"Sprachkontakt und Sprachwandel"


XI. Fachtagung der Indogermanischen Gesellschaft
in Halle an der Saale vom 17. bis 23. September 2000

Über die alten Germanen weiß jeder Bescheid; womit sich Germanisten beschäftigen, ist auch den meisten klar aber was ist Indogermanistik (anderswo meist "Indo-European Linguistics" genannt)? Mit den Aufgaben dieser Spezialdisziplin der Philologie, die in Halle seit 1924 etabliert ist, befasst sich an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg im Institut für Indogermanistik, Allgemeine und Angewandte Sprachwissenschaft Prof. Dr. Gerhard Meiser, dem vier wissenschaftliche MitarbeiterInnen zur Seite stehen. An 20 anderen deutschen und vielen ausländischen Universitäten und Hochschulen gibt es dieses Fach ebenfalls.

Die diesjährige Fachtagung der internationalen Indogermanischen Gesellschaft wird in der Zeit vom 17. bis 23. September unterstützt vom Freundeskreis der Universität, von der Stadt Halle und von der Deutschen Forschungsgemeinschaft von den Hallensern ausgerichtet.

Das Motto der Tagung, zu der rund 160 WissenschaftlerInnen aus Deutschland und 20 weiteren Ländern erwartet werden, lautet "Sprachkontakt und Sprachwandel".

Dabei geht es unter sprachgeschichtlichem Aspekt vor allem um innersprachlich motivierten Wandel, aber auch um die Einflüsse, denen eine Sprache im Verlauf ihrer Entwicklung durch Kontakte mit anderen Sprachen ausgesetzt ist. Als Stimulus sprachlicher Entwicklung und Divergierung ist der Sprachenkontakt innerhalb der indogermanischen Sprachfamilie zu der beispielsweise Deutsch, Russisch, Spanisch und Armenisch zählen und über sie hinaus noch vergleichsweise wenig erforscht. Deshalb will die hallesche Tagung vor allem einen Beitrag zur Bilanzierung der bisherigen Forschung auf diesem Gebiet leisten, um daraus die Erfordernisse für die künftige Arbeit ableiten zu können.

Neben Analysen bestimmter Sprachen und Sprachentwicklungen werden Phänomene wie Sprachübernahme, Sprachverlust und Sprachtod eine Rolle spielen; kulturell, religiös und/oder politisch bedingte Übernahmen sprachlicher Erscheinungen (auch durch Übersetzung fremdsprachiger Literatur) werden untersucht, auch die zeitweise verhängnisvollen Fehlinterpretationen indogermanischer Eigenheiten als kulturelle Überlegenheit. Darüber hinaus geht es um eine (Neu-)Bestimmung der Methoden für die historische Sprachkontaktforschung.

Nachdem wenige Tage zuvor der WELTKONGRESS ARMENIEN 2000 zuende gegangen sein wird, dürften die Vorträge und Diskussion des ersten Tages besonders interessant sein, da sie größtenteils die Geschichte der armenischen Sprache thematisieren. An den Folgetagen gilt das Interesse der Tagungsteilnehmer u. a. den Beziehungen zwischen germanischen und slawischen Sprachen (einschließlich der Besonderheiten des zwischen beiden angesiedelten Jiddischen), Fragen der wechselseitigen Einflüsse in Syntax und Grammatik, dem Wirken der "klassischen Sprachen" auf die germanischen (etwa der Übernahme grammatischer Strukturen des Lateinischen ins Deutsche) und dem Sprachbewusstsein der jeweiligen Sprecher einer Sprache. Selbst so exotische Sprachen wie Keltisch, Albanisch, Tocharisch und vedisches Alt-Indisch werden nicht außer Acht gelassen. Ein eigenes Kolloquium ist den berühmten "Merseburger Zaubersprüchen" zum Beispiel der Frage, wie "deutsch" diese eigentlich sind gewidmet.

Mit Spannung erwartet werden sowohl der Vortrag von Carl-Martin Bunz zum Thema "Indogermanistik und Informationstechnologie" als auch das Rundtischgespräch zum Thema "Wozu (heute) noch Indogermanistik?", an dem sich Wissenschaftler aus Berlin, Freiburg, Halle, Salzburg und Wien beteiligen.

Eine Exkursion nach Naumburg, Bad Kösen und Freyburg, Buchausstellungen der Verlage De Gruyter, Innsbrucker Beiträge zur Sprachwissenschaft, Metzler, Olms, Reichert sowie ein Empfang durch die Oberbürgermeisterin der Stadt Halle runden das Programm ab.

Das Tagungsprogramm ist im Internet abrufbar unter http://www.indogerm.uni-halle.de/

(Dr. Margarete Wein, 1. September 2000)

Nähere Informationen:
Prof. Dr. Gerhard Meiser
Tel.: 0345 / 552 35 05, Fax: 0345 / 552 71 02
E-Mail: meiser@indogerm.Universität-halle.de
Dr. Olaf Hackstein
Tel.: 0345 / 552 35 07, Fax: 0345 / 552 71 02
E-Mail: hackstein@indogerm.Universität-halle.de


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