektakulär ist der Beruf des Lebensmittelchemikers wohl nicht immer. Aber das Ereignis zeigt, dass die dauernde Überwachung unserer Nahrungsmittel eine immense Bedeutung für den Verbraucherschutz hat. Zumal deshalb, weil der bloße Augenschein und die Geruchsprüfung häufig nicht ausreichen. Die verdorbenen Schinkennudeln haben ja offensichtlich alle mit Appetit verzehrt. Was wirklich drin ist, weiß nur der Lebensmittelchemiker. Als wissenschaftlich ausgebildeter Experte ist er in der Lage, eine zuverlässige Analyse zu liefern und damit dem Verbraucher Gewissheit über die Zusammensetzung der kompliziert aufgebauten Lebensmittel zu verschaffen.

Giftstoffe in der Nahrung
Ein bisschen Schimmel auf dem Brot oder im Marmeladenglas hat noch niemandem geschadet. Früher nahm man es nicht so genau mit der Qualität der Nahrungsmittel. Schierer Mangel mag manchmal der Grund gewesen sein, häufig aber auch einfach Unkenntnis. Heute weiß man, dass einige Schimmelpilze höchst giftige Substanzen, die sogenannten Aflatoxine, enthalten können. Sie schädigen vor allem Leber und Nieren und gelten als krebserregend. Auch die harmlos wirkenden Druckstellen beim Obst sind nicht ohne. Faules, braunes Fruchtfleisch enthält manchmal das Pilzgift Patulin. Genau wie beim verschimmelten Brot gilt auch hier: Herausschneiden der befallenen Stellen hilft nichts. Die Giftstoffe sind häufig bereits tief und unsichtbar eingedrungen. Die Weiterverarbeitung von angefaultem Obst zu Kompott empfiehlt sich übrigens ebenfalls nicht. Die winzigen Giftpilze sind nämlich äußerst hitzeresistent.

(Stefan Schwendtner, 27. Juni 2000)

Informationen:
Stefan Schwendtner, Pressesprecher/Referent des Rektors
Tel.: (0345) 55 210 08
Fax: (0345) 55 272 54
e-mail: schwendtner@rektorat.uni-halle.de


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