500 Jahre Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Älteste Universität in Sachsen-Anhalt
feiert Geburtstag

Am 18. Oktober 2002 jährt sich zum 500. Mal der Gründungstag der Universität in Wittenberg. Die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg sowie die Städte Halle (Saale) und Lutherstadt Wittenberg begehen gemeinsam dieses Jubiläum mit einem Akademischen Festjahr unter dem Motto ZUKUNFT MIT TRADITION. Das Festjahr beginnt am 31. Oktober 2001 mit der traditionellen Disputation des Akademischen Senats in Wittenberg und endet ein Jahr später, am 31. Oktober 2002.

Am Mittwoch, dem 31. Oktober, um 14.00 Uhr ziehen die Senatoren in den traditionellen Talaren vom Stadthaus in Wittenberg durch die Collegienstraße zur Leucorea (Collegienstraße 62). Um 15.00 Uhr wird dort im Audimax das Festjahr offiziell eröffnet. Anschließend disputieren die Senatoren mit Prof. Dr. Detlef Müller-Böhling, Direktor des Centrums für Hochschulentwicklung, und Prof. Dr. Volker Bigl, Rektor der Universität Leipzig, über das Thema "Universitätsreform warum und zu welchem Ende?"

Höhepunkte im Festjahr der Universität

31. Oktober 2001
Beginn des Festjahres mit der Disputation "Universitätsreform warum und zu welchem Ende?
Fragen im 500. Jahr einer Reformuniversität"

in der Lutherstadt Wittenberg

Erste Festwoche "Wissenschaft für morgen"
vom 23. bis 26. April 2002 in Halle

23. April 2002
Zentraler Festakt im Audimax unter Anwesenheit des Bundespräsidenten
Eröffnung: "EMPORIUM. 500 Jahre Universität Halle-Wittenberg".
Landesausstellung Sachsen-Anhalt 2002

im Hauptgebäude der Universität am neugestalteten Universitätsplatz

EMPORIUM. 500 Jahre Universität Halle-Wittenberg.
Landesausstellung Sachsen-Anhalt 2002

Vom 23. April bis zum 30. September 2002 wird in den Räumen des Hauptgebäudes der Martin-Luther-Universität die Landesausstellung "EMPORIUM. 500 Jahre Universität Halle-Wittenberg" gezeigt. Die Ausstellung anlässlich der Gründung der Universität Wittenberg im Jahre 1502 steht als Teil des Akademischen Festjahres unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland, Dr. h. c. Johannes Rau. Die Ausstellung wird getragen vom Land Sachsen-Anhalt. Als Hauptsponsor konnte die Dresdner Bank AG gewonnen werden. Eine zusätzliche umfangreiche Förderung wurde durch die Lotto-Toto GmbH Sachsen-Anhalt bereitgestellt.

Tag der Forschung
anlässlich der Eröffnung des Kultursommers am 1. Juni 2002 in Wittenberg

Im Jubiläumsjahr 2002 wird der Tag der Forschung, der bereits seit 1994 jährlich durchgeführt wird, erstmals am Gründungsstandort der Universität, auf dem Marktplatz der Lutherstadt Wittenberg veranstaltet.

Universitäts-Stadtfest "Kultur und Wissenschaft in Halle"
am 22. und 23. Juni 2002 in Halle

Das Stadtfest wird der kulturelle Höhepunkt im Sommer des Jubiläumsjahres sein. Da das Herz der Universität mitten in der City schlägt und Universität und Stadt dieses Ereignis gemeinsam planen, soll ein großes, buntes, vielgestaltiges Innenstadt-Fest gefeiert werden.

Internationale Sommerakademie "500 Jahre europäisches Lehren und Lernen in Wittenberg"
vom 26. August bis 13. September 2002 in Wittenberg

Das "Institut für deutsche Sprache und Kultur e. V. an der Martin-Luther-Universität" führt Sprach- und Kulturkurse, Semester- und Jahresprogramme für ausländische Studenten und Wissenschaftler aus aller Welt durch. Dabei liegt der Schwerpunkt auf interdisziplinärer Projektarbeit und Spracherwerb durch gelebte Landeskunde. Durch die trainierte interkulturelle Sensibilität von Deutschen und Ausländern leistet das Institut einen aktiven Beitrag gegen Fremdenfeindlichkeit.

Lange Nacht der Wissenschaft

Im Rahmen der 122. Jahrestagung der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte am 20. September 2002 in Halle veranstaltet die Martin-Luther-Universität gemeinsam mit der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina eine "Lange Nacht der Wissenschaft".

Zweite Festwoche "Universität in Europa"
vom 14. bis 18. Oktober 2002 in der Lutherstadt Wittenberg

Ende des Festjahres
mit der Disputation am 31. Oktober 2002 in der Lutherstadt Wittenberg

Nähere Informationen im Internet unter http://www.500jahre.uni-halle.de/

Die Universität Wittenberg "Leucorea" wurde am 18. Oktober 1502 vom sächsischen Kurfürsten Friedrich dem Weisen eröffnet. Damit war sie die erste deutsche Universitätsgründung in der beginnenden Neuzeit. Als Ausgangspunkt der Reformation errang die Leucorea innerhalb kürzester Zeit europäische Bedeutung.

Martin Luthers Thesen gegen den Ablass 1517 leiteten einen grundlegenden Wandlungsprozess für Wissenschaft und Gesellschaft ein. Die Universität übte darin lange Zeit eine geistige Schlüsselrolle aus und entwickelte neue Lehrinhalte und Forschungsgegenstände. 1518 hielt Philipp Melanchthon seine Antrittsvorlesung, in der er die Grundzüge des humanistischen Bildungsideals formulierte. Sein Wirken hat das akademische Studium und die schulische Bildung nachhaltig erneuert.

Gemessen an der Studentenzahl war die Wittenberger Universität im 16. Jahrhundert die größte Universität in Deutschland. Von der Leucorea gingen vielfältige bildungspolitische Impulse aus. Im 17. Jahrhundert trug sie maßgeblich zur Ausprägung einer lutherischen Konfessionskultur bei. Mitte des 18. Jahrhunderts verlor Wittenberg allmählich an Bedeutung.

Die Universität Halle "Fridericiana" wurde am 12. Juli 1694 durch den brandenburgischen Kurfürsten Friedrich III. eröffnet. Innerhalb weniger Jahre entwickelte sie sich zur führenden Universität der deutschen Aufklärung. Die Berufung des Rechtsgelehrten Christian Thomasius, des Theologen August Hermann Francke und des Philosophen Christian Wolff sicherte Halle eine herausragende Rolle unter den europäischen Universitäten.

Die wissenschaftliche Reputation der Universität zog weitere bedeutende Gelehrte nach Halle. Friedrich Hoffmann und Georg Ernst Stahl gehörten zu den führenden Medizinern des 18. Jahrhunderts. Simon Peter Gasser schuf die Grundlagen zur Betriebswirtschaftslehre. Johann Salomon Semler begründete die historisch-kritische Methode in der Theologie. Auf Friedrich August Wolf geht die moderne Altertumswissenschaft zurück. Friedrich Schleiermacher, der Begründer der modernen protestantischen Theologie, gehört zu den profiliertesten Gestalten der Geistesgeschichte des 19. Jahrhunderts. Auf die philosophische Hermeneutik hat sein Werk bis in die heutige Zeit entscheidenden Einfluss.

Die Vereinigte Friedrichs-Universität entstand 1817 durch Zusammenlegung der Leucorea und der Fridericiana in Halle. Im Zuge der Ausdifferenzierung der geisteswissenschaftlichen Fächer in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts kamen wesentliche Anregungen, etwa in den Neuphilologien und den Kulturwissenschaften, aus Halle. Nach 1850 erlebte die Universität einen großen Aufschwung in der Medizin, den Naturwissenschaften und der Archäologie. Julius Kühn führte das landwirtschaftliche Studium in Deutschland ein, der Mathematiker Georg Cantor entwickelte die Mengenlehre, und Daniel Vorländer erforschte die Grundlagen von kristallinen Flüssigkeiten.

Anlässlich des 450. Geburtstags von Martin Luther erhielt die Universität 1933 ihren heutigen Namen. Im Zuge der nationalsozialistischen Gleichschaltung kam es zur Entlassung zahlreicher Hochschullehrer, Mitarbeiter und Studenten.

Nach 1945 wurde die Universität durch drei "sozialistische Hochschulreformen" umgestaltet und zunehmend ihrer akademischen Selbständigkeit und Freiheit beraubt.

1990 begann ein umfassender Erneuerungsprozess; die Universität gab sich eine demokratische Grundordnung. Viele Professuren wurden neu besetzt, Fakultäten und Fachbereiche neu strukturiert. Die Pädagogische Hochschule Halle-Köthen und Teile der Technischen Hochschule Leuna-Merseburg wurden 1993 der Universität angegliedert. Sowohl im personellen als auch im infrastrukturellen Bereich sind wichtige Weichen für die Zukunft gestellt.

Als attraktiver universitärer Standort bietet Halle hervorragende Studienbedingungen für gegenwärtig über 14.300 Studierende. Zur Auswahl stehen mehr als 180 Studiengänge und Studienfächer in den Geistes-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften, den Natur-, Ingenieur- und Landwirtschaftswissenschaften sowie Jura, Medizin und Theologie.
Die Universität ist heute der größte Arbeitgeber in der Region.


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