125 Jahre Historisches Seminar
an der halleschen Universität
Zur Geschichte der Geschichte
an der Alma mater halensis

In den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts griff die Gründerzeit auch auf das deutsche Bildungswesen und die Universitäten über. An der Vereinigten Friedrichs-Universität zu Halle wirkte sich das nachdem bereits 1873 ein Staatswissenschaftliches Seminar gegründet worden war besonders fruchtbar im Jahr 1875 aus.

Per Reglement des preußischen Ministers für Geistliche-, Unterrichts- und Medicinalangelegenheiten wurden im Oktober 1875 vier neue Seminare eingerichtet: ein Historisches Seminar sowie drei philologische Seminare (für die deutsche, die englische und die romanische Philologie). Damit entstand in Halle das universitäre Fundament für die Wissenschaftlichkeit dieser Disziplinen. Die damals gegründeten Seminare waren legitime Vorstufen der jetzigen Institute für Geschichte, Anglistik und Amerikanistik, Romanistik sowie des Germanistischen Instituts, die heute sämtlich einen festen Platz in Forschung und Lehre, speziell in der Lehrerausbildung, der Martin-Luther-Universität einnehmen.

Gegenwärtig werden 506 Studierende für das Lehramt und das Magisterstudium (Haupt- und Nebenfach) Geschichte gezählt. Außerdem gibt es 182 Studierende (teilweise identisch mit den Erstgenannten) in den Spezialrichtungen Didaktik der Geschichte, Historische Hilfswissenschaften, Landesgeschichte, Mittlere und Neue Geschichte. Geschichte Osteuropas, Wirtschafts- und Sozialgeschichte sowie Zeitgeschichte. Wie wichtig die Beschäftigung mit der Geschichte auch und gerade aus der Sicht junger Leute heute ist, zeigt sich also nicht zuletzt daran, dass es derzeit mehr als 600 Studierende am halleschen Institut für Geschichte gibt.

Selbstverständlich gab es auch vor der Gründung des Seminars vor 125 Jahren in Halle Historiker, doch fehlte ihrer Wissenschaftsdisziplin bis dato die institutionelle Basis und damit die akademische Reputation. Vor allem durch Quellenstudium und Quellenkritik wurde die Geschichte nun auf ein festes Fundament gestellt.

Zunächst bestand das Historische Seminar aus zwei selbständigen Abteilungen unter der Leitung von Ernst Dümmler, der u. a. die landesgeschichtliche Forschung in Mitteldeutschland anregte, und Gustav Droysen, der auf die Neuere Geschichte spezialisiert war. In den folgenden Jahren kamen bedeutende Historiker nach Halle, u. a. Eduard Meyer, Albert Werminghoff, Robert Holtzmann und Gustav Hertzberg, der 18891893 erstmals eine dreibändige "Geschichte der Stadt Halle" veröffentlichte. Eduard Meyer ging außerdem als Hauptgründer und erster Spiritus Rector des "Spirituskreises", eines 1890 gegründeten Professorenzirkels, dessen Wirken schon vor hundert Jahren wesentliche Züge des aktuellen Trends zur Interdisziplinarität erkennen ließ, in die hallesche Universitätsgeschichte ein.

Das Institut für Geschichte am Fachbereich Geschichte, Philosophie und Sozialwissenschaften sowie die Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt haben aus Anlass des Gründungsjubiläums mehrere Veranstaltungen vorbereitet.

Am Donnerstag, dem 16. November 2000, wird um 16 Uhr im Halloren- und Salinemuseum, Mansfelder Straße 52, in Anwesenheit des Direktors der Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt, Dr. Heiner Schnelling, und Prof. Dr. Werner Freitag vom Institut für Geschichte, mit einer Einführung durch Dr. Walter Müller die Ausstellung "Von der Bibliothek des Historischen Seminars zur Zweigbibliothek Geschichte der Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt" eröffnet. Anschließend findet um 18.15 Uhr im Hörsaal XV des Melanchthonianums, Universitätsplatz 8/9 die Festveranstaltung "125 Jahre Historisches Seminar an der Universität Halle" statt. Grußworte sprechen der Geschäftsführende Direktor des Instituts für Geschichte, Prof. Dr. Werner Freitag, die Oberbürgermeisterin der Stadt Halle, Frau Ingrid Häußler, der Staatssekretär im Kultusministerium von Sachsen-Anhalt, Dr. Christoph Helm, der Rektor der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Prof. Dr. Wilfried Grecksch, der Rektor der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Prof. Dr. Klaus-Erich Pollmann, und der Dekan des Fachbereichs Geschichte, Philosophie und Sozialwissenschaften, Prof. Dr. Bernd Six. Den Festvortrag zum Thema "Am Ziel ihrer Geschichte. Die deutschen Historiker im Kaiserreich" hält Prof. Dr. Ernst Schulin von der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg.

Freitag, der 17. November 2000, ist im Institut für Geschichte, Kröllwitzer Straße 44, dem Kolloquium "Halle und die deutsche Geschichtwissenschaft um 1900" vorbehalten. Am Vormittag (9 bis 12 Uhr) stehen fünf Vorträge bzw. Kurzreferate zum Thema "Das Seminar in Halle um 1900" auf dem Programm, am Nachmittag (13.30 bis 17 Uhr sechs Vorträge bzw. Kurzreferate zu "Methodologie und Rahmenbedingungen".

(Dr. Margarete Wein, 10. November 2000)

Nähere Informationen:
Prof. Dr. Werner Freitag, Tel.: 0345 / 552 42 92, Fax: 0345 / 552 70 39
E-Mail: lattke@geschichte.uni-halle.de


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