Deutscher Studienpreis

Wie viel Körper braucht der Mensch?

Zwei Studierende der Martin-Luther-Universität unter den Preisträgern

Im Konzerthaus Berlin findet am 25. Februar 2002 (ab 10:30 Uhr) die Verleihung des Deutschen Studienpreises 2000/2001 der Körber-Stiftung statt. Unter den Preisträgern sind die Studierenden der Martin-Luther-Universität, Janet Künzel und Ingo Köcher, die im Rahmen der Veranstaltung von Jutta Limbach (Präsidentin des Bundesverfassungs-
gerichtes und Kuratoriumsvorsitzende) mit je einem Förderpreis ausgezeichnet werden.

"Bodycheck - Wie viel Körper braucht der Mensch?" lautete die Ausgangsfrage des Wett-
bewerbs. Über 100 Juroren haben die eingesandten Arbeiten in einem mehrstufigen Jurierungs-
verfahren begutachtet. In der Abschluss-Sitzung der Hauptjury vom 9.-12. Oktober 2001 wurden 65 Preise im Gesamtwert von 250.000 EUR vergeben.
Die Förderpreise sind mit je1000 EUR dotiert, die sich bei Gemeinschaftsarbeiten unter den Akteuren aufteilen.

Janet Künzel wird mit vier Teilnehmern anderer Hochschulen für ihre Gemeinschaftsarbeit "Homo sapiens Emendatus" geehrt. Sie studiert im 7. Semester Theologie, ist 23 Jahre alt und kommt aus Göttingen.
In der preisgekrönten Arbeit geht es um den "korrekten" Menschen der Zukunft. Darin wollen Frau Künzel und drei ihrer Team-Kollegen (ein Jurist, ein Mediziner und ein Betriebswirtschaftler) verdeutlichen, dass der Mensch der Zukunft ein nur noch manipuliertes Wesen sein wird. Dabei stellt sich die Frage nach dem Menschen an sich aus dem Blickwinkel unterschiedlicher Sichtweisen: aus theologisch-philosophischer Sicht bis hin zur Präimplantationsdiagnositik, wo das gewünschte Lebewesen vom ungewünschten geschieden werden kann. Unter anderem beleuchten die Verfasser das Arbeitsrecht und die Betriebswirtschaft der Zukunft: Unter welchen Bedingungen werden die Menschen dann eingestellt? Was hat das für Folgen? Schließlich endet die Arbeit in einer Diskussion und in einer Sammlung von Vorschlägen, die auf ein "menschliches" Leben hinzielen. Die graphische Gestaltung des Werkes lag in der Verantwortung des fünften Teammitglieds (von der Fachhochschule Köln).

Ingo Köcher erhält den Förderpreis zusammen mit einer Kommilitonin von der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig, für den Beitrag "Das andere Ich". Der 32-jährige Leipziger ist Student der Musikwissenschaft und Medien- und Kommunikationswissenschaften im 10. Se-
mester.
In einem Trickfilm von ungefähr 14 Minuten hat Ingo Köcher und seine Mitstreiterin die in den Medien aller Schattierungen proklamierte und als Lebenszweck gepriesene Jugendlichkeit und Schönheit gewollt überspitzt verarbeitet. Als "Schauspieler" agieren Knetfiguren in lose aufeinanderfolgenden Szenen: Da treffen unter anderem zwei Frauen aufeinander, die eine unzufrieden über ihr Äußeres, die andere gern bereit, von ihrer üppigen Figur etwas abzugeben. Die "Operation" erfolgt stehenden Fußes vor einer Boutique, in der sich die Kleider befinden, die nun endlich passen. Dagegen wird die attraktive Boutique-Verkäuferin von ganz anderen Sorgen geplagt. Sie möchte von ihrem Mann mehr beachtet werden und flirtet deshalb, während sie ihren Partner umarmt, mit einem Fremden. Es kommt zu einem Handgemenge und am Ende bleibt sie allein zürück, ihr Gatte liegt niedergestreckt am Boden und der vermeintliche Liebhaber wendet sich ab.

Die Körber-Stiftung und der Deutsche Studienpreis
Alle zwei Jahre schreibt die private und gemeinnützige Körber-Stiftung, mit Sitz in Hamburg, den Deutschen Studienpreis aus. Er versteht sich als Forschungswettbewerb für Studierende aller Fachrichtungen und Hochschulen im In- und Ausland und stellt dabei Themen von aktueller gesellschaftlicher Bedeutung in den Mittelpunkt. Die Stiftung engagiert sich seit 40 Jahren für die internationale Verständigung und fördert die historisch-politische Kultur. In ihren Projekten will sie sich mit aufkommenden Problemen auseinander setzen und Menschen fördern, die bei der Gestaltung der Gesellschaft aktiv mitwirken.

Die Körber-Stiftung im Internet: http://www.studienpreis.de

(Ingrid Godenrath, 14. Februar 2002)


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