Rivalität und Solidarität
unter uyghurischen Heilerinnen in Kasachstan

Im Rahmen der Dienstagsvorträge des Orienwissenschaftlichen Zentrums (OWZ) der Martin-Luther-Universität spricht Dr. Ildikó Bellér-Hann über "Rivalität und Solidarität unter uyghurischen Heilerinnen in Kasachstan". Die Veranstaltung findet am Dienstag, dem 10. April 2001, um 18 Uhr in der Professorenbibliothek der Juristischen Fakultät (Thomasianum, 1. Stock), Universitätsplatz 10a, statt.

Die Referentin hat in Budapest Turkologie, Archäologie und Anglistik studiert. Sie wurde an der Universität Cambridge (Großbritannien) in Turkologie promoviert. Nach einer Tätigkeit am Newnham College, Cambridge, als Kustos des Skilliter Forschungszentrums war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin an den Universitäten Cambridge und Kent.

In den letzten zehn Jahren führte sie ethnologische Feldforschungen im Nordosten der Türkei, im Nordwesten der Volksrepublik China und in Kasachstan durch. Seit Ende 1999 ist Dr. Bellér-Hann Mitarbeiterin der „Forschungsstelle Sprachen und Geschichte der Türkvölker" des OWZ.

Das Thema des Vortrags ist in mehrfacher Hinsicht interessant: Die Uyghuren sind eine türksprachige muslimische Minderheit, deren Heimat der Nordwesten Chinas ist. Im Mittelpunkt des Vortrags stehen die Tätigkeiten einer uyghurischen Heilerin und ihre Beziehungen zu den Patienten in einem ärmlichen Viertel Almatys, der ehemaligen Hauptstadt Kasachstans. Die Heilerin ist Mittlerin zwischen den menschlichen und den übernatürlichen Welten. Ihre Praktiken basieren auf traditionellen, vorislamischen Traditionen, werden aber sehr eng auch mit islamischen Symbolen und Vorstellungen verbunden. Die Blüte der Heilungsaktivitäten unter den geänderten politischen und wirtschaftlichen Bedingungen im post-sowjetischen Mittelasien zeigt Kontinuitäten früherer Praktiken mit Wurzeln im traditionellen Ahnenkult.

Der Vortrag untersucht u. a. Vorstellungen über Islam und Tradition im Rahmen des sozialen Kontextes der post-sowjetischen Gesellschaft.

Zu der Veranstaltung sind alle InteressentInnen herzlich eingeladen.

(Dr. Hanne Schönig / Dr. Margarete Wein, 30. März 2001)

Nähere Informationen:
Dr. Hanne Schönig
Tel.: 0345-5524081, Fax: 0345-5527299
E-Mail: schoenig@owz.uni-halle.de


  Zurück zum Index