Ethik- und Religionsunterricht

Empfehlung verabschiedet

Am 10. November 2001 hat an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg eine gemeinsame Tagung der Theologischen und Philosophischen Fakultät und des Pädagogisch-Theologischen Instituts Kloster Drübeck stattgefunden. Vertreter des öffentlichen Lebens, des Landes, der Kirchen, Hochschulen und Verbände, Lehrerinnen, Lehrer sowie kirchliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter diskutierten mit Mitgliedern der von Ministerpräsident Höppner einberufenen Arbeitsgruppe die Ergebnisse der Expertise „Ethik- und Religionsunterricht in der Schule mit Zukunft". Die vorgelegte kritische Analyse der Expertise erhielt weitgehende Zustimmung. Auch die ausgesprochenen Empfehlungen zur weiteren Verwirklichung der Verfassungslage des Landes Sachsen-Anhalt für den Wahlpflichtbereich der Fächer Ethik- und Religionsunterricht an den Schulen wurden überwiegend geteilt.

Zustimmend und dankbar nahmen die TeilnehmerInnen zur Kenntnis, dass das Kultusministerium des Landes Sachsen-Anhalt mit der Einrichtung einer Koordinierungsstelle für den Ethik- und Religionsunterricht und dem Bemühen um eine Ausweitung des Einstellungskorridors von Lehrkräften angesichts knapper Ressourcen weitere Schritte zur Verbesserung der Bildungssituation im Bereich der werteorientierenden Schulfächer unternommen hat. Sie trugen darüber hinausgehend der Regierung weitere Bitten zur Veränderung der seit 1998 bestehenden Gesetzes- und Erlasslage vor:

Die Einschränkungsklausel des Schulgesetzes, Ethik- und Religionsunterricht seien einzuführen, „wenn geeignete Lehrkräfte bzw. kirchliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zur Verfügung stehen", sollte aufgehoben werden und als hemmendes Diskussionsargument entfallen. Mittlerweile stünden besonders im Religionsunterricht mehr Lehrkräfte zur Verfügung als eingesetzt seien.

Die Einschränkung auf eine wöchentliche Unterrichtsstunde in den Schuljahrgängen 7 bis 10 solle im Interesse der didaktischen Verwirklichung „ordentlicher Unterrichtsfächer" mit versetzungsrelevanter Notengebung aufgehoben werden.

Im Interesse eines gedeihlichen und vor allem aufbauenden kontinuierlichen Unterrichts solle die Bildung von Lerngruppen nicht generell jahrgangsübergreifend und damit nicht bis zur maximalen Auslastung der Klassenstärke erfolgen. Eine schulübergreifende Zusammenfassung gleicher Schuljahrgänge solle möglich bleiben. Um dem Bildungsauftrag des Landes für die werteorientierenden Schulfächer besser gerecht zu werden, sollten die finanziellen Einsparungsbemühungen nicht zu Lasten des personalen Lehrereinsatzes gehen. Besonders die Situation kirchlicher Mitarbeiter im Religionsunterricht dürfe sich nicht noch weiter verschlechtern. Die bisherigen Regelungen böten günstige Möglichkeiten bei geringen Teilnehmerzahlen (Bildung von Lerngruppen ab 6 Teilnehmenden) und sollten beibehalten werden.

Die Schulleitungen sollten angehalten werden, die zur Information und Teilnahme am Unterricht aufgezeigten Möglichkeiten optimal zu gewährleisten. Die von der Expertise empfohlene Nachweispflicht für nicht vorhandene Unterrichtsangebote der Wahlpflichtfächer und die gebotene Pflicht zur Planung schulischer Entwicklungsprogramme wurden nachhaltig unterstützt.

Trotz aller Umstellungs- und Einschränkungsmaßnahmen in der Hochschulausbildung solle der Stellen- und Personalbereich für die Didaktik der Fächer Ethik und Religion in der Lehrerausbildung nicht reduziert, sondern erhalten und erweitert werden (z. B. durch Ethikdidaktik in den Philosophischen Fakultäten Halle und Magdeburg). Nur solche Ausnahmemaßnahmen könnten der besonderen Situation der Einführung dieser neuen Fächer seit 1990 hochschulpolitisch gerecht werden. Das Lehrerstudium im Fach Katholische Religion sollte im eigenen Land ermöglicht werden.

Das Ministerium sollte mit deutlichen Aufträgen an die Schulämter die Vorschläge der Expertise umsetzen. Dazu sollten die Angebote der Fort- und Weiterbildung attraktiv gemacht und gefördert werden.

Die für den Religionsunterricht verantwortlichen Kirchen wurden gebeten,

– alles zu tun und demzufolge förderliche Maßnahmen zu treffen, den Bildungsauftrag des evangelischen und katholischen Religionsunterrichts an den öffentlichen Schulen auch als kirchliche Aufgabe zu begreifen und zu stützen,

– weitere Schritte einer Kooperation im Unterrichtsangebot – bei Wahrung ihres konfessionellen Profils – zu unternehmen, wie sie mit der 18er-Regelung (an 18 Schulen Religionsunterricht durch eine der beiden Konfessionen) z. Z. erprobt werden, und bei Fehlen des Bedarfs und des Angebotes von Religionsunterricht einer der beiden Konfessionen die Wahlpflicht eintreten zu lassen,

– die Gestellungsverträge zu überprüfen und so zu verändern, dass der verstärkte Einsatz kirchlicher Mitarbeiter ermöglicht und das personale Potential der Kirchen besser und mit größerem Anreiz genutzt werden kann.

Die Teilnehmerinnern und Teilnehmer an dieser Veranstaltung trugen diese Vorschläge und Empfehlungen vor in der Verantwortung für eine umfassende Bildung und Erziehung der heranwachsenden Jugend. Mit den werteorientierenden Fächern leiste die Schule einen wichtigen Beitrag, sie zu einem ethisch verantwortlichen Handeln auf der Basis kulturell geprägten und umfassenden Wissens zu befähigen.

Die Veranstaltungsleitung des Kolloquiums:
Prof. Dr. Raimund Hoenen, Theologische Fakultät Halle,
Prof. Dr. Hartmut Wenzel und Frau StR Gisela Raupach-Strey, Philosophische Fakultät Halle
Direktor Dr. Hahn, Pädagogisch-Theologisches Institut Wernigerode-Drübeck

Halle, den 10. November 2001

(Prof. Dr. Raimund Hoenen, 14. November 2001)

Kontakt:
Prof. Dr. Raimund Hoenen
Telefon: 0345 / 5 52 30 40
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Institut für Praktische Theologie und Religionspädagogik,
Anmeldung für den 10.11.01 bei der Theologischen Fakultät
E-Mail: hoenen@theologie.uni-halle.de


  Zurück zum Index