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  Aktuelle Meldungen und Pressemitteilungen
 
 
Zwischen Philosophie, Medizin und Psychologie.
Martin Heidegger im Dialog mit Medard Boss.
Internationales Symposion vom 18. bis 20. Oktober 2002.
  28.10.2002
 
Vom 18. bis 20. Oktober 2002 fand im Melanchthonianum in Halle unter starker internationaler Beteiligung – 150 Teilnehmer aus aller Welt, von Japan über Kanada und Südamerika bis zu den Ländern der Europäischen Union, Mittel- und Osteuropas und der Schweiz – ein Internationales Symposion statt, das einem herausragenden Dialog "zwischen Philosophie, Medizin und Psychologie" im 20. Jahrhundert gewidmet war – der Zwiesprache, die Martin Heidegger über Jahrzehnte mit dem Schweizer Arzt und Psychiater Medard Boss führte; einer interdisziplinären Begeg-nung ganz ohne öffentliche Förderung und institutionelle Verankerung, die, wie die weltweite Resonanz in Halle zeigte, in verschiedenen Weltteilen bis heute lebendig ist und durch Übersetzungen der "Zollikoner Seminare" ins Japanische, Englische und Französische während der letzten Jahre noch an Aktualität gewonnen hat.

Die seit der Antike bekannte Tradition des Philosophen-Arztes und das von Nietzsche erneuerte Wesen des Philosophen, Arzt der Kultur zu sein, fanden in der Begegnung von Heidegger und Boss eine beeindruckende Fortsetzung. In den Jahrzehnten nach 1945 entspann sich eine enge persönliche Beziehung, die sich durch Gespräche auf der Gebirgshöhe von Lenzerheide, die schon Nietzsche aufgesucht hatte, und dann durch die gemeinsame Arbeit an Boss' Hauptwerk, den "Grundriss der Medizin und Psychologie" (1971) wissenschaftlich vertiefte. Boss bezog bald junge Mediziner und Naturwissenschaftler in seinen Gedankenaustausch mit Heidegger ein.

Den interdisziplinären Geist jener Zusammenarbeit vergegenwärtigte ein Abend-gespräch für die jüngeren Kongressteilnehmer mit dem japanischen Ehrengast Bin Kimura, der seine Erinnerungen an Heidegger und Boss vortrug, die unmittelbare Stimmung der Gespräche mit Heidegger wurde in Berichten von Teilnehmern lebendig.

Vielfältige Vorträge und Diskussionen des Symposions machten klar, dass die Krisis der Apparatemedizin in einer Krise des neuzeitlichen Welt- und Menschenbildes begründet ist. Das Gespräch zwischen Heidegger und Boss kann in dieser Situation Orientierung geben, indem es aus der virtuellen Welt zu authentischem Leben und Selbstsein und zu den Zeugnissen der Dichtung zurückführen möchte. Boss selbst machte dies in seinen Beiträgen zur Traumdeutung klar; therapeutische Praktiker wie Hanspeter Padrutt und Alice Holzhey aus Zürich führten in Halle seine Überlegungen weiter. Hanspeter Hempel (Berlin) und der Indologe Johannes Mehlig (Halle) würdigten Boss' indische Erfahrung und seine Begegnung mit den Texten der indischen Philosophie. In den philosophischen Beiträgen von Jean Grondin (Montreal), Helmuth Vetter (Wien), Eugenio Mazzarella (Neapel), Istvan M. Fehér, Reiner Wiehl (Heidelberg), Claudius Strube und Heinrich Hüni (beide Wuppertal) wurde deutlich, dass Heidegger "denkende Ärzte" zu erwecken und den Patienten aus seiner Statistenrolle wieder in den Mittelpunkt einer humanen Therapie zu rücken versuchte. "Ungemäße Vorstellungen" über den Menschen sollten ferngehalten werden: Diese Maxime gibt Heidegger auch der gegenwärtigen Medizin mit. Daher sind die "Zollikoner Seminare", wie sich am Ende des dreitägigen Symposions zeigte, nicht nur Zeugnis einer vergangenen Begegnung, sie können auch künftig zu denken geben; insbesondere verweisen sie auf ein zumeist übersehenes Phänomen: die Verborgenheit der Gesundheit.

Nähere Informationen:
Prof. Dr. Manfred Riedel
Dr. Harald Seubert

Professur für Praktische Philosophie
Schleiermacherstr. 1
06114 Halle (Saale)
Tel: 0345 55-24397
Fax: 0345 55-27155
E-Mail: schmidtke@phil.uni-halle.de
 
  Dr. Margarete Wein, 28.10.2002
 
     
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