Nachwuchs für die Wissenschaft

Habilitations- und Wiedereinstiegsstipendium des Landes Sachsen-Anhalt eine erste Bilanz

Hochschullehrer zu werden, ist nicht einfach. Es gilt, einen langen und aufwendigen Weg zurückzulegen. Viele erreichen aus den verschiedensten Gründen den erträumten Berufswunsch nicht So ist schon seit längerer Zeit von einem absehbaren Mangel an Hochschullehrer-Nachwuchs die Rede. Mit dem Ziel, dieser Tendenz entgegenzuwirken, haben Bund und Länder im Rahmen des Hochschulsonderprogramms III ein Habilitationsförderprogramm vereinbart, das durch die Länder vergeben wird. Ein besonderes Anliegen war es dabei, Wissenschaftlerinnen zu ermutigen, eine Universitätslaufbahn anzustreben, und dadurch den Anteil weiblicher Hochschullehrer zu erhöhen.
Das Land Sachsen-Anhalt hat dazu für den Zeitraum 19972000 zwei verschiedene Maßnahmen mit einem Finanzumfang von insgesamt 4,8 Mio. DM erlassen. Einerseits wurde ein Habilitationsprogramm ins Leben gerufen, das die Vergabe von Stipendien zur Weiterführung bzw. Beendigung von Habilitationsarbeiten beinhaltete und sich an alle promovierten Nachwuchswissenschaftler richtete. Andererseits galt ein sogenanntes Wiedereinstiegsprogramm ausschließlich der Förderung von promovierten Wissenschaftlerinnen, die eine Habilitation anstreben, aber ihre wissenschaftliche Arbeit aus frauenbiographischen Gründen oder aus Gründen des Strukturwandels an den Hochschulen unterbrechen mußten. Für die Vergabe der Stipendien wurden drei bzw. vier Ausschreibungstermine mit einer Dauer der Förderung von jeweils maximal drei Jahren im Habilitations- bzw. zwei Jahren im Wiedereinstiegsprogramm festgelegt.
Die Zuerkennung der Stipendien lag in der Verantwortung einer vom Kultusministerium des Landes berufenen Vergabekommission, der die jeweils amtierenden Prorektoren für Studium und Lehre bzw. für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs der Universitäten Halle und Magdeburg, zwei Professorinnen der beiden Universitäten sowie die Vertreterin der Leitstelle für Frauenpolitik des Landes Sachsen-Anhalt angehörten. Die Auswahl der Stipendiaten erfolgte auf der Grundlage von jeweils zwei eingeholten externen Fachgutachten zu dem vorgelegten Habilitations- bzw. Forschungsprojekt und den eingereichten Unterlagen, die den Lebenslauf und die bisherigen wissenschaftliche Leistungen der Kandidaten charakterisierte.
Seit der ersten Stipendienvergabe im Frühjahr 1997 ist nun einige Zeit ins Land gegangen, eine Zwischenbilanz erscheint sinnvoll: Insgesamt wurden 37 Habilitationsstipendien (davon ca. 50 % an weibliche Kandidaten) bei einer Bewerberzahl von 142 sowie 25 Wiedereinstiegsstipendien bei einer Bewerberzahl von 54 vergeben. Aus dem Habilitationsprogramm sind bisher elf Kandidaten ausgeschieden, von denen vier ihr Ziel erreicht haben, indem das Habilitationsverfahren läuft bzw. bereits abgeschlossen ist. Die anderen Stipendiaten sind ausgeschieden, nachdem sie an der Universität oder einer anderen wissenschaftlichen Einrichtung wie dem Leibniz-Institut für Pflanzenbiochemie, dem Herder-Institut in Leipzig oder dem Max-Planck-Institut in Magdeburg eine Anstellung fanden, in deren Rahmen sie ihre Arbeiten weiterführen können. Die Habilitationsarbeit einreichen konnte auch bereits eine der ersten Stipendiatinnen des Wiedereinstiegsprogramms, eine andere führt ihre Arbeit im Rahmen der Habilitationsförderung weiter. Die meisten der neun anderen Wissenschaftlerinnen, die das Wiedereinstiegsstipendium nicht mehr in Anspruch nehmen, fanden eine Anstellung an der halleschen oder einer anderen Universität bzw. in der Industrie.
Auch wenn aus dieser ersten Analyse noch keine umfassende Wertung über den langfristigen Erfolg der Fördermaßnahmen möglich ist, sind sowohl das Habilitations- als auch das Wiedereinstiegsprogramm als sehr positive und für die Entwicklung des wissenschaftlichen Nachwuchses wichtige Förderungsmöglichkeiten anzusehen, die in dieser oder ähnlicher Form (z. B. unter Einbeziehung der mindestens ebenso wichtigen Postdoktoranden-Förderungen) unbedingt fortgesetzt werden sollten.

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Frank Janowski, Prorektor für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs
Tel.: 0345/55 21450
e-mail:waehner@rektorat.uni-halle.de

(Ute Olbertz, 18. Januar 2000)


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