Hilfe für Herz-Kreislauf-Probleme
SFB TR 6002 an der Medizinischen Fakultät Halle

Ende November 2000 wurde durch den Senat der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) der Sonderforschungsbereich (SFB) TR 6002 bewilligt. Das Thema dieser Verbundforschung lautet "Biomechanische Phänotyp-Regulation im Herz-Kreislaufsystem".

Am 1. Januar 2001 nahmen die am SFB TR 6002 beteiligten WissenschaftlerInnen und Einrichtungen ihre vorerst auf drei Jahre veranschlagte Arbeit auf. Rund die Hälfte aller Todesfälle in Deutschland resultiert aus Erkrankungen des Herz-Kreis-lauf-Systems: Bluthochdruck, Herzinsuffizienz und Arteriosklerose stehen dabei als Ursachen im Vordergrund.

Bei diesen Erkrankungen führt die hämodynamische Last der durch das strömende Blut ausgeübte Druck auf die Gefäße zu Veränderungen der betroffenen Herz- und Gefäßzellen. Oft geht damit eine veränderte Funktion etwa der Muskelzellen in den Gefäßwänden einher: Sie teilen sich und wachsen das wiederum bewirkt eine Einengung des Gefäßvolumens. Ein Beispiel dafür ist die Re-Stenose (erneute, krankhafte Verengung) von Herzkranzgefäßen, nachdem diese bereits einmal per Ballonkatheter aufgeweitet wurden. Bei gesunden Menschen dagegen können derartige biomechanischen Abläufe dazu führen, dass infolge lokaler Wirkstoffe (wie Stickstoffoxid) bei erhöhtem Durchfluss das Endothel (die innere Zellschicht des Gefäßes) erschlafft und eine Gefäßerweiterung eintritt.

WissenschaftlerInnen wollen nun gezielt diese durch mechanische Kräfte ausgelösten Veränderungen an Herz und Gefäßsystem auf allen Ebenen der Signalübertragung untersuchen. Ziel der Forschungen ist es, Signale zu finden, die krankheitsrelevante Veränderungen an Herz- und Gefäßzellen induzieren, wenn diese zum Beispiel durch Bluthochdruck oder bei Gefäßverengung übermäßig beansprucht werden. Das Erkennen relevanter zellulärer Signale und Zusammenhänge wird das Verständnis für viele Herz- und Kreislauferkrankungen verbessern. Die Mediziner hoffen, daraus neue Therapiemöglichkeiten ableiten zu können.

Der SFB TR 6002 ist ein "Transregio" bundesweit der zweite. Die DFG hat diese neue Form eingerichtet, um den jeweils führenden Arbeitsgruppen Deutschlands die Zusammenarbeit auf ihrem Gebiet zu erleichtern. Anders als beim ortsgebundenen SFB, der lokaler Profilbildung dient, ist ein Transregio durch mehrere, in der Regel zwei bis drei Standorte gekennzeichnet. Hier werden Kooperationspartner zusammengeführt, deren Beiträge sich auf hohem wissenschaftlichem Niveau zwingend ergänzen. Die Wahl der Transregio-Partner erfolgt aufgrund der Expertise und internationalen Reputation der beteiligten Forscher, der Ergänzung der etablierten Methoden und ihrer bisherigen Kooperation. Im Transregio 6002 sind Forscher der Medizinischen Fakultät Göttingen (Sprecherhoch-schule, 3 Projekte), der Medizinischen Hochschule Hannover (2 Projekte) und der Medizinischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (5 Projekte) zusammengeschlossen.

Die Mediziner in Halle erhielten als einzige der beteiligten Einrichtungen sämtliche eingereichten Projekte bewilligt und genießen damit den Löwenanteil der Förderung. Die halleschen ForscherInnen Prof. Dr. Otto-Erich Brodde, Prof. Dr. Maria Gallitelli, PD Dr. Mechthild Hatzfeld, Prof. Dr. Jürgen Holtz, Prof. Dr. Gerrit Isenberg, Dr. Henning Morawietz kommen aus den Bereichen Pathophysiologie, Pharmakologie, Physiologie und Medizinische Grundlagenforschung.

(Prof. Dr. Gerrit Isenberg / Dr. Margarete Wein, 4. April 2001)

Nähere Informationen:
Prof. Dr. Gerrit Isenberg
Tel.: 0345 / 557 13 89, Fax: 0345 / 557 40 19
E-Mail: gerrit.isenberg@medizin.uni-halle.de


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