Ein neuer ikonographischer Schatz
an der Theologischen Fakultät der Martin-Luther-Universität

Die Stiftung der Stadt- und Saalkreissparkasse Halle erwirbt für die Theologische Fakultät ein wertvolles russisches Werk

Im Frühjahr 2001 erhielt Prof. Hermann Goltz, Direktor des Seminars Konfessionskunde der Orthodoxen Kirchen an der Theologischen Fakultät der Martin-Luther-Universität, eine Anfrage aus Köln. Man suchte einen Experten für eine in 12 großen Mappen enthaltene russische Druckgraphiksammlung aus dem Nachlass einer russischen Sammlerin, die Jahrzehnte als Emigrantin in Köln lebte.
Bei der Begutachtung der 12 Bände mit etwa 500 Blättern stellte sich heraus, dass es sich hier um das äußerst seltene Werk "Materialien für eine russische Ikonographie" handelt, das von D. A. Rovinskij, einem der größten Kenner russischen Graphik- und Druckwesens, von 1884 bis 1891 in Sankt Petersburg herausgegeben wurde.
Prof. Goltz Recherchen ergaben, dass dieses Werk sogar in Russland so selten ist, dass es von dortigen Fachleuten und Antiquariaten gesucht wird. Die 12 Mappen im Nachlass der russischen Emigrantin in Köln sind aller Wahrscheinlichkeit nach in Paris erworben worden. Viele russische Flüchtlinge flohen nach der Oktoberrevolution mit ihrem Hab und Gut, so weit das überhaupt möglich war, in die französische Hauptstadt. Die Gravuren in den 12 Mappen sind eine Zusammenstellung seltener und wichtiger Bilddokumente zu russischer Geschichte und russischen Persönlichkeiten aus Staat und Kirche vom 16.-19. Jahrhundert. Die wertvollen Blätter stellen ein wichtiges Instrument der Forschung zur russischen politischen, kulturellen und Kirchengeschichte dar, einem der Schwerpunkte in der Forschung des Seminars für Konfessionskunde der Orthodoxen Kirchen.
Für den Druck der Gravuren kamen zu einem großen Teil die Originaldruckplatten des 16.-18. Jahrhunderts für diese Ausgabe zum Einsatz, die sich z. B. in der Petersburger Kunstkamera befinden. Die gesamte Ausgabe wurde auf wertvollstem Papier aus der zarisch-russischen Wertpapier-Expedition gedruckt.

Angesichts des wissenschaftlichen und kulturell-künstlerischen Wertes dieser Ausgabe wandte sich Prof. Goltz mit der Bitte um Hilfe an die Stiftung der Stadt- und Saalkreissparkasse Halle. Dort zeigte man großes Verständnis für die Sache und erwarb für die Sparkassenstiftung das bedeutende Werk und stellte es dem Seminar für Konfessionskunde der Orthodoxen Kirchen an der Theologischen Fakultät Halle als Dauerleihgabe zum Zwecke der Forschung und weiteren Publikation zur Verfügung. Damit hat sich ein weiteres Mal die Sparkassenstiftung als eine bedeutende Förderin von Wissenschaft, Kunst und Kultur in Halle erwiesen.

Prof. Goltz und der Sparkassenvorstand planen gemeinsam für das Jahr 2002 eine Ausstellung der ansehnlichsten Blätter der großen Edition. Da die russische Emigrantin in Köln bei Radio und Fernsehen arbeitete, stand sie in engen persönlichen Beziehungen zu vielen bekannten Persönlichkeiten. So war sie unter anderem die Russischlehrerin von Fritz Pleitgen und Gerd Ruge.

In ihrem Testament hat die Vorbesitzerin der "Ikonografija" angeordnet, dass der Verkaufserlös einem russischen Künstler-Altersheim zugute kommen soll. Daher wird das Geld im ersten Halbjahr 2002 von den Nachlassverwaltern in Begleitung von Prof. Goltz seiner Bestimmung in Russland zugeführt. Auf diese Weise erfüllt die Sparkassenstiftung mit dieser Zuwendung gleich zwei gute Zwecke:
Förderung von Wissenschaft und Kultur in Halle sowie soziale Unterstützung für Russland.

(Prof. Dr. Hermann Goltz, 12. Dezember 2001)

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Hermann Goltz
Tel.: (0345) 55 230 00
Fax: (0345) 55 270 97
E-Mail:goltz@theologie.uni-halle.de


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