Übergabe des Juridicums

Modernes Gebäude am historischen Uni-Platz

Nach knapp zweijähriger Bauzeit wird am 19. Oktober 1998, 11 Uhr, das Juridicum an die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg übergeben. An der feierlichen Eröffnungsveranstaltung nehmen Dr. Reinhard Höppner, Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt und die Ministerin für Justiz des Landes, Karin Schubert sowie Persönlichkeiten aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft teil. Eingeladen ist auch der Präsident des Gerichtshofes der Europäischen Gemeinschaft, Prof. Dr. Gil Carlos Rodriguez Iglesias, der den Festvortrag zum Thema „Richterliche Gewalt in der Europäischen Union" halten wird.

Als am 19. März 1997 der Grundstein für das neue Juridicum gelegt wurde, blickte Rektor Reinhard Kreckel in die Zukunft: „Im Herzen der Stadt entsteht mit diesem Neubau vielleicht einer der schönsten Universitätsplätze Deutschlands". Inzwischen ist der Bau vollendet, das Ergebnis kann sich sehen lassen. Mit Beginn des Wintersemesters 1998/99 pulsiert hier nun zur Freude aller, besonders der Universität und der Juristischen Fakultät, akademisches Leben. Vor allem verbessern sich mit dem neuen Juridicum die Bedingungen für Forschung und Lehre entscheidend.

Schon seit langem drohte die Juristische Fakultät in Halle aus den Nähten zu platzen. Eine unschöne Baulücke konnte inzwischen geschlossen werden, außerdem wurde eine beispielhafte Architektur realisiert, die für das Gesamtbild der Stadt vorteilhaft ist. Für den Bau des Juridicums konnten die veranschlagten Kosten von 34,87 Millionen Mark noch deutlich unterschritten werden. Das Kultusministerium Sachsen-Anhalts trug die Verantwortung als Bauherr, und die Leitung des Bauprojekts übernahm die Ingenieurgesellschaft für Projektmanagement MBH (IPM). Baubeginn war am 11. November 1996. Die Richtkrone schwebte bereits im August 1997 über dem Juridicum und kündete vom zügigen Verlauf der Bauarbeiten.

Dem Bauvorhaben auf dem Universitätsplatz ging ein Architekturwettbewerb voraus. Im Jahr 1993 lobte das Finanzministerium Sachsen-Anhalts gemeinsam mit der Stadt Halle den Wettbewerb zur Gestaltung des geplanten Gebäudes aus, an dem sich sieben Architekturbüros beteiligten. Das Preisgericht sprach den 1. Preis einstimmig dem Kölner Büro Thomas van den Valentyn und Gernot Schulz zu. In dem Kölner Modell ist eine harmonische Verbindung zwischen Altem und Modernem gelungen. Der Neubau fügt sich in das historische Ensemble des Platzes ein, der mit seiner spät- und neoklassizistischen Architektur zum „Altstadtkern" gehört. Das Bild des Universitäts-Campus' inmitten von Halle prägen neben dem 1832 errichteten „Löwengebäude", das Robertinum, das Thomasianum, das Melanchthonianum und die „Burse zur Tulpe".

Im Mittelpunkt des Neubaus befindet sich eine geräumige Bibliothek für die knapp 2000 Jurastudenten. Diese dringend benötigte Bibliothek im „Glaswürfel" mit treppenförmig absteigendem Gebäudeteil faßt mehr als 200 000 Bände. Mit einer symbolischen Bücherkette, gebildet von Studenten und Professoren, begann bereits im Juni 1998 der Umzug oder besser Einzug der Juristenbibliothek in die neuen Räumlichkeiten. Intensives und ungestörtes Studieren ist nun in einem großen und übersichtlichen Lesesaal mit 280 Plätzen möglich. Durch Holzlamellen gefiltertes Licht soll dem Saal eine funktionsgerechte Atmosphäre geben. Rotbraunes Kirschbaumholz an den Wänden und Regalen, helle Sichtbetondecken, dunkelblaue Teppiche und schwarze Metallteile der Fassade, des Geländers und der Regale ergeben den Materialkanon des Innenraums der Bibliothek. Außerdem beherbergt das Juridicum, das mit modernster Computertechnik ausgerüstet ist, zwei Seminarräume, Büroräume, Arbeitszimmer für elf Professoren und ein halbrundes Prüfungszimmer. In der unteren Etage lädt eine Cafeteria des Studentenwerks ein. Im Hause gibt es zudem einen behindertengerechten Aufzug.

Die Ansicht der Fassade des Juridicums zum Universitätsplatz wird im Erdgeschoß von rahmweißem Jurakalkstein bestimmt. An den Fensterleibungen der Obergeschosse wurde farblich angeglichener Feinputz verarbeitet, der bündig mit dem Naturstein abschließt. Die Fenster bestehen aus naturbelassenem Lärchenholz. Zur Altstadtbebauung der Spiegelstraße leitet ein terrassierter Bau über. Nach Norden bildet die niedrigste Terrasse mit den denkmalgeschützten Gebäuden Universitätsplatz 6 und 7 einen Innenhof, von dem aus ein großzügiger Durchgang zum Universitätsplatz führt. Viel Platz für Studierende bietet die Eingangshalle, deren großzügige Fläche hervorragend als Studententreffpunkt geeignet ist. Damit ist ein Schritt getan, daß die Jura-Studierenden in Halle künftig die Universität auch als „Lebensform" annehmen können und nicht nur als Ausbildungsort. In diesem Sinne wirkt nicht zuletzt die enge Nachbarschaft zum „neuen theater" der Stadt.

Auch an die „Kunst am Bau" ist gedacht: Dazu hatte das Kultusministerium 1997 einen Wettbewerb ausgeschrieben, an der sich zehn Künstler beteiligten. Eine sachkundige Jury gab Simon Ungers Projekt „Drei Stelen" zur Gestaltung des Innenhofes den Zuschlag. Das Kunstwerk hat bereits seit dem Sommer im Hof des Neubaus seinen festen Platz und wird mit dem Gesamtprojekt am 19. Oktober übergeben.

Rede des Rektors zur Eröffnung des Juridicums.


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