Akademische Würde für den Katholikos

Kirchliches Oberhaupt aller Armenier in Halle geehrt

Der Oberste Patriarch und Katholikos aller Armenier, Karekin I., wurde am 28. Januar 1998 im Beisein vieler prominenter Gäste – darunter der armenische Botschafter in Deutschland, Würdenträger der armenischen apostolischen (orthodoxen) Kirche in Köln und Lyon, der Oberbürgermeister der Stadt Halle, Vertreter der Landesregierung von Sachsen-Anhalt – durch den Dekan der Theologischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Witten berg zum „doctor sacrosanctae theologiae honoris causa" ernannt.

Der neue Ehrendoktor, von den acht Millionen in aller Welt verstreut lebenden Armeniern als oberste Autorität des Volkes anerkannt, ist in Halle und auch anderswo längst kein Unbe kannter mehr. Beispielsweise erreichten ihn an diesem Tag in Halle auch Glückwünsche aus Bern, Jerusalem und Tübíngen. Mit Halle verbindet ihn vor allem sein Interesse am hiesigen Johannes-Lepsius-Archiv. Außerdem war sein Lehrer am theologischen Seminar in Beirut (Bischof Karekin Howsepian) ein Absolvent der Alma mater halensis.

In der Laudation wurde das engagierte Wirken des Katholikos als „Brückenbauer in der Diaspora" (Hermann Goltz), der den Riß zwischen den östlichen Kirchen heilen will, hoch gelobt. So war es – neben der aktiven Förderung deutsch-armenischer Wissenschaftsbezie hungen – vor allem die ökumenische Lebenstätigkeit von Karekin I., die seinen Weg von Syrien und dem Libanon über Oxford, Rom und Genf nach Etchmiadzin (bei Jerewan) in Armenien prägte und ihn für die seltene Ehrung der halleschen Theologischen Fakultät prä destinierte.

Ein Vertreter des Kultusministeriums von Sachsen-Anhalt kündigte in seinem Grußwort für den hohen Gast an, daß auch sich die Landesregierung verstärkt um den Ausbau der Verbin dungen zwischen Deutschland und Armenien kümmern werde: Deutsche Literatur soll ins Armenische übersetzt und publiziert werden. An der Stiftung Leucorea e. V. in Wittenberg wird ein Zentrum für Armenische Studien entstehen. Auf dem Gebiet des Denkmalschutzes ist der Austausch von Spezialisten geplant. Schließlich wird sich Sachsen-Anhalt im Herbst 1998 aktiv an den Armenischen Kulturtagen in Deutschland beteiligen.

Am Ende der Festveranstaltung sprach Karekin I. vor über dreihundert Zuhörern zum Thema „Ecumenical Trends in the Armenian Church" (Ökumenischen Richtungen in der armenischen Kirche).

Beim Abschluß seiner Deutschlandreise nach „Highlights" befragt, nannte der Katholikos als besonders eindrucksvoll die Stationen Halle und Potsdam.
(Dr. Margarete Wein, 29. Januar 1998)

Ansprechpartner:   Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Theologische Fakultät
Institut für Historische Theologie
Prof. Dr. Hermann Goltz
06099 Halle (Saale)
Telefon: (0345) 5 52-30 30
Telefax: (0345) 5 52-70 97
e-mail: goltz@theologie.uni-halle.de


Dr. Margarete Wein

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